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Autor Thema: Rundreise durch Nepal, Tibet und Yünnan ab Bangkok  (Gelesen 76603 mal)

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wufgaeng

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Re: Rundreise durch Nepal, Tibet und Yünnan ab Bangkok
« Antwort #15 am: 15. August 2008, 03:27:16 »

Auch an Unterhaltung war bei jedem Aufenthalt reichlich geboten.

In Kathmandu ist das beliebte Viertel Thamel ein Ziel für Nachtschwärmer, es gibt alles von Kulturprogrammen bis zum Live-Jazz ect.

Auch Lhasa bietet ein Nachtleben, zwei weitere Bilder nachfolgend.

Die Nächte in Dali/Yunnan sind bekannt als offen ausgesprochener einschlägiger "Geheimtipp" und in Lijiang vergingen die Abendstunden wie Sekunden.
Wir werden noch darauf zurückkommen.


Feuerwerk über Lhasa


Tibetischer Tanz in einem Restaurant am Jokhang Square


« Letzte Änderung: 17. August 2008, 06:21:27 von hmh. »
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Re: Rundreise durch Nepal, Tibet und Yünnan ab Bangkok
« Antwort #16 am: 15. August 2008, 19:09:59 »

Heute zum vorläufigen Abschluß nochmals 10 Photos aus Tibet, bevor ich für eine Woche nach Island gehe.

Lieben Dank an Hans, wenn er in der Zwischenzeit diesen Thread am Laufen hält.


Das Ramoche Kloster in Lhasa war Schauplatz brutaler Auseinandersetzungen vor fünf Monaten


Im Hof des Jokhang Klosters sammeln sich hunderte Pilger zur gemeinsamen Meditation


Der Eingang in den Weißen Palast der Potala


Vor dem Jokhang Kloster, dem heiligen Zentrum der Tibeter


Pilger spenden "Butter" für die Lampen im Kloster, die nie erlöschen dürfen

« Letzte Änderung: 17. August 2008, 06:24:19 von hmh. »
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Re: Rundreise durch Nepal, Tibet und Yünnan ab Bangkok
« Antwort #17 am: 15. August 2008, 22:06:38 »

Ein beeindruckender Ausflug von Lhasa ist der Namtso See, etwa 120 km nördlich der Hauptstadt. Es ist der höchstgelegene Salzsee (4718 m) der Erde und hat eine Größe fast des Bodensees (1.870 km²). Der Weg führte über einen Pass von mehr als 5100 m.

Ein lohnenswerter Ausflug, den man allerdings individuell arrangieren muss, weil es keine öffentliche Busverbindung von Lhasa zum NamTso gibt.
Man sollte sich ein Taxi für einen Tag mieten und mit anderen Touristen teilen - was bleibt ist ein unvergessliches Erlebnis.


Weg zum NamTso, im Hintergrund die Trasse der Tibetbahn


Zwei tibetische Schönheiten auf dem Weg zum Namtso


Am NamTso kann man sich für einen Ritt am Ufer Kleinpferde leihen, mit oder ohne Führer


Eine Stupa am NamTso


Yak präsentiert sich als Photomodel für vorbeiziehende Touristen


in die Felsen gebautes Kloster am NamTso


mit Gebetsfahnen überzogene Felsen am NamTso


gemeiselte Manisteine und ein graviertes Yakhorn mit dem Gebet "Oh mani padme um"

und auf der Rückfahrt nach Lhasa besuchten wir noch einen Ort mit einem Thermalbecken.


Wer dort ein Bad nehmen will, kann sich reizvolle Badebekleidung kaufen...
« Letzte Änderung: 22. Oktober 2008, 00:30:14 von hmh. »
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Intermezzo
« Antwort #18 am: 17. August 2008, 09:16:20 »

Ein kleiner Exkurs darüber, wie es zu dieser gemeinsamen Reise kam.

Intermezzo

Wolfgang und ich haben, wenn auch mit einigen, zum Teil längeren Unterbrechungen, zusammen wohl um die 60 Jahre Thailand auf dem Buckel. Wir kennen uns schon seit der Zeit, als die Thai-Deutsche Gesellschaft noch ein richtiger Verein war und die Geburtstagsfeiern des heimlichen Vorsitzenden, Hans Kappe, Ereignisse waren, die Bangkok erschütterten.

Na ja, zumindest erschütterten sie die Nana Tai im Haus von Suk, dem Verleger Duang Kamol (duang gà¿ mon) und Gründer der DK Book House Kette, wo diese denkwürdigen Veranstaltungen unter Teilnahme sicher ebenso denkwürdiger Vertreter der Bangkoker Farang- und Thai- Hi So viele Jahre stattfanden. Dort trafen wir uns das erste Mal.

Wolfgang ist einer der immer seltener werdenden Menschen mit Wurzeln im Verlagsgeschäft, mit dem man über "Schusterjungen" und "Hurenkinder" noch ebenso reden kann wie über lesefreundliche Typographie im allgemeinen und die absolute Notwendigkeit von Gevierteinzügen im besonderen. 

