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Autor Thema: Geschichten aus Hinterindien  (Gelesen 449398 mal)

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #615 am: 01. Oktober 2009, 14:01:16 »

wieviele Kurven sind das noch mal, low? Ich erinnere mich an zwei "view points" mit herrlichem Blick. Dort waren auf einem grossen Schild die Anzahl Kurven genannt. Bis View Point I warn's  glaube ich etwa 1500. Bis Pai noch 800 mehr oder so?

Auf der gesamten Strecke so gut wie keine Schornsteine für diejenigen, die nicht mehr im 7/Eleven einkaufen oder gar eine mittlere Badewanne voll Nudelsuppe stäbeln können. Die machen irgendwas anderes mit den Toten. Was, habe ich nicht so richtig verstanden. Weisst du das, oder habe ich da was missverstanden?

Ich nehme an, da kommt noch was über diese Reise von dir? 


Hallo @Profuuu

auf dem Doi Kong Moo (MHS) habe ich mal das Schild eines Falangs gelesen, dass es von Chinag Mai genau bis auf diesen Berg 1.865 Kurven geben soll. Wie er das gezählt hat, weiß ich nicht. Aber weit liegt er sicherlich nicht daneben. Wie muss Low doch seine Dick lieben, wenn er solche Strapazen auf sich nimmt!

 Die fehlenden Schornsteine im Wat kann ich dir gut erklären. Oben auf dem Berg   >>>

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Low

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #616 am: 01. Oktober 2009, 15:20:43 »

Danke ou1.
Ich hatte noch einige zusätzlich Kurven im Auto, die ich nicht missen möchte.

Ein Aufsatz:
Totenkult und Leichenschänder
(fehlende Krematorien) ist in Arbeit.
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Profuuu

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #617 am: 01. Oktober 2009, 22:55:30 »

OK, danke für die Aufklärung. Offene Feuerbestattung also....
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Low

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #618 am: 02. Oktober 2009, 11:58:30 »


Auf der gesamten Strecke so gut wie keine Schornsteine für diejenigen, die nicht mehr im 7/Eleven einkaufen oder gar eine mittlere Badewanne voll Nudelsuppe stäbeln können. Die machen irgendwas anderes mit den Toten. Was, habe ich nicht so richtig verstanden. Weisst du das, oder habe ich da was missverstanden?

Ich nehme an, da kommt noch was über diese Reise von dir? 

Lieber Profuuu

Nach Mae Sariang fand ich an der 108 , ausser in Mae Hong Son,  keinen 7/Eleven.
Das ist aber keine Antwort auf deine Frage. Fortsetzung folgt.
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Low

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Totenkult und Leichenschänder
« Antwort #619 am: 02. Oktober 2009, 12:43:47 »

Totenkult und Leichenschänder

Profuuu tönte es an:
Auf der gesamten Strecke so gut wie keine Schornsteine für diejenigen, die nicht mehr im 7/Eleven einkaufen oder gar
eine mittlere Badewanne voll Nudelsuppe stäbeln können. Die machen irgendwas anderes mit den Toten. Was, habe ich
nicht so richtig verstanden. Weisst du das, oder habe ich da was missverstanden?


Die erste Bekanntschaft mit den filigranen Laubsägearbeiten der Shan Tempel in Thailand machten wir in Mae Sariang.
Wat Jong Sung, Uthayarom, verbreitete nach den für uns üblichen Lanna Tempeln eine eigene, starke Exotik.
Etwas gewöhnungsbedürftig war ein äusserlich wunderschöner Bau voller Katzenexkremente. Der Gestank war so
widerwärtig, dass ohne jegliche Würdigung des Buddha nur die Flucht ins Freie den Körper vor allzu menschlichen
Reaktionen, wie Magenentleerung durch Aufstossen, behütete.
Auf den verspielten, korrodierenden Dächern des Katzentempels nisteten grosse Vögel.
 
Einige junge Mönche, offenbar irgendwie verkatert, schlugen, prügelten sich und schrien einander an. Ein denkbar
unwürdiges Benehmen nur wenige Minuten nach einer Andacht, an der zusätzlich einzelne Frauen mittleren Alters
und einige wenige ältere Menschen teilnahmen.

