Zu Zentralbanken und insbesondere die FED wird viel Unsinn geschrieben. Ich hoffe mal, dass dies vor allem aus Unkenntnis geschieht.
Dazu vorab ein wenig Theorie.
Die meisten kennen Geldschöpfung haben sie aber nicht so ganz richtig verstanden. Ich folge hier den Ausführungen von Herrn Samuelson.
Betrachten wir einmal, was geschieht, wenn dem Bankensystem neue Reserven zugeführt werden. Nehmen wir an, die Zentralbank kauft für einen Betrag von US-$ 1.000 Staatsanleihen von Frau Anleihenbesitzerin, die daraufhin die fälligen US-$ 1.000 auf ihr Girokonto bei Bank 1 einzahlt.
Als Frau Anleihenbesitzerin ihre US-$ 1.000 auf ihr Girokonto einzahlte, wurden damit US-$ 1.000 an Buchgeld oder Sichteinlagen geschaffen. Müsste die Bank 100 Prozent der Einlagen als Reserve, so führte die neue Einlage von US-$ 1.000 zu keiner Giralgeldschöpfung. Der Kundeneinlage von US-$ 1.000 müssten genau eine Reserve von US-$ 1.000 entsprechen. Doch unsere heutigen Banken halten auf ihre Einlagen keine hundertprozentige Reserve. Wir unterstellen nun, dass Banken eine Mindestreserve von 10 Prozent halten (müssen). Bank 1 muss daher von den US-$ 1.000, die als Einlage geleistet wurden, US-$ 100 als Reserve beiseitelegen und ihr nach der Mindestrücklage von US-$ 100 noch US-$ 900.
Unsere gewinnorientierte Bank wird versuchen die verbleibenden US-$ 900 möglichst als Darlehen zu vergeben oder zu investieren. Das Darlehen könnte für ein Auto verwendet werden, als Investition käme beispielsweise der Kauf von Schatzobligationen in Frage. Nehmen wir an, die Bank vergibt ein Darlehen. Die Person, die das Darlehen aufnimmt, bekommt die US-$ 900 und deponiert sie auf ihr Konto bei einer anderen Bank. Nun werden die US-$ 900 von Bank 1 umgehend ausbezahlt.
Nachdem Bank 1 US-$ 900 ausgeliehen oder angelegt hat, sind ihre Reserven gerade hoch genug, um den Mindestanforderungen zu genügen.
Wenn wir nun die Geldmenge überprüfen, erleben wir eine Überraschung. Zusätzlich zu den ursprünglichen Einlagen in Höhe von US-$ 1.000 finden wir US-$ 900 an Sichteinlagen auf einem anderen Konto (dem Girokonto der Person, die die US-$ 900 erhalten hat). Die Geldmenge hat nun die neue Höhe von US-$ 1.900. Die Aktivitäten von Bank 1 haben US-$ 900 an zusätzlichem Geld geschaffen.
Nachdem die durch Bank 1 geschöpfte zusätzliche Geldmenge von US-$ 900 die Bank verlassen hat, wird sie schon bald zur Einlage bei einer anderen Bank, und hier beginnt eine Kettenreaktion der Geldvermehrung, in deren Verlauf es zu einer weiteren Giralgeldschöpfung kommt.
In den „Banken der zweiten Generation“ durchlaufen die eingelegten Gelder denselben Weg wie unsere ursprüngliche Einlage von US-$ 1.000. Diese Banken kümmert es nicht, dass sie in der Einlagenkette die Nummer 2 sind. Ihre einzige Sorge gilt der Vermeidung unverzinst brachliegender Gelder oder zu hoher Reserven. Ein Zehntel von US-$ 900, also US-$ 90, genügt als gesetzliche Mindestreserve auf die deponierten auf die deponierten US-$ 900.
Die von den Banken der zweiten Generation als Darlehen vergebenen oder investierten US-$ 810 gehen wiederum zu „Banken der dritten Generation“ bezeichnen. Natürlich werden auch sie alle ihre über die Mindestreserve hinausgehenden Einlagen arbeiten lassen und damit eine Giralgeldschöpfung von US-$ 729 erzielen. Eine Bank der vierten Generation erhält noch neun Zehntel von US-$ 810, also US-$ 729, und so weiter.
Der Giralgeldschöpfungsprozess ist dann zu Ende, wenn jede Bank im System auf alle ihre Einlagen genau 10 Prozent Reserven hält. In allen unseren Beispielen ist niemals Geld aus dem Bankensystem hinausgesickert, sondern das Geld ist nur von einer Bank zur nächsten gewandert. Das Bankensystem wird unter dieser Annahme sein Gleichgewicht erreichen, wenn die US-$ 1.000 an neuen Reservemitteln vollständig als Mindestreserven gehalten werden. Das ist genau dann passiert, wenn aus den ursprünglichen US-$ 1.000 US-$ 10.000 geworden sind. Man spricht dabei vom Geldschöpfungsmultiplikator.
Soweit kann man das in vielen populären Darstellungen nachlesen. Ganz wichtig dabei, nicht die einzelne Bank schöpft Geld sondern das Banksystem insgesamt.
Gern wird verschwiegen, dass das was in die eine Richtung gilt natürlich auch umgekehrt gilt. Fließen US-$ 1.000 aus dem Banksystem ab (weil z.B. John Dee Urlaub in Thailand macht) muss das Banksystem seine Geldmenge um US-$ 10.000 verringern.
Genau an dieser Stelle kommt die wohl wichtigste Funktion einer Zentralbank kennt, ins Spiel. Ist die der Meinung, die Geldmenge sei zu hoch so dass ein inflationärer Druck entsteht wird die die Mindestreserveanforderungen heraufsetzten und/oder dem System Bargeld entziehen. Ist sie dagegen der Meinung, die Geldmenge sei zu niedrig um das Beschäftigungsniveau zu halten, wird sie umgekehrt verfahren.
Soweit die Angebotsseite von Geld. Aber die Zentralbank kann natürlich auch die Nachfrage nach Geld durch die Festlegung von Zinsen beeinflussen.
Natürlich ist das alles in der Realität viel komplizierter. Aber hat man das erst einmal verstanden, ist man schon ein gutes Stück weiter und könnte sogar zu dem Ergebnis kommen, dass alles ganz ohne Verschwörungen erklärbar ist.
Und warum ist das alles immer so schwierig?
Dazu eine fiktive Diskussion:
A: Die Wirtschaft bewegt sich am Rand einer Rezession. Wir können es uns nicht leisten, nichts zu tun, während Millionen von Menschen ihre Stelle verlieren. Der Zeitpunkt für deutliche Steuersenkungen ist gekommen, die vor allem Menschen mit mittleren Einkommen begünstigen sollten, da diese ihre zusätzlichen Einnahmen schnell ausgeben werden. Rezessionen sind der falsche Zeitpunkt, um sich an überholte Dogmen über staatliche Defizite zu klammern.
B: Jetzt die Steuern zu senken wäre der Gipfel fiskalischer Verantwortungslosigkeit. Ein niedrigeres Steueraufkommen würde das Defizit nur vergrößern, die Zinssätze würden steigen und die Unternehmen daraufhin ihre Ausgaben für neue Fabriken, Anlagen, Maschinen und Informationstechnologie reduzieren. Angesichts der zahlreichen Bedürfnisse in diesem Land können wir es uns nicht leisten, das Wirtschaftswachstum während der nächsten zehn Jahre zu verlangsamen.
Beide haben Recht ... und doch wieder Unrecht.