Wir hatten seit Jahren vor, einmal eine gemeinsame Tour zu machen, trotz sehr unterschiedlicher Vorlieben. Phakinee und ich reisen außerhalb Europas und Asiens von meinen Abstechern in die Südsee bis Neuseeland mal abgesehen, eigentlich am liebsten durch Nordamerika. Dort habe ich (in Toronto) einmal studiert und ich finde es unvergleichlich, irgendwo auf diesem riesigen Kontinent zu landen, in den nächsten Mietwagen zu steigen und dann auf immer neuen, vorzugsweise einsamen kleinen Straßen diese unvergleichlichen offenen und zugleich sicheren Landschaften zwischen Alaska und Mexiko zu durchqueren und früh noch nicht zu wissen, wo man abends schläft. Wenn ich Rentner bin und es das TIP-Forum dann noch gibt, berichte ich vielleicht darüber, falls das Reisen dann noch jemand interessiert.

Salama und Wolfgang kennen aus ihrer "wilden Zeit" unter anderem Nordafrika (vor allem Marokko) und Vorderasien (vor allem den Iran aus der Zeit vor Chomeini) sehr gut und haben auch eine zeitlang in Spanien gelebt und insgesamt wohl so um die 100 Länder gemeinsam bereist. Salama kommt aus einer muslimischen Familie, wurde aber in eine christliche Schule geschickt. Wie international ihre Familie ausgerichtet ist, wird dadurch deutlich, daß ihre ältere Schwester 1972 bei den olympischen Spielen in München eine Kollegin von Silvia Sommerlath war und sie mit dieser auch heute noch befreundet ist.

Wolfgang tut man gewiß nicht unrecht, wenn man ihn einen fast typischen Vertreter der "68er Generation" nennt, der, wie ich etwas später als Nachzügler auch noch, gewissen damaligen Ideen anhing, und ansonsten ein ziemlich "unkonventionelles" Leben führte. Sowas ging seinerzeit ja viel einfacher als heute. Ich möchte jedenfalls nicht mit der jetzig jungen Generation tauschen. In meinem Fall hatte ich zum Beispiel am Ende meines Studiums nur mit BAföG und ein paar Ferienjobs, zum Beispiel im Paket-Sortierdienst in Nachtschicht vor Weihnachten bei der alten Post, locker 10 000 Mark gespart.

Dann hängte ich noch zwei Urlaubssemester dran (Krankenversicherungskosten für 1 Jahr, weltweit gültig: um die 100 Mark), ließ mich von einer Freundin mit Vollmacht im Studentenamt "zurückmelden", und ab gings in die Südsee, wo haufenweise nette Mädels herumliefen, und zwar haargenau von der Art, wie man sie ja zum Beispiel schon aus dem Film "Meuterei auf der Bounty" mit Marlon Brando und aus den Büchern von Michener, Melville und Stephenson kannte.

Naja, theoretisch jedenfalls. Die Praxis beschreibe ich lieber nicht. Es wäre sowieso eine zu lange Geschichte und die will, genau wie die vom Unterschied zwischen Theorie und Praxis in Thailand, ja eigentlich sowieso keiner hören.

Die einzige Nachricht die mich damals übrigens in sechs Monaten auf Tahiti außer den nachgesandten Briefen meiner Oma erreichte, war die Ermordung von John Lennon vor Weihnachten 1980. Ich habe noch das Titelblatt der tahitischen Zeitung. Ansonsten waren meine Götter Jack Bruce, Ginger Baker, Eric Clapton Jimi Hendrix, Bob Dylan und Crosby, Stills Nash & Young, aber die waren sehr weit weg, als ich unter einem Brotfruchtbaum am Strand am Stadtrand von Papeete zeltete. In der Nähe gab es eine öffentliche Dusche und ich wartete dort fast drei Monate lang auf das einzige Postschiff, die Tuhaa Pae II, die vier mal pro Jahr alle Eilande der Australinseln (Rimatara - Rurutu - Tubuai - Raivaevae - Rapa iti) abklapperte. Dorthin wollte ich schon mal deshalb ganz dringend, weil es angeblich überhaupt nicht möglich war.

BAföG bekam man damals bis auf 120 DM monatlich noch als zinslosen Zuschuß. Außerdem hatte ich einige Jahre meines Studiums kostenlos bei der Oma zur "Miete" gewohnt, die mich obendrein auch noch traumhaft bekochte und mir später meine Post selbst nach Nukualofa, Rarotonga und Nauru klaglos nachsandte - und sogar auf der Landkarte immer ganz genau wußte, wo das eigentlich ist.

Aber ich will nicht zu sehr abschweifen: Als Phakinee und ich hörten, daß Salama und Wolfgang 2007 mit zwei befreundeten schweizer Lehrern nach Tibet gehen sollte, hielten wir uns schon lange vorher alle Termine in der geplanten Zeit vom Leib. Ich wußte auch von Anfang an, daß ich diesmal keinen Photoapparat mitnehmen müßte, denn Wolfgang ist auf dem Gebiet so kompetent wie nur wenige. Kurz, ich plante die Reise für uns als eine Art "Honeymoon"-Reise zum silbernen Jubiläum. Fast genau 6 Monate nach unserem Abflug nach Kathmandu wären es nämlich 25 Jahre gewesen, daß ich Phakinee das erste Mal sah und sofort wußte: Das wird was. Jetzt oder nie.

