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Autor Thema: Die Mär vom Freund und Großen Bruder  (Gelesen 143219 mal)

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Suksabai

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Re: Die Mär vom Freund und Großen Bruder
« Antwort #450 am: 03. April 2017, 20:30:42 »

Wer eine sozialistisch organisierte Wirtschaft will muss halt auch in Kauf nehmen dass viele Wohnungen nur bei Regen fließendes Wasser haben.

Der größte Wohnungseigentümer in Österreich (und Europa) ist mit 220.000 Gemeindewohnungen die Stadt Wien.

Seit 1919 stellte bei allen freien Wahlen die Sozialdemokratische Partei Österreichs (SPÖ) den Bürgermeister; Stadtsenat
(das Kollegium der Stadträte) und Wiener Gemeinderat (das Stadtparlament) weisen seit 1919 eine Mehrheit der Sozialdemokratischen Partei auf.

Quelle WIKI

lg
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Dissident

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Re: Die Mär vom Freund und Großen Bruder
« Antwort #451 am: 03. April 2017, 20:44:46 »

@Pladip
ich hätte gar nicht erwartet, so umgehend Bestätigung - ausgerechnet von dir - zu meinem Geschriebenen zu bekommen.
Das waren nicht nur Klopapier, Waschbecken oder Tomaten. Halbe Versandhauskataloge wurden vom Osten bestückt. Neckermann und Co. verdienten sich eine goldene Nase am Billigzulieferer DDR.
Und genau DAS waren die (durchaus beabsichtigten) Auswirkungen von Embargo und Währungsmanipulation.

Mal abgesehen von dem Bären, den dir deine Familienanteile Ost da wohl aufgebunden haben mußten. Tomaten gab's durchaus nicht als Mangelware - wie alles allerdings nur zur entsprechenden Saisonzeit.

Und an Unterernährung hat NIEMAND im Osten gelitten ! - ganz im Gegenteil zu manch Hartz-IV-Kindern heute, die ohne Tafelessen echt schlecht dran wären -- oder andererseit die Bomber, die sich vor lauter Wohlstands-Fastfood kaum mehr vom Fleck rühren können.

PS was den "Bären aufbinden" angeht:
so wie heute bei jedem selbstständigen Handwerker das Jammern zum Handwerk gehört, so war es auch früher mit dem "Westbesuch". Da wurde oft etwas über die Maßen gejammert - weil man dann vielleicht mit etwas materieller Zuneigung rechnen konnte.
Ein wirklich objektiven Eindruck konnte ein Westbesucher nicht bekommen, das must du schon den Leuten überlassen, die dort gelebt haben.

PS2 @Kern
ich schreibe nichts "pauschalisierendes" - es sind halt ein paar grundsätliche Dinge, die immer wieder falsch oder verdreht dargestellt werden - und so grundsätzlich kann ich sie eben nicht stehen lassen.
Damit will ich das aber abschließen, weil eigentlich nicht zum Thema gehörend.

Andererseits wirkt sich "Die Mär vom Großen Bruder" letztlich wirklich in Vergangenheit und Gegenwart bis in die entlegensten Bereiche aus  ;]
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taidieter

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Re: Die Mär vom Freund und Großen Bruder
« Antwort #452 am: 03. April 2017, 20:51:42 »

Dissident ,deinen Zeilen kann ich mich voll und ganz anschließen . Volker Pispers hat es auf den Punkt gebracht, nur schade ,das solche Wahrheiten
nur in Satiresendungen verbreitet werden . Dieter
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arthurschmidt2000

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Re: Die Mär vom Freund und Großen Bruder
« Antwort #453 am: 03. April 2017, 20:54:00 »

@Dissident,

Kennst Du den Schlager: Wärst Du doch in Düsseldorf geblieben?

Was willst Du denn hier von einem Staat erzählen, der seine Bürger mit Selbstschussanlagen daran hindern musste, das Land zu verlassen?

