Ja, das ist schon ein schlauer Fuchs, der Herr Putin.
Einst rechnete er, dass die Produktion einer Tonne Weizen in Russland wie in der EU 300 Dollar kostet. Der EU Steuerzahler ist aber gern bereit, 100 Dollar draufzulegen um den EU Weizen in Russland verkaufen zu können. Das Ergebnis, Iwan hat billiges Brot auf dem Tisch und die EU Steuerzahler bezahlen das.
Gar nicht so dumm!
Oder vielleicht doch?
2008 berichtete Sputnik News, Russland bestehe darauf, dass von der WTO staatliche Agrarsubventionen in Höhe von neun Milliarden US-Dollar genehmigt werden.
Schaut man auf die Statistik, seit 2000 stieg die russische Getreideproduktion. Die Einbrüche 2010 und 2012 sind Folgen einer Dürre. Wundern sollte das keinen. Russland bietet ideale Voraussetzungen für eine industrielle Landwirtschaft. Eine der größte Agroholdings heißt Prodimex und beackert 800.000 Hektar, umgerechnet entspricht das der dreifachen Fläche des Saarlands.
http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/russland-landwirtschaft-boomt-a-1109524.html Inzwischen ist Russland zum Exportweltmeister für Weizen aufgestiegen. Sicher hat dabei die Rubelabwertung seit 2014 hilfreich gewirkt. Zu korrigieren wäre die allerdings um die recht hohen Inflationsraten der letzten Jahre.
In Anbetracht der Zahlen komme ich zu dem Ergebnis, dass Russland seit langer Zeit an der Steigerung seiner Getreideproduktion arbeitet und nun die Erfolge dieser Arbeit einfährt. Bei den natürlichen Voraussetzungen Russlands für die Getreideerzeugung ist das aber auch kein Wunder. Nur weil es die Sowjetunion nicht geschafft hat folgt daraus eben nicht, dass es unmöglich ist.
Ich bin hier der Meinung, dass die Sanktionen der EU allerhöchstens diesen Prozess ein wenig beschleunigt haben.
Sollte der Rubel international an Wert gewinnen wird es spannend mit den russischen Getreideexporten, sie lassen sich dann nur aufrecht erhalten, wenn der russische Steuerzahler viel tiefer für Subventionen in die Tasche greift.
Ach so, die üblichen Verdächtigen hier waren ganz fest davon überzeugt dass Getreideexporte der EU in Afrika destabilisierend wirken, vielleicht stellen die ja mal analoge Überlegungen für die russischen Getreideexporte an.
Anders sieht es bei der Produktion von Milch und Milchprodukten aus.
Milch ist in der EU ein hochsubventioniertes Produkt. Hier bezahlte der deutsche Steuerzahler den billigen Käse auf Iwans Tisch!
Aber auch hier ist Russland seit langem bemüht, Importe durch Eigenproduktion zu ersetzen. Ich erinnere mich, dass 2008 ein großes Programm aufgesetzt wurde, um u.a. die Entwicklung der Milchproduktion zu fördern. Ein beispielhaftes Ergebnis dafür ist die Firma Ekoniva im südrussischen Liski. Binnen weniger Jahre stieg die Agrarfirma zum größten Milchproduzenten Russlands auf. 60.000 Stück Vieh und fast 200.000 Hektar Land gehören dazu – eine Fläche, die fast so groß ist wie Luxemburg.
http://www.capital.de/dasmagazin/putins-milchmann.htmlUm den EU Sanktionen zu begegnen wurde in Russland zusätzlich viel Geld investiert. Hierbei ist ein interessanter Seiteneffekt eingetreten. Würden die Sanktionen wegfallen, die Russen sind hier (noch) nicht konkurrenzfähig, bräche die russische Produktion unter dem Druck der Konkurrenz zusammen und die Investitionen wären über Nacht wertlos. Begegnen kann Russland dem nur durch drastische Erhöhung seiner Subventionen oder einer andersartigen Beschränkung der Einfuhren.
Mit anderen Worten, fielen heute die Sanktionen weg, muss Russland reagieren.
Ein sehr informativer Artikel ist hier zu finden:
http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/russland-sanktionen-das-steckt-hinter-der-deutsch-russischen-handelsflaute-a-1131560.html