In den nächsten Tagen werde ich also versuchen, einige Reiseeindrücke und auch die anderen Mitreisenden aus meiner Sicht zu schildern. Vorab schon mal eines der sehr wenigen Bilder, die ich selbst auf dieser Reise geschossen habe und zwar mit dem winzigen praktischen Taschenknipser meiner holden Gattin:



Wufgaeng mit einem ausgesucht hübschen blonden tibetischen Fotomodell bei einer Rast auf der Rückfahrt vom Namtso See.
« Letzte Änderung: 29. August 2008, 01:55:57 von hmh. »
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Re: Rundreise durch Nepal, Tibet und Yünnan ab Bangkok
« Antwort #19 am: 17. August 2008, 09:43:07 »

also das mit "ichbrauchnichfotografierenweileinanderersowiesobesseris" war wohl nix und ist nur ne Entschuldigung für die eigene Faulheiit
  8)

Mich würde aber mal was anderes interessieren. Hier im Berner Oberland auf der Jungfrau, etwa 3.5 km hoch, brauchte ich keinen Joint. Wandelte 5 cm über dem Boden mit einem permanenten Schwindelgefühl, welches mir vorgaukelte, absolut "high" zu sein. Hab sogar auf mein obligatorisches Bier zum Lunch verzichtet, weil ich wusste, dass ich danach den Clown spielen würde.

Ihr ward doch noch einen km höher. Wie isses denn euch "als nicht mehr den Jüngsten" in dieser Hinsicht ergangen?

Der Grund, warum ich frage ist einfach. Möchte selber mal dorthin und nicht 10 cm über dem Boden wandeln. Da stolper ich nur.  8) 
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Re: Rundreise durch Nepal, Tibet und Yünnan ab Bangkok
« Antwort #20 am: 17. August 2008, 17:14:43 »

Hier im Berner Oberland auf der Jungfrau, etwa 3.5 km hoch, brauchte ich keinen Joint. Wandelte 5 cm über dem Boden mit einem permanenten Schwindelgefühl, welches mir vorgaukelte, absolut "high" zu sein.
Das ist tatsächlich ein nicht zu vernachlässigendes Phänomen. Kennt man auch auf Bergen, die nicht über 3000m hoch sind. Hat nix mit Jungfrauen zu tun eher mit dem Kreislauf.    ;D

Im Ernst. Das Problem ist der schnelle "Aufstieg" auf so eine Höhe. Wärst du da hoch gelaufen, hättest du ohne weiteres dein Bierchen zischen können. Für Flachländer mit gesundem Kreislauf empfiehlt es sich mind. einen Tag pro 1000m als Akklimatisierung einzuplanen. Wobei bis 2000m i.d.R. kein Probleme zu erwarten sind aber ab 5000m eher mehr Zeit eingeplant werden sollte. Sauerstoffmangel macht sich i.d.R. erst ab 4500m bemerkbar. Ist aber sicher auch eine Frage der Kondition... und Raucherei....
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Höhenprobleme
« Antwort #21 am: 17. August 2008, 20:01:02 »

Weil die Höhe, vor allem, wenn man aus Bangkok kommt, nicht auf die leichte Schulter zu nehmen ist, haben wir den Weg über Nepal gewählt und uns dort und auch in Lhasa erst etwas akklimatisiert, bevor wir auf 5000 Meter gingen.

Phakinee und ich waren auch schon auf dem Jungfraujoch (Hochzeitsreise 1987), aber zuvor erst noch ein paar Tage im Hotel Eiger in Wengen, das erste Haus am Platz in der besten Lage, in dem ich 1981 mal eine Saison lang Chef de Cave war. Wenn man vernünftig vorgeht, hat man, wie fast immer im Leben, keine Probleme.

Hier dazu ein Bild, das Wolfgang auf einer früheren Reise nach Tibet gemacht hat. Es zeigt, was man sich erspart, wenn man nach Lhasa fliegt:



Das Bild zeigt die "Straße der Freundschaft" zwischen Kathmandu and Lhasa. Innerhalb von zwei Stunden fährt man von Nepal aus über einen Paß von 5050 Meter (Lalung La) zum tibetischen Grenzposten Zhangmu, der auf einer Höhe von 1800 Metern liegt.


Die Höhe in Tibet machte uns tatsächlich zu schaffen. Zum Beispiel waren wir in Lhasa in einem Hotel im 4. Stock und zwar ohne Aufzug. Ich hätte nie geglaubt, daß ich mit mit 51 Jahren (und ansonsten gut zu Fuß) nach zwei Treppen beim Hochkraxeln erst mal ausruhen müßte, aber es war so. Auch die holde Gattin, die in Bangkok 4 bis 5 Mal die Woche in ihr Fitneßstudio nach Fashion Island düst, schnaufte wie ein Scheunendrescher. Eine sehr bizarre Erfahrung für uns: Es fehlt einem einfach der Sauerstoff, sozusagen das Benzin für den Motor und man macht alle Klappen auf, daß man genug kriegt.