Übrigens, ich kenne das Argument, lernt ein Schüler nichts, ist der nicht etwa faul oder dumm, nein der Lehrer ist schlecht!

Zu Deiner witzigen Bemerkung:

Zitat
Und genau das wurde seit 1949 konsequent mit sämtlichen Ostwährungen gemacht. Die wurden von vorn herein unterbewertet.
So war der Osten mit seiner fast völligen Rohstoffarmut gezwungen, die im Tausch von Eigenerzeugnissen zu absoluten Dumpingpreisen einzukaufen. Auf Dauer tödlich für jede Wirtschaft.

Heute lebt Russland ganz kommod von seinen Rohstoffvorkommen. Wahrscheinlich wurden die wohl erst in nachkommunistischer Zeit entdeckt. Und denk auch mal darüber nach, wie es das sehr rohstoffarme Land Japan eigentlich macht.

Da gab es mal den passenden Spruch, was passiert, wenn Libyen sozialistisch wird. Mehrere Jahre nichts und dann wird der Sand knapp.

« Letzte Änderung: 03. April 2017, 21:04:26 von arthurschmidt2000 »
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Mein Herr, ich teile Ihre Meinung nicht, aber ich würde mein Leben dafür einsetzen, daß Sie sie äußern dürfen.

Helli

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Die Mär vom Freund und Großen Bruder
« Antwort #454 am: 03. April 2017, 21:16:11 »

In dem Wort sulen sich die Medien ja förmlich, da in der früheren DDR ja tatsächlich Mangel an vielem herrschte.
Das ist aber nicht in erster Linie auf vermeindliche Misswirtschaft zurück zu führen - vielmehr auf die Embargopolitik des kapitalistischen Westens, die einer friedlichen Koexistenz Hohn spricht.
Embargo? Für oder gegen wen im kalten Krieg?
http://www.bpb.de/geschichte/zeitgeschichte/deutschlandarchiv/139628/der-warenkreditwunsch-der-ddr-von-1962?p=all
http://www.udo-leuschner.de/liberalismus/fdp21.htm
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Ein Moselaner regt sich nicht über Dinge auf, die er nicht ändern kann.

jock

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Re: Die Mär vom Freund und Großen Bruder
« Antwort #455 am: 03. April 2017, 21:33:40 »

@Suksabai

Ergaenzend sei noch bemerkt,dass der kommunale Wohnungsbau in Wien
in der Zwischenkriegszeit durch die Einhebung der zweckgebundenen Wohn-
bausteuer finanziert wurde.
Viele der damals entstandenen "Hoefe" ziert heute noch die Inschrift: Er-
richtet aus den Mitteln der Wohnbausteuer.

Die Staffelung der Steuer zwischen 2,1 % und 36 % auf die bestehenden Miet-
objekte brachte der Gemeinde immerhin 20 % aller Einnahmen ein.

Die errichteten Wohnungen wurden kostenfrei hauptsaechlich an die richtigen
Parteimitglieder vergeben und sorgten gleichzeitig dafuer,dass ein genehmer
(Partei)Gesinnungsmix in buegerlichen Stadtteilen entstanden ist,der lange da-
fuer ausschlaggebende war,dass das "Rote Wien" rot blieb.

Die Wohnbausteuer gibt es versteckt auch heute noch,doch ist sie nicht mehr
zweckgebunden und wird 50 :50 von Dienstnehmern und Dienstgebern aufge -
bracht.

Jock



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Suksabai

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Re: Die Mär vom Freund und Großen Bruder
« Antwort #456 am: 03. April 2017, 21:48:18 »


@jock

Ich wollte damit nur klarstellen, dass auch unter sozialistischer Wirtschaft menschenwürdiges Wohnen möglich ist.. . .
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Huangnoi

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Re: Die Mär vom Freund und Großen Bruder
« Antwort #457 am: 03. April 2017, 22:03:24 »

@Dissident, erste Sahne deine Beiträge.