Die ganze Strecke bis Mae Hong Son und Pai ist mit wenigen Ausnahmen voller Bäume, zum Teil mit dichtem Urwald
überwuchert. In Brandrodungsgebieten ragen riesige Baumleichen aus dem Gestrüpp.
Dieses trockene Holz wäre von mir aus gesehen ideal fürs Kochen oder zum Kremieren geeignet, vielleicht sogar besser
als Autoreifen.
Doch viele Leichen werden in diesem Landesteil nicht kremiert. Die Körper werden in Tücher gewickelt und dann folgt
eine Erdbestattung.
Der bestmögliche Ort der Bestattung wird durch den Dorfobmann oder den Schamanen  mit Eiern bestimmt. (1) Die Eier
werden ähnlich wie Pétanque Kugeln gerollt. (2)
Dort wo ein Ei zerbricht, wird das Grab ausgehoben, nicht wie in Euroland an die zwei Meter tief. Ein halber Meter ist
bereits Luxus. Ein Bambushag rund ums Grab verhindert, dass die Hunde Leichen fleddern.
Weil das Klima die Bambuszäune schnell verwittern lässt, ist es nicht ausgeschlossen, dass dich beim Austreten neben
der Strasse eine Knochenhand aus der Erde willkommen heisst, oder dass du möglicherweise über ein paar Knochen
oder gar ein Skelett stolperst.
Ich machte da keine löbliche Ausnahme und verrichtete das kleine Geschäft unbeabsichtigt in einen Totenacker. Erst danach
informierte mich Dick.
Es sollen keinerlei Ausreden oder gar eine Entschuldigung sein, aber für mich besteht rein optisch ein kleiner Unterschied
zwischen einem Friedhof und einer Mülldeponie. Bisher verrichtete ich die Notdurft noch nie in einer Müllhalde. (Ein verdammt
anspruchsvoller Farang.) Nachdem mich Dick aufgeklärt hatte, entdeckte ich zwischen kargem Pflanzenwuchs, Plastikabfällen,
leeren Getränkedosen und Bechern, abgebrannte Weihrauchstäbchen und Wachsreste von Kerzen.

Erst unser Dschungeltrip liess dann für Sekunden meine Nackenhaare sträuben, während einige Kälteschauer der Wirbelsäule
entlang pulsierten. Ich fühlte wie in einem billigen Gruselfilm aus meiner Jugendzeit.
In einer Lichtung überraschte uns plötzlich ein Anwesen aus einigen kunstvoll geflochtenen Hütten. Meist bedeckten Palmblätter
die Dächer. Doch rostiges Wellblech war ebenfalls vorhanden.  Mitten im Grün bemerkte ich sogar eine kleine Satellitenschüssel.
Die männlichen Bewohner wirkten zumeist verkifft. Ich dachte an Alkohol. Dick sagte: „Drogen“.
Im Gebüsch am Steilhang stand verborgen ein kleinst Tempel. Etwas unterhalb davon lag ein durch hohen Bambus eingezäuntes
Gelände, offenbar ein Bestattungsplatz. Extrem lange Bambusstangen ragten aus dem Geviert.
An einigen Stangenenden sah ich Grasbüschel. Vielleicht waren es Haare. Andere Rohre trugen komische, unidentifizierbare Objekte.
Es fehlten nur noch heulende Menschenfresser mit ausgebleichten Knochen im schwarzen Haar und Speeren in den Händen.
Im hohen Gras um die Stangen kauerten im fahlen Licht einige buntgekleidete Gestalten. Unter schändlichen Bedingungen wurden
die Bambuspfähle eventuell ähnlich wie bei Dracula geschildert, durch die Herzen getrieben.(3)
Unsere Kameras fielen wegen Lichtmangels aus. Dieses Bild ist aber unauslöschbar in mein Gedächtnis eingeprägt.
Hoffentlich träume ich nicht davon.

Kaum waren wir weg, hatte ich den Wunsch, an den mystischen Ort zurück zu kehren. (4) Während vielen Kilometern war es
ausgeschlossen, das Fahrzeug gefahrlos zu wenden. Dann vernahm ich aus dem Dschungel nebst Vogelgezwitscher das bekannte
Knurren einer hungrigen Katze, das bereits beschriebene Nudel Badewannen Syndrom. (5)

(1)
http://de.wikipedia.org/wiki/Schamane
(2)
http://de.wikipedia.org/wiki/P%C3%A9tanque
(3)
http://de.wikipedia.org/wiki/Dracula_(Roman)
(4)
http://de.wikipedia.org/wiki/Mystik
(5)

« Letzte Änderung: 02. Oktober 2009, 13:05:15 von Low »
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Profuuu

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #620 am: 02. Oktober 2009, 20:46:14 »

Danke low. Ich wusste, auf dich ist Verlass. Alleine die überaus höfliche Herablassung meiner Holden auf diesen Totenmüllkult ließ mich Schlimmes erahnen. Je höflicher sie sich ausdrückt, je interessanter und abgefahrener der Hintergrund ihrer Höflichkeit. Reine Erfahrungssache mit ihr. 8)

Als wir die Tour machten, habe ich nicht weitergebohrt. Meine Phantasie schlug aber Purzelbäume. Z.B. über die Totenfeiern.