Beim normalen Besichtigungsprogramm merkte man aber nichts beim Herumspazieren. Es ist interessant, daß man in Tibet (ich glaube, das hat uns Albin erzählt, der alles über Tibet gelesen zu haben scheint) zum Beispiel keine Kartoffeln mehr kochen könnte, wenn man sie denn hätte, außer im Dampfdrucktopf, weil das Wasser schon bei unter 90 Grad oder so verdunstet.

Im Grunde ist Tibet eine Gegend, in der Menschen eigentlich gar nichts verloren hätten. Auch die Tibeter, die ethnische Mongolen sind, wären dort gewiß nicht hin, wenn sie sich auch in fruchtbareren und klimatisch günstigeren Gegenden ungestört von Nachbarn hätten ausbreiten können.


Photoapparat: Ja, natürlich war ich zu faul.

Ich bin früher schon einige Male ohne Kamera gereist und habe genau dann auch immer ganz besondere Erlebnisse gehabt. Zum Beispiel war ich die beiden ersten Male in Birma 1984 und 1985 ohne Photoapparat und mit winzigem Handgepäck. Man bekam damals nur 7 Tage Einlaß und jeder, absolut jeder Tourist klapperte auf der üblichen 08/15-Tour nach Pagan und Mandalay alles in Windeseile ab und knipste wie verrückt. Abschreckend für mich, da mitzumachen.

Ich nahm mir einen Studenten als Führer (mit dem ich noch heute in Kontakt stehe), wurde überall in Rangun als Botschafts- oder Uno-Personal angesehen (das sind die einzigen Leute, die dort ohne Photoapparat rumlaufen), fuhr mit dem Ordinary Train in die alte Hauptstadt von "Suvarnabhumi", Pegu; mit einem öffentlichen Bus ... äh, Verzeihung: Pritschenwagen nach Syriam, nächtigte im Government Resthouse in Maymyo sowie im Strand Hotel in Rangun, wo ich das billigste Zimmer (damals 11 US-Dollar, riesiges, himmelhohes Teakholzzimmer) dank der inzwischen erfolgten Bekanntschaft mit der Empfangschefin mit schwarz gewechselten Dollars zahlen konnte, wodurch das ganze dann noch auf etwa 1,50 Dollar kam. Gratis-Angestelltentee am Empfang eingeschlossen.

Nach dem zweiten Mal reiste ich dann aber sofort ein drittes Mal ein, jetzt mit Kamera, traf die genau gleichen Leute an den besten Plätzen nochmals und machte unvergeßliche Bilder, die mir wohl nie gelungen wären, wenn ich gleich das erste Mal mit Kamera bewaffnet auf diese Menschen losgegangen wäre.

Sicher ist es richtig, daß ich einen anderen Blick als Wolfgang habe. Wie man hoffentlich auch im TIP Führer Bangkok merkt, interessieren mich die großen Sehenswürdigkeiten eher am Rande. Ich habe das Prinzip, daß ich gerade an den ganz hohen Denkmälern, etwa in Bangkok am Hauptpalast, wenn überhaupt, dann höchstens mit dem Rücken zu diesen schon millionenfach abgelichteten Sehenswürdigkeiten Bilder mache. Das Erinnerungsbild mit der holden Gattin vor dem Potala Palast war aber selbstverständlich mal ne Ausnahme...

Ich photographiere gerne das eher alltägliche und auch schon mal die Müllhaufen, wenn sie, wie leider gerade in Tibet, offenbar zur Kultur des Landes gehören. Leider ist es so, daß China eines der schmutzigsten Länder der Welt ist. Wenn man etwa von Hongkong nach Kanton mit der Bahn fährt, sieht man beim Blick aus dem Fenster vor allem einen gigantischen Abfallplatz nach dem anderen und zwischen all dem Gift ein paar Felder, auf denen das Gemüse wächst, das die Menschen dort essen müssen.

Die Tibeter aber sind nochmals eine Klasse schmutziger als die Chinesen. Sogar direkt vor dem Potala Palast verrichten Tibeter auf dem Fußgängerweg über einen fehlenden Pflasterstein in aller Öffentlichkeit ihr "großes Geschäft", obwohl es auf der anderen Straßenseite eine öffentliche Toilette gibt. Und selbst in den höchsten Tempeln stolpert man überall über Dreck und Abfall, vor allem Plastikflaschen und -tüten, um die sich, anders übrigens als in den chinesischen Stadtteilen von Lhasa, auch kein Personal kümmert. Dabei scheinen manche Tempel buchstäblich im Geld der Gläubigen, Götzenanbeter und Touristen zu schwimmen.

Auch das Geld fliegt in den Tempeln überall haufenweise und buchstäblich in allen Ecken herum, wenn auch nur die kleinen Scheine. Das macht einen aber dann schon mal nachdenklich, weshalb man als Tourist in gewissen ohnehin sehr wohlhabenden Tempeln für das Photographieren pro Zimmer das Monatseinkommen so manchen Tibeters bezahlen soll.

