Frankreichs Opposition unzufrieden
"Ich ertrage Hollande nicht mehr"
Wussten sie nicht, dass im Saal ein Band mitlief? Frankreichs Opposition hat auf drastische Weise ihrer Unzufriedenheit mit Hollande Luft gemacht.
"Ich habe Mordgelüste", sagte ein Abgeordneter. Marseilles Bürgermeister bot an, Kalaschnikows zu besorgen.
Von Andreas Teska, ARD-Hörfunkstudio Paris
Ein Saal in der Nationalversammlung, vorgestern Abend. Die Abgeordneten der Opposition aus beiden Parlamentskammern beraten gemeinsam über die politische Großwetterlage.
Der Politiker Éric Doligé erhält das Wort: "Ich muss Ihnen sagen, ich habe derzeit wirklich Mordgelüste." Doligé ist unzufrieden mit dem Erscheinungsbild seiner Partei, der UMP, aber noch viel schlimmer findet er die Regierung von Staatspräsident Hollande: "Mir geht wie den meisten Bürgern, ich ertrage Hollande und seine Bande nicht mehr."
Ob dem Senator aus der Gegend um Orléans klar ist, dass seine Ausführungen nicht nur über die Mikrofonanlage im Saal laufen, sondern auch aufgezeichnet werden, ist nicht eindeutig zu klären. Auf jeden Fall meldet sich Doligé wenig später erneut zu Wort, und er legt nach:
"Wir müssen interne Auseinandersetzungen vermeiden, wir müssen vielmehr alles tun, um zu schießen auf also, ich hab da eine Liste von Leuten, auf die man schießen muss, die kann ich Ihnen geben, es sind 40, alle, die in der Regierung sind."
Jean Claude Gaudin, Bürgermeister von MarseilleDie Stimmung im Saal steigt, und aus dem Hintergrund brüllt Jean Claude Gaudin dazwischen. Er könne Kalaschnikows besorgen. Das bietet ausgerechnet der Bürgermeister von Marseille an, der Stadt, in der seit Monaten Abrechnungen im Drogenmilieu stattfinden, bevorzugt am helllichten Tag und auf offener Straße, allein im laufenden Jahr sind mehr als ein Dutzend Menschen erschossen worden.
"Ich habe nichts zurückzunehmen"
Am Tag nach der Sitzung spielt ein Radiosender den Mitschnitt dem Fraktionschef der Sozialisten vor. Bruno Le Roux traut seinen Ohren nicht: "Ich wollte es nicht glauben, aber Sie haben den Satz ja eben wiederholt: Diese Aussagen sind wahnsinnig, respektlos und vollkommen unverantwortlich. Als Politiker muss man sich vorbildlich verhalten. Die Aussagen sind hasserfüllt und nicht zu akzeptieren von jemandem, der das französische Volk vertritt."
Der Sender stellt den Mitschnitt ins Netz. Und das Regierungslager tobt, fordert alles, von der Entschuldigung über den Parteiausschluss bis zum Rücktritt. Allerdings vergeblich.
Seine Äußerungen seien zwar drastisch, erklärt Eric Doligé, aber er habe nichts zurückzunehmen.http://www.tagesschau.de/ausland/hollande362.html