"Möchtest du vielleicht ein Stück von der Lende?" stelle ich mir die Gespräche neben der Leiche von nächtlichem Lagerfeuer beleuchtet vor. Oder: "hättest du gedacht, dass Oma noch so gut schmeckt? Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich ihr eine Maggie-Vergiftung verpasst."

Die beruhigende Einsicht ist, dass dem nicht so ist, und meine Phantasie ganz schön belastet ist.  ;D

So bleibt mir nur, mich irgendwann mal des nachts mit einer Taschenlampe auf solch eine Müllhalde zu begeben und ein ein Privat-Horror-Movie zu drehen. Falls ich auf keine aus dem Boden herausragende Skeletthand stossen sollte, hätte ich ein Schüppchen dabei. Danke, für deinen Hinweis. Ich weiss ja jetzt, dass ich nur an der Oberfläche ein bisserl zu kratzen brauche ;)

      
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drwkempf

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #621 am: 02. Oktober 2009, 21:31:41 »

Ne, ne :D : :'(

ich stell mir grad den Profuuu mit der Taschenlampe vor!!
Wen den dann auch noch ein Thai sieht, brauchen wir uns nicht zu wundern, dass die dann wieder für Generationen an Geister glauben.

Wolfram
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Low

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Verantwortung
« Antwort #622 am: 04. Oktober 2009, 11:26:01 »

Verantwortung         3. Oktober 2009

Sind Thais Buddhisten oder Animisten? (1) Der Geisterglauben ist weit verbreitet und eigentlich nicht vereinbar
mit den Lehren des Buddha. Ich denke jedoch, die meisten mir bekannten Thais passen in keines der erwähnten
Schemata.

Eine verständliche Definition des Animismus fand ich irgendwo im Netz:

„Der Animismus geht von der Annahme der allgemeinen Belebtheit der Natur aus. Einer Vorstellung der Personifizierung
und Beseelung aller Erscheinungen in Natur und Gesellschaft. Unter der allen Dingen innewohnenden „Seele“ wird als
eine allgemeine Lebenskraft verstanden. Insbesondere ist dem Animismus jeder religiöse Überbau fremd. „Heilig“ im
Sinne von „respektgebietend“, aber auch „respektfordernd“, ist die Natur in allen Ausprägungen. In jedem Stein,
jeder Pflanze, jedem Tier und jedem Menschen, auch an jedem Ort entwickelt Lebenskraft einen eigenen Willen,
der natürlichen Regeln folgt.“

Diese Aussagen gelten kaum für die Mehrzahl der Bewohner dieser schönen Gegend. Man opfert zwar Erdgeistern und
Göttinnen und verschmutzt gleichzeitig den nackten Boden mit Motorenöl. Kausalität ist die grosse Unbekannte,
seien es Worte oder Taten. (2)

Ich erachte die absolute Respekt- und Verantwortungslosigkeit als Ursache vieler übler Zustände. Das Spektrum reicht
von der fehlenden Ethik der Handwerker bis zu korrupten Staatsbeamten und Politikern.
Das an Arroganz grenzende Verhalten im Strassenverkehr, Alkohol und Drogen, mit Fahrerflucht bei schweren Unfällen,
passt gut ins Bild.

Heute erlebte ich wieder ein typisches Verhaltenmuster. Wir hatten einigermassen erträgliche Nachbarn. Die Karaoke
Exzesse fanden nicht allzu häufig statt und mein Tinnitus tolerierte sie ohne allzu grosses Glockengeläute im Ohr.
Als wahre Naturfreunde hielten sie viele verschiedene Vögel in zu kleinen Käfigen. Tiere derselben Arten lebten in nächster
Nähe in der freien Landschaft und nisteten bei uns im Garten. Die Vögel zwitscherten einander zu. Die armen eingekerkerten
Dinger schlugen piepsend hilflos mit den Flügeln.
Diese Nachbarn zogen heute aus. Die Hinterlassenschaft: Eine Menge Schrott, Dreck und sieben ausgesetzte winselnde
Welpen und eine hungrige Hündin auf der Strasse.