Und die Mönche in Tibet sind auch nicht unbedingt alle die weltabgewandten Asketen, die sich gewisse Dalai-Lama Anhänger so gerne ausmalen. Zum Beispiel kamen wir zu einem Fest im Sommerpalast des Dalai Lama, wo auch eine Gruppe älterer, höherer Mönche nachmittags in einem Biergarten saß und sich unter Budweiser Sonnenschirmen von leichtbekeideten, miniberockten, weiße-stiefelchen-tragenden chinesischen jungen knackigen Schönheiten bedienen ließen. Ein bizarres Bild.

In einem Land, das 9 Monate im Jahr Frost hat, entwickelte sich auch ein anderes Verhältnis zur körperlichen Sauberkeit als etwa im Sumpfland Thailand, wo einen die Mücken und das sonstige Ungeziefer fressen, wenn man nicht auf peinliche Geruchsfreiheit achtet. In Tibet sieht man schon mal öfters die Flöhe hüpfen, obwohl wir zum Glück keinen von ihnen persönlich näher kennengelernt haben. . .

Aber nochmals zu Nepal:

Zweimal haben wir uns von der Gruppe bzw. von dem geradezu überwältigenden Proigramm abgekoppelt, liefen zum Beispiel in Kathmandu kilometerweit alleine quer durch die Stadt, fanden dabei sogar ein hervorragendes Thai-Restaurant und kauften unterwegs schöne Sonderbriefmarken am Hauptpostamt.

Das Laufen durch die winzigen Gassen mit Stadtkarte bewaffnet war problemlos möglich und bescherte unvergeßliche Eindrücke. Dort machten wir auch einige Bilder mit Phakinees Kamera, die ich allerdings hier leider nicht zeigen kann. Die Altstadt von Kathmandu ist ein Erlebnis. Die Türen in manchen alten Häusern waren nicht höher als Phakinees Brusthöhe.

Im Bezirk Thamel, das ehemalige Hippieviertel, hat sich natürlich längst ein Touristengebiet entwickelt. Albin stöberte in  den vielen antiquarischen Bücherläden nach Schätzen, wohin ich ihm auch folgte. Moritz, unser "Casanova", wie ihn meine holde Gattin nennt, war auf der Suche nach Nachtleben (und zwar erfolgreich, wie er berichtete). Der derzeitige Wikipedia-Eintrag "Kathmandu" wurde insofern nach meiner Überzeugung von einem ahnungslosen Netzindianer geschrieben. Kathmandu ist, wenn man sich Zeit gibt, wirklich interessant und eine eigene Reise wert. Es gibt wunderschöne offene und geschlossene Restaurants, oft übrigens auf gemütlichen Dachterrassen, man kann sogar Jazz hören. In der Altstadt mit ihren winzigen Gäßchen ist durchaus noch einiges von der alten Mystik erhalten. Nur wenn man in den Zeitungen die Berichte mutiger Journalisten über die Korruption fehlende Sicherheit für die Bürger im Alltag las, konnte man schwermütig werden.

Auch davon, daß Reisen nur in der Trockenzeit von Oktober bis April zu empfehlen seien, haben wir überhaupt nichts gemerkt. Wir waren im August dort, es herrschten frische Luft, sattes Grün und klarer Himmel. Und in Tibet erlebten wir etwas ganz seltenes, nämlich Regenwetter. Aber davon später.

Hier noch ein paar Bilder aus der Umgebung von Kathmandu, natürlich alle von Wolfgang:


Bungmati, könnte von der Landschaft her auch irgendwo in Österreich oder im Schwarzwald sein


Im Zentrum von Bungmati


Patan, Durbar Platz, Weltkulturerbe


Öffentliches Wasch- und Badezentrum in Patan


Gasse in Khokna. So ähnlich sehen  fränkische Dörfer auf alten Photos aus, die um 1900 herum entstanden sind


Blick von einer Anhöhe nach einem 15 Minuten Spaziergang von Khokna nach Bungmati
« Letzte Änderung: 20. Januar 2009, 14:33:51 von hmh. »
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Re: Rundreise durch Nepal, Tibet und Yünnan ab Bangkok
« Antwort #22 am: 17. August 2008, 20:28:35 »

Danke für deine Ausführungen, hmh.

Jo, die Ecke Wengen, Lauterbrunn kenne ich auch. Gigantische Gegend. Sind nur 2 Stunden von meinem Wohnort.

Die Sache mit der Kamera ist tatsächlich so eine Sache. In meinem Fall ist sie mein Freund, weil ich mit ihr immer auf Motivsuche bin, dem anderen Blick sozusagen, neben der üblichen Touristen-Totalen. Sie motiviert mich sozusagen, genauer hinzusehen, auf Einzelheiten zu achten, mal ein paar Schritte aus der Totalen zu gehen um einen anderen Blickwinkel zu erhaschen. Da landet man automatisch auf Pfaden, jenseits der Touristenwege.