Bin zwar nicht aus dem Osten, aber trotzdem hast du mit vielen Dingen vollkommen Recht!

 }} }}
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Dissident

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Re: Die Mär vom Freund und Großen Bruder
« Antwort #458 am: 03. April 2017, 22:04:21 »

@AS2000
da du bei verschiedener Gelegenheit in finanztechnischen Dingen eine starke Sachkompetenz verstreust, hätte ich etwas mehr Sachlichkeit auch hier erwartet.

Japan hat eine frei konvertierbare Währung und ist mit damaliger Ostzeit nicht vergleichbar. Das sollte dir nicht unbekannt sein.

Russland ist ein spezieller Fall
Zum einen leben sie heute gar nicht sooo "kommod" von ihren Rohstoffvorkommen, sondern eher recht und schlecht - nicht zuletzt, weil auch hier wieder deutlich an der Währungsspekulations-Schraube gedreht wird.

Zweitens - und hier plaudere ich nun wirklich zum letzten Mal aus dem Ost-Nähkästchen.
"Russen" war althergebracht im Volksmund eher ein Schimpfwort, was den Oberen nicht verborgen blieb. Deshalb rätselte man lange um Abhilfe. Die Russen "Sowjetbürger" zu nennen, konnte sich nicht durchsetzen. Dann versuchte man einzubürgern, die Russen doch nur noch "Die Freunde" zu nennen.
Dabei waren sie irgendwie überhaupt nicht "Freunde". Sie waren Sieger und Besatzungsmacht, so wie im Westen die Amis. Nur gestalteten sich die Handelsbeziehungen DDR-SU nicht auf Augenhöhe, sondern immer noch wie Sieger und Besiegter.

Wenn auch unterbewertet, war der Rubel die einzig konvertierbare Ostwährung, was sich der Russe hart bezahlen ließ. Die DDR bezog Erdöl und Erdgas aus Russland, was auch hier unverhältnismäßig teuer bezahlt werden mußte. Zu mehr reichte es nicht.

--
Embargo
Embargo - wozu ?? Wurde die Westen etwa vom Osten bedroht? Führte man einen Krieg?
Nun, der Westen FÜHLTE sich bedroht von der "Roten Gefahr" und führt(e) einen Kalten Krieg - bis in die Gegenwart.

Da sind zwei lächerlich kleine Flecken auf der großen Erde verblieben, gegen die der "Embargo-Bann" ausgesprochen wird; Nordkorea und Kuba*. Scheinheilig wird dann die arme, darbende Bevölkerung bemitleidet, die unter dem vom Westen verursachten Embargos zu leiden hat.

Embargo (das die Bevölkerung "ausbaden muß") als Mittel, um politische Ziele durchzusetzen in einer Welt, die "freien Handel" ansonsten als oberstes Heiligtum ansieht. Ein weiteres Scheinheilgtum.

Embargo setze ich gefühlt mit Erpressung gleich - und werte es moralisch ganz genau SO!

* OK, Iran habe ich noch vergessen.
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jock

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Re: Die Mär vom Freund und Großen Bruder
« Antwort #459 am: 03. April 2017, 22:12:14 »

@Suksabai

Das stimmt so nicht bzw.ist das Beispiel Wien nicht mit den
Situationen im ehemaligen Ostblock vergleichbar.

In Oesterreich war keine (volksdemokratische,soziale) Plan -
wirtschaft eingefuehrt und damit war es den Sozialdemokraten
moeglich,mit der Marktwirtschaft zu Erfolg zu kommen.

Dass auch Sozialdemokraten nur mit Wasser kochen,laesst sich da-
ran ablesen,dass  aus der Rathausmilliarde (Schillingguthaben) ein
Schuldenstand von fast 6 Mrd.Euros geworden ist.

