und wir können alle aufatmen von einer neuen Weltleitwährung beglückt zu werden !
Den Begriff “Leitwährung” schätze ich nicht sonderlich und unterscheide lieber in Transaktions- und Reservewährung. Das entspricht eher den in der Geldtheorie genannten Funktionen von Geld, der Wertmess-, der Zahlungsmittel- und der Wertaufbewahrungsfunktion.
Eine Transaktionswährung ist die Währung, in der der internationale Handel abgerechnet wird. Da ist eigentlich die eine Währung so gut wie die andere. Nun, nicht so ganz, keiner wird vorschlagen wollen, dafür den Zimbabwe Dollar zu benutzen. Und das nicht nur deshalb, weil es den inzwischen nicht mehr gibt.
Wichtig ist bei der der Transaktionswaehrung vor allem, dass sie jederzeit in andere Währungen umgetauscht werden kann. Ein deutscher Exporteur bilanziert in Euro, erhält der Dollar wird er sie alsbald in Euro tauschen wollen. Bei einem russischen Exporteur mag das derzeit anders aussehen, das ändert aber nichts am Prinzip.
Das ist vor allem eine Frage der einfachen Handhabbarkeit. Haben z.B. Japan und China vereinbart, auch in RMB und JPY zu fakturieren, ändert das nichts. Die Firma in Japan muss wissen, wie viel Yen sie für ihre RMB bekommt und bei der Firma in China ist es umgekehrt genauso. Beide werden also auf den Kurs der Währung des anderen in Dollar schauen, entsprechend rechnen und Kurssicherungsgeschäfte abschließen.
Diese Wertmess- und Zahlungsfunktion des Dollars ist so etwas wie der Meter. Es vereinfacht die Angelegenheit ungemein, wenn alle die gleiche Maßeinheit benutzen.
Wozu hat ein Land Währungsreserven?
Einfache Gemüter glauben, damit sei die eigene Währung „ gedeckt“. Hierzu einige Zahlen für China, dem Land mit den absolut größten Währungsreserven. Sie betragen derzeit knappe 4 Billionen Dollar. Oder 28 Billionen CNY.
Der Bargeldumlauf im Lande beträgt rd. 5.840 Billionen CNY und die Geldmenge M2 (Bargeld plus Sichteinlagen) 120.860 Billionen CNY.
Wer nun fordert, den Dollar international durch den chinesischen Yuan zu ersetzen, weil der Dollar ungedeckt sei, der möge mir doch bitte erklären, wie der Yuan gedeckt ist. Ich vergaß, China verfügt noch über eine Goldreserve von guten 1000 Tonnen. Die Frage, wenn der Yuan durch wertlose Dollars „gedeckt“ ist, wie viel ist der Yuan dann eigentlich wert, verkneife ich mir mal.
http://de.tradingeconomics.com/china/indicatorsÄhnliche Verhältnisse zwischen Geldmenge M2 und den Devisenreserven findet man bei nahezu allen Ländern. Daraus kann man durchaus schließen, dass Währungen eben nicht durch Devisen gedeckt sind.
International kennt man etwas wie die berüchtigten Targetsalden der EZB nicht. Hier stellen die Devisenreserven eines Landes sicher, dass es nur so viel importieren (und in gewisser Weise auch so viel an Krediten aufnehmen) kann, wie es auch selbst exportiert. Dieser Mechanismus schließt aus, dass sich ein Land auf Kosten eines anderen bereichert.
Nicht verhindern kann dieser Mechanismus dass die USA ihre Leistungsbilanzdefizite problemlos mit der eigenen Währung refinanzieren können. Wie natürlich jeder weiß, wäre der Yuan Reservewährung, China würde so etwas auf keinen Fall machen.
Jedes Land kann sich selbst aussuchen, in welcher Währung es seine Reserven hält. Den Yuan natürlich nicht, der ist nicht frei konvertierbar. Und der Rubel war dabei auch noch nie so ein richtiger Renner. Ja, ein Land kann sogar seine Dollars hergeben und dafür Gold kaufen.
Die Schulden der einen sind immer die Guthaben der anderen. Mordecai Goldmanns bekannte Einführung in das kaufmännische Rechnen weist deshalb mehrfach sehr deutlich darauf hin, dass der Gläubiger ein vitales Interesse am Wohlergehen seines Schuldners hat. So wird dann auch keiner, der über ein Vermögen in Dollar verfügt wie z.B. China, daran interessiert sein, dass es dem Dollar an den Kragen geht. Wenn dagegen jemand, der keine Dollars hat, lamentiert, ist das so unerheblich wie nur was.