Oft passiert es mir dann, dass ich das fotografieren vergesse. Zu meinem Bedauern später. Aber die Bilder im Kopf bleiben ja. 

Ohne Kamera kann es mir jedoch passieren, dass ich wie ein Blindfisch durch die Gegend patter, weil mir dann der Motivblick völlig abhanden kommt. So gehts mir jedenfalls. 


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Tibet-Bilder von Michel Comte
« Antwort #23 am: 21. August 2008, 05:20:39 »

Die Tibet-Aufnahmen des Schweizer Photographen Michel Comte, die im August 2008 in Berlin zu sehen waren, sind wenig bekannt. In der Bildzeitung wurde ein Interview mit ihm veröffentlicht, das hier zum Thema paßt.

Auszug:

Herr Comte, schauen Sie sich Olympia im TV an?

„Nein. Allein für die Marathonstrecke wurden 3200 Häuser zerstört. Mit China darf man keine Geschäfte machen.

Wie haben Sie die Chinesen in Tibet erlebt?

„China fährt eine systematische Vernichtungskampagne, Glaube und Kultur eines Volkes zu brechen. Ich habe gesehen, wie chinesische Soldaten Tibeter auf offener Straße willkürlich zusammenschlagen. ... Allein im letzten Jahr wurden elf neue Gefängnisse gebaut. Ich habe viele zerstörte Klöster gesehen.“

. . .

„Wir alle sind abgestumpft von Schreckensbildern in den TV-Nachrichten. Unsere Augen sind immun gegen Gewalt. Mein erschütterndstes Tibet-Foto wirkt ohne offene Gewalt: Ein tibetischer Vater geht über eine sandige Straße. Ihm folgt sein kleiner Sohn. Auf dem Kopf trägt er stolz die Mütze eines chinesischen Soldaten. Das zeigt: China manipuliert die Kinder. Sie dürfen ihre Muttersprache nicht sprechen. Ihre Lehrer sind Chinesen. Für mich ist das hinterhältig und perfide. Darum ist es ein Bild von subtiler Gewalt. Ein ruhiges Foto, das schockt.“

Das Bild des Jungen, der die Mütze des Feindes trägt und drei weitere stehen hier: http://www.bild.de/BILD/berlin/aktuell/2008/08/06/tibet-ausstellung/in-der-axel-springer-passage.html

Das ganze Interview: http://www.bild.de/BILD/news/vermischtes/2008/08/07/tibet-ausstellung/von-michel-comte.html
« Letzte Änderung: 24. August 2008, 22:43:23 von hmh. »
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wufgaeng

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Re: Rundreise durch Nepal, Tibet und Yünnan ab Bangkok
« Antwort #24 am: 24. August 2008, 23:41:07 »

hallo - ich bin wieder zurück aus Island. Es war eine atemberaubende Reise und ich habe mich sehr gewundert, wie sehr die Thais auf Island vertreten sind. Selbst im hintersten Kaff mit etwa 1200 Einwohnern und nur zwei Restaurants, war eins ein Thairestaurant. Auf dem Weg zu einem Gletscher trafen wir die in Thailand unter den Shantibuddhisten bekannte Nonne Sansani. Doch hierzu könnte ich einen eigenen Thread starten.
Heute melde ich mich zurück nachdem ich mit HMH telefonierte und seine Berichte las. Hans bat mich noch nachträglich ein Bild aus Nepal zu posten:


Eine Thakalifrau am Balkon eines Tempels im Bodnath Circle

Die Thakalis sind tibetischer Abstammung und für ihre lockere Lebensauffassung bekannt. Auf meiner Trekkingtour in Mustang, einem Königreich im (ehemaligen) Königreich Nepal wurde meine Frau Salama und ich von Thakalifamilien herzlich aufgenommen und bewirtet.
Mehr über die Thakalis hier:
http://en.wikipedia.org/wiki/Thakali

Morgen aber werde ich weiter über unsere Reise mit der Tibetbahn photographisch berichten. Ich freue mich sehr, dass Hans diesen Thread so fleißig unterhält und ich danke auch den lieben Herrn Prof.UUU über seine vielen Antworten.
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Re: Rundreise durch Nepal, Tibet und Yünnan ab Bangkok
« Antwort #25 am: 26. August 2008, 00:18:15 »

Wir sollten unseren Forumfreunden erst einmal erklären, was ein Hurenkind und ein Schusterjunge bedeutet, sonst glaubt man noch, wir benützen unanständige Ausdrücke, lieber @hmh.