Jock
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Suksabai

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Re: Die Mär vom Freund und Großen Bruder
« Antwort #460 am: 03. April 2017, 23:01:23 »

Das stimmt so nicht bzw.ist das Beispiel Wien nicht mit den
Situationen im ehemaligen Ostblock vergleichbar.

In Oesterreich war keine (volksdemokratische,soziale) Plan -
wirtschaft eingefuehrt und damit war es den Sozialdemokraten
moeglich,mit der Marktwirtschaft zu Erfolg zu kommen.

Genau deswegen habe ich es gepostet, ich wusste, entweder Arthur oder du springst an.

Host recht, zoist an Lita.. . .

 C-- glg
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arthurschmidt2000

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Re: Die Mär vom Freund und Großen Bruder
« Antwort #461 am: 04. April 2017, 07:08:25 »

@Dissident,

Zitat
Japan hat eine frei konvertierbare Währung

Wert gewinnt eine Währung  allein dadurch, dass man mit ihr jederzeit Güter und Dienstleistungen kaufen kann.

Das war in Japan ohne weiteres möglich nicht aber in der DDR.

International war damit die MDN eine reine Binnenwährung und damit ohne jeglichen Außenwert.

Embargo

Es gab kein Embargo gegen die DDR. Die konnte lediglich die gewünschten Importe nicht bezahlen. Hast Du kein Geld bekommst Du auch bei Aldi nichts! So etwas ist kein Embargo.

Zitat
weil auch hier wieder deutlich an der Währungsspekulations-Schraube gedreht wird.

Das ist blanker Unsinn. Ein Land, das vor allem von Rohstoffexporten lebt muss seine Währung abwerten wenn der Preis für diese Rohstoffe sinkt. Mit anderen Worten, ohne die Rubelabwertung wäre z.B. Gazprom schlicht und einfach  pleite. Mach einfach mal eine GuV Rechnung mit und ohne Abwertung.

Zitat
"Russen" war althergebracht im Volksmund eher ein Schimpfwort

Nein, das ist keine Weisheit aus dem Nähkästchen. Das war auch bei vielen anderen Völkern im sowjetischen Herrschaftsbereich ganz ähnlich. Mir erklärt das heute deren Drang in die NATO

Zitat
Deshalb war es später unmöglich, von den Mieteinnahmen Werterhaltung zu betreiben

Falsch, wenn Du für Dein Geld nichts kaufen kannst, die DDR war ja schließlich nicht für ihre Baumärkte bekannt, ist das Geld wertlos.  Es kann eben nicht dazu verwandt werden, Bausubstanz zu erhalten. Das sollte aber auch jedem einleuchten, Mittel die z.B. für Grenzbefestigungen und Sicherheitsorgane aufgewandt werden stehen woanders eben nicht mehr zur Verfügung.

Auch war der DDR Führung durchaus klar, dass Neubau billiger ist als Sanierung und wenn man beides nicht zugleich kann muss man sich halt für eines entscheiden.
« Letzte Änderung: 04. April 2017, 07:40:56 von arthurschmidt2000 »
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Re: Die Mär vom Freund und Großen Bruder
« Antwort #462 am: 04. April 2017, 08:49:55 »

Arthur , so sehr ich deinen Sachverstand in volkswirtschaftlichen Fragen schätze ,so sehr sträubt sich mein Nackenhaar bei deinem Nichtwissen
über die DDR . Wir driften aber sehr vom Thema ab,deshalb laß ich es . Du solltest dich aber intensiver informieren .Dieter
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arthurschmidt2000

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Re: Die Mär vom Freund und Großen Bruder
« Antwort #463 am: 04. April 2017, 09:55:35 »

Ganz im Gegenteil, mir ist sehr klar, warum die Wirtschaft der DDR systembedingt nur mindere Ergebnisse hat erzielen können.
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arthurschmidt2000

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Re: Die FED
« Antwort #464 am: 04. April 2017, 10:07:20 »

Zu Zentralbanken und insbesondere die FED wird viel Unsinn geschrieben. Ich hoffe mal, dass dies vor allem aus Unkenntnis geschieht.

