Hokuspokus fidibus
Üblicherweise spekuliere ich nicht über die Zukunft meiner Akteure in den Geschichten. Aber mich reizte die Geprügelte in „Uniformen“.
Sollte sie weiter Schläge beziehen, werde ich sie vermutlich Frau Rahm oder Frau Sahne nennen.
Sie hat es nicht einfach. Weil ihr Mann Soldat ist, kann sie nicht bei der Polizei um Schutz ersuchen. In Bangkok wäre es etwas einfacher.
Dort gibt es ein Frauenhaus, das den Misshandelten Unterkunft anbietet.
Mein hokuspokus Blick in die Zukunft dürfte nicht allzu abwegig sein.
Ich denke nicht, dass eine junge Frau, sofern sie einmal der Hölle eines hinterindischen Schlägers und Tunichtguts und dessen Familie
entkam, gleich einen neuen Thai Partner sucht. Ausnahmen wie in # 279, „Die sexy Puppe mit der Nudelsuppe“ bestätigen die Regel.
Es gibt auch in unserem Kulturkreis Personen, die dem Masochismus huldigen.
Selbst schlagende Farang sind keine Raritäten. Herr Gucci benutzte seine Hände nicht nur zum Segnen und Liebkosen.
Trotzdem lässt die Tendenz meines Erachtens eher auf Farang schliessen. Dabei müssen wir berücksichtigen, dass irgend etwas im
Seelenleben, im Gehirn zurückbleibt. Zu viele junge Frauen leiden unter Neurosen und Psychosen.
Als Neurosen werden seit William Cullen (1776) nervlich bedingte funktionelle Erkrankungen beschrieben.
Seit Freud, ungefähr 1900, wird darunter eine leichtgradig psychische Störung verstanden, wobei die Ursache ein Konflikt ist.
Neurosen werden Psychosen, das sind schwerere seelische Störungen, gegenübergestellt.
In extremen Fällen sind Depressionen nicht ausgeschlossen.
Depressiv bezeichnet umgangssprachlich einen Zustand psychischer Niedergeschlagenheit. In der Psychiatrie wird die Depression
den affektiven Störungen zugeordnet.
Etwas Aufklärung über diese Leiden brachten eigene Erfahrungen. Dick hatte anfänglich schwere depressive Störungen, sogar
mit Suizidversuchen, die ich allerdings nicht kannte. Ärzte stuften ihr Leiden als Migräne ein.
Unsere gegenwärtige Haushälterin erduldet eine Psychose, ohne dass sie davon etwas bemerkt. Beide Frauen muss ich mit
Fingerspitzengefühl behandeln. Bei ihnen lassen sich wuchtige Symptome relativ einfach auslösen. Ich befleissige mich äusserster
Zurückhaltung. Im Notfall sind für Dick Medikamente griffbereit.
Mehrere Frauen im Dorf leiden an psychischen Störungen. In diesem Jahr erwischte es die Königin der Nacht. (1) Sie suchte in ihrem
Delirium wiederholt tagelang bei uns Schutz, bis ihre Schwester sie in ärztliche Obhut brachte.
Es ist nicht auszuschliessen, dass Alkoholprobleme durch psychische Probleme verursacht werden. Ich selbst trinke nur prophylaktisch.(2)
Wie mancher Mann kennt schon die Vorgeschichten und all die Nöte einer neuen Bekanntschaft, die sich scheinbar lebhaft und
aufgetakelt in einer Bar vergnügt.
Wenn dann Sicherheitsdenken mit finanziellen Forderungen hintergründig im Vordergrund stehen, kann ich das den gebeutelten
Weibern nachempfinden.
Ich hatte in Chiang Mai verschiedentlich das zweifelhafte Vergnügen, ein Krankenhaus für Psychiatrie von innen kennenzulernen
und war richtiggehend entsetzt über die Menge und Zusammensetzung der Patienten.
Wir fanden eine gute Ärztin für Dicks Probleme. Sie nahm sich Zeit und konnte erfolgreich auf die Patientin eingehen. Ich beobachtete
andere Spezialisten, die im Durchschnitt in einer Stunde als Seelenklempner an die zwanzig Kunden durchschleusten und emsig
chemische Präparate verschrieben. Das ist meines Erachtens Hokuspokus.
(1)
http://forum.thailand-tip.com/index.php?topic=1225.msg30930#msg30930http://forum.thailand-tip.com/index.php?topic=1225.msg88545#msg88545(2)
Primäre Prophylaxe, auch Primäre Prävention genannt, soll den allgemeinen Gesundheitszustand verbessern und die Entstehung
von Krankheiten vermeiden.