Ein Hurenkind wird die letzte Zeile eines Absatzes bezeichnet, wenn sie zugleich die erste einer neuen Spalte oder Seite ist. Hurenkinder gelten in der Typografie als schwere handwerkliche Fehler, da sie die Ästhetik des Satzspiegels besonders stark beeinträchtigen.
Einen Schusterjunge bezeichnet man dann, wenn die erste Zeile eines Absatzes am Ende einer Buchseite steht. Das Erscheinungsbild der Seite leidet darunter katastrophal. Der Begriff bezeichnet also eine Zeile eines neuen Absatzes, die sich vorwitzig wie ein Schusterjunge auf die vorhergehende Seite wagt.
Beides sind Fachbegriffe der Typographen und Schriftsetzer, wie z.B. auch der Fisch (falscher Buchstabe in einem Fach des Setzkasten), oder Zwiebelfisch (falscher Buchstabe einer anderen Schrift im Setzkastenfach). --C

In meinem Archiv habe ich noch ein Photo gefunden, das die Mönche mit dem knackigen Budweiser-Mädchen zeigt - eine nicht mehr außergewähnliche Szene in Lhasa, hmh hat darüber berichtet. Doch die Toleranz im Buddhismus ist bezeichnend, so dröhnte schon mal die Jazz-Rock-Musik von Emerson Lake and Palmer aus krächsenden Lautsprechern in einem nepalesischen buddhistischen Tempel, während andere beim Meditieren waren, gleichzeitig liesen Novizen einen Tibeter-Hund in Mönchsrobe um die Stupa rennen und lachten sich dabei die Bäuche voll. ;D



... und nun poste ich die versprochenen Bilder von unserer Reise mit der Tibet-Bahn und setze damit meine Photo-Serie über die China-Reise fort - ich bitte um ein paar Stunden Geduld.
« Letzte Änderung: 26. August 2008, 00:22:35 von wufgaeng »
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Re: Rundreise durch Nepal, Tibet und Yünnan ab Bangkok
« Antwort #26 am: 26. August 2008, 02:41:07 »


Der Bahnhof von Lhasa ist dem Stil der Potala nachempfunden


Im Bahnhof von Lhasa, Sicherheitskontrolle zum Bahnsteig
Die Tibet-Bahn ist zurecht umstritten, doch ist diese Streckenführung denoch ein Meisterwerk chinesischer Ingenieurs- und Baukunst.
Die Fahrt war für uns ein unvergeßliches Erlebnis.


Überquerung des TsangPo (Po heißt Fluss, TsangPo Fluss wäre doppeltgemoppelt, genau wie NamTso See, denn Tso heißt See)
Der TsangPo wird in Indien zum Brahmaputra.


Die Tickets von Lhasa nach Xining (sprich Schining)
Die Fahrt ist 1972 km lang und dauert 24 Stunden und 50 Minuten


Albin und ich im Zugabteil


Die Tibet-Bahn klettert bis auf auf den Tanggula Pass mit 5072m
Das Photo schoss ich während unseres Ausfluges zum NamTso.


Auch dieses Photo der Bahntrasse schoss ich während unseres NamTso-Ausfluges
Die Pfeiler werden zum Teil künstlich gekühlt um die Stabilität bei eventuell tauenden Frostboden zu gewährleisten.


Weitere Überquerung des TsangPo (Brahmaputra)


Die überwiegende Strecke zwischen Lhasa und Golmud läuft auf einer Trasse, die auf Permafrost-Boden verläuft.
« Letzte Änderung: 29. August 2008, 02:11:58 von hmh. »
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Grandiose Eisenbahnfahrt
« Antwort #27 am: 26. August 2008, 04:17:54 »

Wenn ich mir nur eine Sache in Tibet hätte aussuchen dürfen, dann wäre es die Fahrt mit dieser Eisenbahn gewesen.

Einerseits ist diese Strecke unbestreitbar ein Totengräber dieses Volkes und es ist überaus bezeichnend, daß der Name des Bahnhofs noch nicht einmal mehr auf tibetisch außen angeschrieben steht. Zuoberst sieht man chinesische Schriftzeichen, die wohl irgendetwas bejubeln sollen.

Letztlich ist schon die äußere Form des Betonklotzes - vage im tibetischen Stil -, ein einziger Affront gegen Tibet, genau wie die rote Fahne auf dem seit 50 Jahren verwaisten Potala Palast...

Überall ist in Lhasa durch die hier sehr bewußt angesiedelten Han Chinesen sehr deutlich zu spüren, wer jetzt die Beherrscher dieses Landes sind. Wäre ich Tibeter, würde ich alleine deshalb wütend. Ich fragte mich in Lhasa manchmal ernsthaft, wie lange es wohl noch dauert, bis auch hier - vermeintlich friedfertiger Buddhismus hin oder her -, die ersten gezielten Bomben hochgehen.

Andererseits war diese Fahrt, während der wir alle, so wir es hatten, das schlechte Gewissen mühelos wegsteckten, einfach atemberaubend. Ich saß fast die ganze Zeit nur am Fenster und schaute auf diese grandiose, scheinbar unberührte Landschaft. Sogar als es dunkel wurde und alle in unserem Abteil längst schliefen, schaute ich nachts immer wieder mal hinaus und versuchte etwas zu erkennen. Ich habe selten auf Reisen Eindrucke gehabt, die es mit dieser Fahrt aufnehmen könnten. Während der Fahrt aber, merkwürdig für mich, erinnerte ich mich an folgendes:

- - - Ein Nonstop-Flug mit der Lufthansa von München nach San Francisco, der bei vollkommen
       kristallklaren Hochdruckwetter (was über dem Nordatlantik alle Jubeljahre mal vorkommt),
       über Island, Grönland und Kanada hinweg ging,

- - - meine erste Fahrt, 24jährig, 1980, über den Monument Paß zwischen Utah und Arizona kurz
       nach einem Schneesturm, später das Tal des Todes Ende November, ohne Touristen, und
       gleich am nächsten Tag der Tioga Paß, 3500 Meter höher.