Dazu vorab ein wenig Theorie.

Die meisten kennen Geldschöpfung haben sie aber nicht so ganz richtig verstanden. Ich folge hier den Ausführungen von Herrn Samuelson.

Betrachten wir einmal, was geschieht, wenn dem Bankensystem neue Reserven zugeführt werden. Nehmen wir an, die Zentralbank kauft für einen Betrag von US-$ 1.000 Staatsanleihen von Frau Anleihenbesitzerin, die daraufhin die fälligen US-$ 1.000 auf ihr Girokonto bei Bank 1 einzahlt.

Als Frau Anleihenbesitzerin ihre US-$ 1.000 auf ihr Girokonto einzahlte, wurden damit US-$ 1.000 an Buchgeld oder Sichteinlagen geschaffen. Müsste die Bank 100 Prozent der Einlagen als Reserve, so führte die neue Einlage von US-$ 1.000 zu keiner Giralgeldschöpfung. Der Kundeneinlage von US-$ 1.000 müssten genau eine Reserve von US-$ 1.000 entsprechen. Doch unsere heutigen Banken halten auf ihre Einlagen keine hundertprozentige Reserve. Wir unterstellen nun, dass Banken eine Mindestreserve von 10 Prozent halten (müssen). Bank 1 muss daher von den US-$ 1.000, die als Einlage geleistet wurden, US-$ 100 als Reserve beiseitelegen und ihr nach der Mindestrücklage von US-$ 100 noch US-$ 900.

Unsere gewinnorientierte Bank wird versuchen die verbleibenden US-$ 900 möglichst als Darlehen zu vergeben oder zu investieren. Das Darlehen könnte für ein Auto verwendet werden, als Investition käme beispielsweise der Kauf von Schatzobligationen in Frage. Nehmen wir an, die Bank vergibt ein Darlehen. Die Person, die das Darlehen aufnimmt, bekommt die US-$ 900 und deponiert sie auf ihr Konto bei einer anderen Bank. Nun werden die US-$ 900 von Bank 1 umgehend ausbezahlt.

Nachdem Bank 1 US-$ 900 ausgeliehen oder angelegt hat, sind ihre Reserven gerade hoch genug, um den Mindestanforderungen zu genügen.

Wenn wir nun die Geldmenge überprüfen, erleben wir eine Überraschung. Zusätzlich zu den ursprünglichen Einlagen in Höhe von US-$ 1.000 finden wir US-$ 900 an Sichteinlagen auf einem anderen Konto (dem Girokonto der Person, die die US-$ 900 erhalten hat). Die Geldmenge hat nun die neue Höhe von US-$ 1.900. Die Aktivitäten von Bank 1 haben US-$ 900 an zusätzlichem Geld geschaffen.

Nachdem die durch Bank 1 geschöpfte zusätzliche Geldmenge von US-$ 900 die Bank verlassen hat, wird sie schon bald zur Einlage bei einer anderen Bank, und hier beginnt eine Kettenreaktion der Geldvermehrung, in deren Verlauf es zu einer weiteren Giralgeldschöpfung kommt.

In den „Banken der zweiten Generation“  durchlaufen die eingelegten Gelder denselben Weg wie unsere ursprüngliche Einlage von US-$ 1.000. Diese Banken kümmert es nicht, dass sie in der Einlagenkette die Nummer 2 sind. Ihre einzige Sorge gilt der Vermeidung unverzinst brachliegender Gelder oder zu hoher Reserven. Ein Zehntel von US-$ 900, also US-$ 90, genügt als gesetzliche Mindestreserve auf die deponierten auf die deponierten US-$ 900.