Während so etwas in Europa währen den Sommerferien in einzelnen Fällen durchaus vorkommt, ist das hier durchaus üblich. (3)
Ich erlebte, dass sogar unerwünschte Kinder ohne Angabe einer Adresse zurückgelassen wurden.

Möglicherweise gab es bei einem anderen Nachbarn, einem wenig professionellen Gauner, welcher immer wieder von der Polizei
belangt wurde, zum Abendessen Tom Yam Ma, obwohl immer wieder behauptet wird, Hunde werden nur im Nachbardorf in
die Pfanne gehauen.

(1)
http://de.wikipedia.org/wiki/Animismus
(2)
http://de.wikipedia.org/wiki/Kausalit%C3%A4t
(3)
http://forum.thailand-tip.com/index.php?topic=1225.msg58165#msg58165


« Letzte Änderung: 04. Oktober 2009, 11:30:32 von Low »
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Ton

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Re: Verantwortung
« Antwort #623 am: 04. Oktober 2009, 15:54:02 »

@Low

Sind Thais Buddhisten oder Animisten? (1) Der Geisterglauben ist weit verbreitet und eigentlich nicht vereinbar
mit den Lehren des Buddha.

In der buddhistischen Lehre kennt man 33 Welten, von denen meist deren 6 dargelegt werden (Deva=Götter; Asura=Kämpfer; Menschen; Tiere; Preta=Geister und Hölle). Aus Tibet kennen wir das Konzentrat der Buddhalehre aus Bildern (Thangkha), darum kann man es sich sogar anschauen.

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Low

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Buddhismus und Tibetischer Buddhismus
« Antwort #624 am: 04. Oktober 2009, 21:14:50 »

Hallo Ton

Danke für deinen Beitrag und die schöne Thangkha. Irgendwo im fernen Europa
hängt bei mir ein ähnliches Bild an einer Wand.

Buddhismus und Tibetischer Buddhismus

„Dharma" ist ein Sanskritwort mit vielen unterschiedlichen Bedeutungen. Doch in unserem Fall verwenden wir
das Wort hauptsächlich für den "Buddha"-Dharma oder die Lehren des Buddha.
Der Buddha selbst gab uns die wohl kürzeste Zusammenfassung seiner Belehrungen, in dem er sagte:
"Ich lehre über das Leiden und den Weg, es zu beenden."
Shakyamuni Buddha, der historische Buddha, gab in seinem Leben viele Belehrungen, und es ist nicht einfach,
diese Belehrungen kurz zusammen zu fassen. Dazu kommt noch, dass sich während der letzten 2.500 Jahre
viele verschiedene Richtungen des Buddhismus entwickelt haben, die alle aufgrund von leicht unterschiedlichen
Interpretationen der Lehren des Buddha entstanden sind und diese brachten auch etwas unterschiedliche
Praktiken hervor.
Die Lehren des Buddha wurden in vielen verschiedenen Niederschriften festgehalten. Die ältesten dieser
Niederschriften wurden in den Sprachen Pali oder Singhalesisch verfasst und bilden die Grundlage des Theravada
Buddhismus; der Pali Canon. Die Lehren des Mahayana sind in Sanskrit niedergeschrieben worden.
(für eine detaillierte Erklärung der Schulen siehe: Die drei Fahrzeuge)

Der frühe buddhistische Kanon wird gewöhnlich als "die drei Körbe" bezeichnet. (Skt: Tripitaka; Pali: Tipitaka),
bestehend aus:
1. Vinaya: Verhaltensregeln, die die monastische Ordnung regeln.,
2. Sutras: die Belehrungen, die von Buddha gesprochen wurden; und manchmal von seinen nächsten Schülern,
3. Abhidharma: enthält die Ausformung der buddhistischen Psychologie.