- - - eine Eisenbahnfahrt durch die Barranca del Cobre (Kupferschlucht) zwischen Los Mochis und
       Chihuahua in Mexico,

- - - eine Fahrt auf der Roßfeldstraße in Berchtesgaden nach einem Ausflug auf dem Königssee,

- - - ein Tagesflug von Bangkok nach Rom erst über den Iran und später die Ägäis hinweg u. a.
       über Santorin und die Akropolis  (ich werde nie verstehen, wofür die Leute Spiele und Filme in
       Flugzeugen brauchen, so sie nicht schlafen oder lesen wollen . . .)

Irgendwo zwischen diesen Eindrücken lag für mich die Tibetbahn. Im Grunde hätten wir uns meinetwegen alle anderen Ausflüge in Tibet einschließlich dessen zum Namtso samt Abstecher in ein Industriegebiet zu einem Thermalbad sparen können. Den Namtso empfand ich bereits als ein Ziel des Massentourismus: jeder "muß" da hin. Der Busparkplatz hat ungefähr die Ausmaße desjenigen vor den Universal Studios in Hollywood. Allerdings hat mich die Landschaft auf der Fahrt im Kleinbus über einen Paß zum See und zurück beeindruckt.

Die Eisenbahnfahrt geht dagegen durch großartige Landschaften und an vollkommen einsamen Seen entlang, im Hintergrund die eisglitzernden Berge, hie und da Yakherden oder auch mal ein Stück Wild, das war alles, was wir sahen. Alle tibetischen Seen, die als heilig gelten, schienen völlig menschenleer, kein Schiff, keine Hütte am Ufer, absolut nichts zu sehen außer purer Landschaft. Grandios.

Aber ich will nicht vorgreifen.
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Profuuu

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Re: Rundreise durch Nepal, Tibet und Yünnan ab Bangkok
« Antwort #28 am: 26. August 2008, 19:12:10 »

"gekühlte Pfeiler"  Mich würde das mal näher interessieren.

Wo kann man darüber was erfahren?
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Professor Triple U

wufgaeng

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Re: Rundreise durch Nepal, Tibet und Yünnan ab Bangkok
« Antwort #29 am: 26. August 2008, 19:51:09 »

für Profuuu und unsere interessierten Forum-Freunde habe ich eine Information aus einer deutschen Website kopiert, in der die Technik erklärt ist:

Zitat
Spezielle Stahlröhren wurden an kritischen Streckenabschnitten verlegt, um das Auftauen des Permafrostbodens zu verhindern. 10.000 solcher Kühlstäbe mit Kühlflüssigkeit wurden in den Boden getrieben. Diese sind innen hohl und mit Ammoniak gefüllt. Das flüssige Ammoniak verdunstet im Sockel unten und hält dadurch den Permafrostboden kühl. Der aufsteigende Ammoniakdampf gibt am oberen Ende seine Wärme ab und wird wieder flüssig und sinkt nach unten. Eine weitere stabilisierende Besonderheit des Dammes ist das Schotterbett, welches auf einem rund drei Meter hohen Fundament aus grob behauenen, kopfgroßen Steinbrocken, die ohne Mörtel locker übereinander geschichtet sind, liegt. So kann der Dauerwind auf dem Hochplateau durch die Ritzen pfeifen und die Steine sowie die darunter liegende Erde kühl halten. Trotzdem erklärte das chinesische Eisenbahnministerium bereits einen Monat nach der Eröffnung, dass der Permafrostboden unter der Bahnlinie sinke und erste Risse zeige, was die Bahn an manchen Stellen destabilisiert. Auch der Beton einiger Bahnkonstruktionen zeige Risse. Weitere Gefahren gingen von Wanderdünen und Yak-Herden aus, wofür die Ingenieure noch keine Lösung hätten. Der Permafrostboden soll aufgrund der globalen Erwärmung in den nächsten 50 Jahren um ein Drittel zurückgehen.

Und hier weitere Photos unserer atemberaubenden Fahrt mit der Tibet-Bahn:


Panoramasicht auf eine Gebirgskette


vorbei an zahlreiche Seen, die vollkommen einsam in der vorbeiziehenden Landschaft liegen


Sonnenuntergang über die Lancang Ebene in Nord-Tibet


Felsformation bei Nu Jiang


Weiterer Panoramasichten aus dem Fenster, man kann gar nicht genug bekommen




Wir fahren den Salween Fluß entlang.
« Letzte Änderung: 27. August 2008, 05:09:43 von hmh. »
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Hoffentlich wird alles nicht so schlimm wie es jetzt schon ist!
 

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