Vor kurzem sind mir einige hochgelehrte Untersuchungen über die für den Weltfrieden so wichtige Frage, welcher Platz gebührt dem Koran in einer Bibliothek, in die Finger gefallen. Voller Scham bekenne ich, dieser Frage nie die ihr gebührende Aufmerksamkeit gewidmet zu haben. Und wie wichtig und diffizil sie ist, das wird allein schon daran deutlich, dass sich Autoren berühmter Universitäten in so etwa 120 laufenden Metern Literatur dazu auslassen.
Ich möchte hier diese hochinteressante Problematik für den deutschsprachigen Raum skizzieren.
Manche Bibliotheken sortieren ihren Bestand in alphabetischer Reihenfolge der Autoren. Da erschien es mit dem Koran ganz einfach. Wegen der Autorenschaft Aaaaallahs gelangte der Koran zwangsläufig an den Beginn des Bestandes. Aber wie? Und das führte zu hochgelahrten, heftigsten Diskussionen. Und da sich auch die Elite der Exegeten daran beteiligte, waren in deren Verlauf nur wenige Todesfälle wegen Blasphemie zu beklagen.
Knackpunkt war, gehört das Buch nun nach oben links oder unten rechts.
Für oben links sprach die Sortierfolge des Alphabets. Allerdings, so gab man zu bedenken, mache Bibliotheken haben erhebliche Bestände, die sie in sehr hohen Regalen aufheben, so dass es geschehen könne, dass das Buch nicht in unmittelbarer Reichweite des Gläubigen sei.
Für unten rechts sprach, dass man das Arabische von rechts nach links schreibt und der Gläubige von dort her eher nach rechts unten schauen wird.
Ein Kompromissvorschlag war, den gesamten Bestand der Bibliotheken durch Koranexemplare zu ersetzen. Schließlich stehe in diesem Buch alles, was ein Mensch wissen kann und muss. Dieser Vorschlag konnte sich nicht durchsetzen, denn dann stünde ja kein Platz mehr für die Hadithen zur Verfügung.
Favorisiert wird derzeit der Vorschlag, den gesamten Bestand mit Koranexemplaren sozusagen einzurahmen. Strittig ist dabei noch, ob dies auch für die unterste Reihe gelten soll, schließlich besteht dort die Gefahr, dass das heilige Buch mit den Füßen berührt wird.
Andere Bibliotheken sortieren ihren Bestand nach Sachgebieten.
Die Vorstellung, den Koran in das Sachgebiet Religion einzuordnen und dann auch noch wohl möglich zusammen mit der Bibel zu präsentieren wurde einstimmig als völlig unislamisch abgelehnt. Es sei nur am Rande bemerkt, dass so etwas natürlich auch Rassismus pur ist.
Derzeit wird die Lösung favorisiert, dass der Koran und andere Schriften des Islams unmittelbar am Eingang der Bibliothek zu platzieren sind. Alles andere hieße, den Islam zu beleidigen. Selbstverständlich sind die Regale in Richtung Mekka auszurichten. Auch das versteht sich von selbst. Allerdings, heftigst umstritten ist die Frage, ob die Ausrichtung in der Längst- oder der Querrichtung zu erfolgen hat.