Der tibetische Canon besteht aus Kangyur und Tangyur. Er enthält eine Ansammlung von Mahayana Sutras, die aus
dem Sanskrit übersetzt wurden, Abhandlungen (Shastras) von bedeutenden indischen Philosophen, Tantras und
tantrische Kommentare und verschiedene andere Schriften,die wichtig genug erschienen, um dem Kanon hinzugefügt
zu werden. Die Übersetzer hatten guten Zugang zur Weitläufigen Literatur der Zeit. Zudem muß beachtet werden,
daß der tibetische Kanon viele Jahrhunderte nach dem Chinesischen zusammengestellt wurde.
Tibet und die Mongolei folgten beide dem tibetischen Kanon, der von Buton Rinpoche (1290 – 1364) zusammengestellt
und redigiert wurde.

Der tibetische Buddhismus benutzt die Karma-Lehre sehr gezielt als individuelle und soziale Zuchtrute. Mit surreal
gesteigerten Bestrafungsphantasien werden die Gläubigen vor dem Abweichen vom Pfad der Tugend gewarnt.
Das Tibetanischen Totenbuch zum Beispiel spricht von 16 Höllen in denen man ohne Pause dort den schrecklichsten
Qualen ausgesetzt ist.
So geht es Kapitel um Kapitel in der entsprechenden Literatur weiter. Der tibetische Buddhismus hat für den Gläubigen,
der gesündigt hat, ein nicht enden wollendes Arsenal von Folterungen in petto: Köpfe werden abgerissen, Zungen
werden aus dem Mund gezogen und mit Dolchen durchstoßen, die armen Seelen versinken in Seen aus Exkrementen
und werden von Insekten, die in diesen Seen leben zerfressen und zerpickt. Die schlimmste aller Verfehlungen für einen
tibetischen Buddhisten ist bezeichnenderweise das Aufbegehren gegen ein Mitglied des lamaistischen (tibetanischen)
Klerus (Kirche, Religion), und das beste, was er tun kann, ist, allen Mitgliedern dieses Klerus blind zu gehorchen.
Im „alten Tibet“ hatte er ohnehin keine Wahl, denn die gesamte religiöse und weltliche Macht, die justizielle und polizeiliche
eingeschlossen, lag bei eben den Leuten, die ihm für den Fall der Unbotmäßigkeit ewige Höllenqualen androhten.

Aus theologischer Sicht ist interessant, daß diese Höllenphantasien, zusammen mit dem notwendigen Gegenkonstrukt
des Paradieses (Sukawati) eine Eigenentwicklung des Mahayana-Buddhismus sind, zu dem auch der tibetische Buddhismus
zählt, und daß sie in den ursprünglichen Lehrreden Buddhas nicht auftauchen. Man fühlt sich an die ausgefeilten
Höllen-Szenarien des christlichen Mittelalters erinnert, mit dessen rigidem Bestrafungsterror der tibetische Buddhismus
jederzeit mithalten kann. Was derlei Karma- und Wiedergeburtsdenken in den Köpfen einfach strukturierter, ungebildeter
Menschen anrichtet, läßt sich nur ansatzweise und mit Schaudern erahnen.

Mit der ursprünglichen Lehre hat diese Sektiererei wenig gemeinsam.

Quellen:

http://www.viewonbuddhism.org/buddhismus-deutsch/g-3-drei-fahrzeuge-yanas.htm

http://de.wikipedia.org/wiki/Buddhismus_in_Tibet

http://home.arcor.de/tantram/

http://www.hjp.ch/Kirche/Sektierer.htm





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Profuuu

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #625 am: 05. Oktober 2009, 04:57:47 »

Jede Religion hat einen gewissen "Verarschungsfaktor! gegenüber den seichten Laien in sich. Deutlich erkannbar an unsreren bibelgläugigen Gesellen hier im Forum, sowie an den Selbstmordgesellen der arabischen Fraktion.

Die Hölle und anderer Schmarrn sind nichts anderes als ein Kompromiss an die allgemeine Blödheit des durchschnittlichen Menschen, diese selben Im Sinne der Religion mit Drohungen bei der Stange zu halten.

