Schweiz : Deutschland
Ein Teilerfolg für Cédric Wermuth
Dieser Schuss hätte auch nach hinten losgehen können. Doch
Cédric Wermuth wird für seinen Mut belohnt.
Der Aargauer SP-Politiker hat in einem ziemlich deutlichen Brief die
Chefredaktion von ARD und ZDF gebeten, ihre
Einladungspraxis zu überdenken und
nicht ausschliesslich SVP-Nationalrat Roger Köppel in Talkshows wie
«Hart, aber fair» oder «Anne Will» einzuladen.[/b]
In dem Brief, der dem Klein Report vorliegt, schreibt Wermuth:
«Mit der einseitigen, wiederholten und ausschliesslichen
Einladung an einen rechtsextremen Politiker zementieren ihre
Formate auf zwar vielleicht eine quotenfördernde, aber
doch recht billige Art und Weise ein völlig verzerrtes Bild der Schweiz»,
so Wermuth.
«Jedes Mal, so scheint es, wenn sie in Deutschland
niemanden finden, der ausreichend menschenverachtend über
Muslime, Ausländer oder Flüchtlinge herzieht, muss der Köppel
ran.»
In der Tat. Da muss man Wermuth Recht geben, es entsteht im
deutschen öffentlich-rechtlichen Fernsehen der Eindruck, dass
Köppels Meinung auch die vorherrschende Meinung der Schweizer
Bevölkerung sei. Und wenn man bei unserem nördlichen Nachbarn zu
Besuch ist, muss man sich immer wieder Hohn und Spott über die
ausländerfeindlichen Schweizer anhören. Dass nur ein Teil der
Schweizer Bevölkerung die Schweizerische Volkspartei (SVP) wählt
und fremdenfeindlich denkt, geht in den Diskussionen meist unter.
Der Chefredaktor der ARD hat sich via Medien bei Wermuth gemeldet
und will den Vorwurf des SP-Politikers nicht im Raum stehen
lassen. Er werde auch in Zukunft den «meinungsstarken
Publizisten», so bezeichnet Thomas Baumann, Chefredaktor der ARD,
den Zürcher Verleger und Politiker Köppel, einladen.
Doch in einem Punkt kommt Baumann Wermuth entgegen, «die
Moderatoren und Moderatorinnen der Sendungen sollen in Zukunft
darauf hinweisen, dass Köppel nicht die Schweiz repräsentiert.»
Cédric Wermuth freut sich über diesen Teilerfolg. «Ich habe mit
meinem Brief eine wichtige Diskussion lanciert und das ist gut
so», sagte er gegenüber dem Klein Report. «Die vielen positiven
Rückmeldungen, die ich erhalten habe, zeigen mir, dass ich ein
veritables Wespennest gestochen habe. Auch vielen anderen
Schweizer und Schweizerinnen ist Köppels rechtsextreme One-Man-
Show in Deutschland ein Dorn im Auge.»
Damit die ARD und ZDF in Zukunft nicht mehr nur Köppel einladen,
hat Wermuth den Sendeverantwortlichen eine Liste der 246
Schweizer Parlamentarier geschickt. «Ich bin überzeugt, dass die
Redaktionen der Talkshows darauf engagierte Redner oder versierte
Rednerin finden werden.»
Der Ball liegt nun bei der ARD und ZDF. Apropos ZDF. Der Klein
Report hat auch Thomas Bellut, Chefredaktor des ZDF, um ein
Statement gebeten. Doch die Pressestelle liess ausrichten:
«Zu diesem Thema möchte sich Thomas Bellut nicht äussern.»
Was lernen wir daraus? Keine Antwort ist manchmal auch eine
Antwort.
Quelle : (Ein Interner Dienst der Schweizer Medien)