Die von den Banken der zweiten Generation als Darlehen vergebenen oder investierten US-$ 810 gehen wiederum zu „Banken der dritten Generation“ bezeichnen. Natürlich werden auch sie alle ihre über die Mindestreserve hinausgehenden Einlagen arbeiten lassen und damit eine Giralgeldschöpfung von US-$ 729 erzielen. Eine Bank der vierten Generation erhält noch neun Zehntel von US-$ 810, also US-$ 729, und so weiter.

Der Giralgeldschöpfungsprozess ist dann zu Ende, wenn jede Bank im System auf alle ihre Einlagen genau 10 Prozent Reserven hält. In allen unseren Beispielen ist niemals Geld aus dem Bankensystem hinausgesickert, sondern das Geld ist nur von einer Bank zur nächsten gewandert. Das Bankensystem wird unter dieser Annahme sein Gleichgewicht erreichen, wenn die US-$ 1.000 an neuen Reservemitteln vollständig als Mindestreserven gehalten werden. Das ist genau dann passiert, wenn aus den ursprünglichen US-$ 1.000 US-$ 10.000 geworden sind. Man spricht dabei vom Geldschöpfungsmultiplikator.

Soweit kann man das in vielen populären Darstellungen nachlesen. Ganz wichtig dabei, nicht die einzelne Bank schöpft Geld sondern das Banksystem insgesamt.

Gern wird verschwiegen, dass das was in die eine Richtung gilt natürlich auch umgekehrt gilt. Fließen US-$ 1.000 aus dem Banksystem ab (weil z.B. John Dee Urlaub in Thailand macht) muss das Banksystem seine Geldmenge um US-$ 10.000  verringern.

Genau an dieser Stelle kommt die wohl wichtigste Funktion einer Zentralbank kennt, ins Spiel. Ist die der Meinung, die Geldmenge sei zu hoch so dass ein inflationärer Druck entsteht wird die die Mindestreserveanforderungen heraufsetzten und/oder dem System Bargeld entziehen. Ist sie dagegen der Meinung, die Geldmenge sei zu niedrig um das Beschäftigungsniveau zu halten, wird sie umgekehrt verfahren. 

Soweit die Angebotsseite von Geld. Aber die Zentralbank kann natürlich auch die Nachfrage nach Geld durch die Festlegung von Zinsen beeinflussen.

Natürlich ist das alles in der Realität viel komplizierter. Aber hat man das erst einmal verstanden, ist man schon ein gutes Stück weiter und könnte sogar zu dem Ergebnis kommen, dass alles ganz ohne Verschwörungen erklärbar ist.

Und warum ist das alles immer so schwierig?

Dazu eine fiktive Diskussion:

A: Die Wirtschaft bewegt sich am Rand einer Rezession. Wir können es uns nicht leisten, nichts zu tun, während Millionen von Menschen ihre Stelle verlieren. Der Zeitpunkt für deutliche Steuersenkungen ist gekommen, die vor allem Menschen mit mittleren Einkommen begünstigen sollten, da diese ihre zusätzlichen Einnahmen schnell ausgeben werden. Rezessionen sind der falsche Zeitpunkt, um sich an überholte Dogmen über staatliche Defizite zu klammern.

B: Jetzt die Steuern zu senken wäre der Gipfel fiskalischer Verantwortungslosigkeit. Ein niedrigeres Steueraufkommen würde das Defizit nur vergrößern, die Zinssätze würden steigen und die Unternehmen daraufhin ihre Ausgaben für neue Fabriken, Anlagen, Maschinen und Informationstechnologie reduzieren. Angesichts der zahlreichen Bedürfnisse in diesem Land können wir es uns nicht leisten, das Wirtschaftswachstum während der nächsten zehn Jahre zu verlangsamen.

Beide haben Recht ... und doch wieder Unrecht.

« Letzte Änderung: 04. April 2017, 10:16:31 von arthurschmidt2000 »
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