OK, wer solch einen Mist braucht...meiner Oma habe ich schon lange deswegen verziehen... ;)


 
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Ton

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #626 am: 05. Oktober 2009, 07:02:19 »

@Profuuu

Schau mal Worte wie Kamma, Wiedergeburt, Hölle, Geister und dergleichen aus rein psychologischer Sicht an, das spielt sich nämlich alles innerhalb eines einzigen Lebens ab. Dein HerzGeist-System wird regelmässig wiedergeboren, genau in dem Augenblick, wo Du einem Sinnesreiz nachgehst. Wenn Du Hass verspürst, wirst Du Dich auch Augenblicklich in der Hölle wiederfinden, obwohl Du vielleicht gerade auf oder unter einer Dame liegst  ;D .
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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #627 am: 05. Oktober 2009, 12:23:43 »

@Profuuu, du nennst es “Verarschungsfaktor”, ich nenne es ”Machtanspruch” jedweder Religion. Wichtigste Vorschrift einer Religion ist stets, den Regeln folgen zu müssen, um erlöst zu werden??? . Wie z.B.: Ich bin der Herrr, Dein Gott …..  . Wenn nicht, gibt’s … Kloppe und vor allem höllische Bestrafung. So macht man sich die Doofen und halb Doofen gefügig, psychologisch gesehen. Zum Ausgleich wird dir der Himmel, ewiges Leben, Erlösung von der Wiedergeburt oder ähnlich Irreales versprochen.

Einer Religionsgründer hat stets vom anderen abgekupfert und Neues hinzugefügt. Man findet so viele buddhistische Werte bei den Christen wieder. Selbst Mohammed kam nicht ohne die jüdischen Figuren aus. Ich habe nichts gegen die Werte, die uns Buddha und Christus vermitteln, aber bitte ohne die Peitsche bzw. die Hölle und vor allem die formalen Regeln.

@ Ton, du willst uns einreden, dass wir uns von Gefühls- und Sinnesreizen frei machen sollen, um der Hölle zu entkommen. Komisch, meine Psychologie tickt anders als deine: Gefühle haben, aber mit Verantwortung ausleben.  Von der Hölle ist übrigens noch nie einer zurück gekommen, vom Himmel allerdings auch nicht. Darum kann man den Leuten so viele Märchen erzählen. Religion und Politik haben die Basis im Glauben an die Le/e/hre,  weil da nichts oder selten was zu beweisen ist. Das bringt halt die vielen “Gläubigen“ / Anhänger.

Wiedergeburt, Hölle, Geister …. innerhalb eines einzigen Lebens aus psychologischer Sicht?  Sind mir noch nicht begegnet in meiner Psyche. Allerdings, meine Lebenspartnerin und ich wären froh, wenn es das gäbe und vor allem, wenn wir da selbst mitmischen könnten in Bezug auf den Zeitpunkt. 

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Ton

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #628 am: 05. Oktober 2009, 14:19:24 »

@ou1

Du unterstellst mir Märchen und schreibst im gleichen Atemzug davon, dass noch nie jemand aus der Hölle oder dem Himmel zurückgekommen ist  :D .


Das interessante am Buddhismus ist, dass niemand glauben muss, ein jeder kann solange praktizieren, bis er weiss. Jeder Teilaspekt der Lehre ist überprüfbar, nur braucht es dazu halt ein bisschen mehr als rein gedanklich-analytische Arbeit.

Warst Du noch nie "auf Wolke sieben"? Falls ja, dann warst Du psychologisch gesehen auch schon im Himmel. Wenn Dich der psychologische Aspekt der Wiedergeburten interessiert, recherchiere mal nach den 12 Gliedern der bedingten Entstehung, dann wird Dir einiges klar, auch was in Dir abgeht.
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Low

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #629 am: 05. Oktober 2009, 14:35:06 »

Im Buddhismus sollten Denken, Glauben und Handeln eine Einheit bilden. Dabei lassen sich die Begriffe "Glaube"
und "Denken" als die Summe des Strebens nach Erkenntnis, nach Wissen, nach der vollkommenen Erleuchtung
durch spirituelle Übungen beschreiben. Der Glaube oder die Überzeugung, die im Nachdenken gefestigt worden ist,
ist unerschütterlich.
Der Dalai Lama sagte: "Jemand, dessen Glauben nicht auf Vernunft gründet, ist wie ein Wasserlauf, der überall
hingeleitet werden kann."


Mich wundert, dass niemand ein Herz für die Tiere zeigte. Offenbar war ich der Einzige, obwohl ich kein grosser
Hundefreund bin.
Zitat:
Die Hinterlassenschaft: Eine Menge Schrott, Dreck und sieben ausgesetzte winselnde
Welpen und eine hungrige Hündin auf der Strasse.

Diese Hunde waren die eigentlichen Auslöser der Geschichte # 623 - "Verantwortung".

Die Beiträge zeigen klar, man kann über Religionen diskutieren oder man kann sie umsetzen.
« Letzte Änderung: 05. Oktober 2009, 15:14:06 von Low »
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