Weil die Höhe, vor allem, wenn man aus Bangkok kommt, nicht auf die leichte Schulter zu nehmen ist, haben wir den Weg über
Nepal gewählt und uns dort und auch in Lhasa erst etwas akklimatisiert, bevor wir auf 5000 Meter gingen.
Phakinee und ich waren auch schon auf dem
Jungfraujoch (Hochzeitsreise 1987), aber zuvor erst noch ein paar Tage im
Hotel Eiger in Wengen, das erste Haus am Platz in der besten Lage, in dem ich 1981 mal eine Saison lang
Chef de Cave war. Wenn man vernünftig vorgeht, hat man, wie fast immer im Leben, keine Probleme.
Hier dazu ein Bild, das Wolfgang auf einer früheren Reise nach Tibet gemacht hat. Es zeigt, was man sich erspart, wenn man nach Lhasa
fliegt:

Das Bild zeigt die "Straße der Freundschaft" zwischen Kathmandu and Lhasa. Innerhalb von zwei Stunden fährt man von Nepal aus über einen Paß von 5050 Meter (Lalung La) zum tibetischen Grenzposten Zhangmu, der auf einer Höhe von 1800 Metern liegt.
Die Höhe in Tibet machte uns tatsächlich zu schaffen. Zum Beispiel waren wir in Lhasa in einem Hotel im 4. Stock und zwar ohne Aufzug. Ich hätte nie geglaubt, daß ich mit mit 51 Jahren (und ansonsten gut zu Fuß) nach zwei Treppen beim Hochkraxeln erst mal ausruhen müßte, aber es war so. Auch die holde Gattin, die in Bangkok 4 bis 5 Mal die Woche in ihr Fitneßstudio nach Fashion Island düst, schnaufte wie ein Scheunendrescher. Eine sehr bizarre Erfahrung für uns: Es fehlt einem einfach der Sauerstoff, sozusagen das Benzin für den Motor und man macht alle Klappen auf, daß man genug kriegt.
Beim normalen Besichtigungsprogramm merkte man aber nichts beim Herumspazieren. Es ist interessant, daß man in Tibet (ich glaube, das hat uns
Albin erzählt, der alles über Tibet gelesen zu haben scheint) zum Beispiel keine Kartoffeln mehr kochen könnte, wenn man sie denn hätte, außer im Dampfdrucktopf, weil das Wasser schon bei unter 90 Grad oder so verdunstet.
Im Grunde ist Tibet eine Gegend, in der Menschen eigentlich gar nichts verloren hätten. Auch die Tibeter, die ethnische Mongolen sind, wären dort gewiß nicht hin, wenn sie sich auch in fruchtbareren und klimatisch günstigeren Gegenden ungestört von Nachbarn hätten ausbreiten können.
Photoapparat: Ja, natürlich war ich zu faul.
Ich bin früher schon einige Male ohne Kamera gereist und habe genau dann auch immer ganz besondere Erlebnisse gehabt. Zum Beispiel war ich die beiden ersten Male in
Birma 1984 und 1985 ohne Photoapparat und mit winzigem Handgepäck. Man bekam damals nur 7 Tage Einlaß und jeder, absolut jeder Tourist klapperte auf der üblichen 08/15-Tour nach Pagan und Mandalay alles in Windeseile ab und knipste wie verrückt. Abschreckend für mich, da mitzumachen.
Ich nahm mir einen
Studenten als Führer (mit dem ich noch heute in Kontakt stehe), wurde überall in Rangun als Botschafts- oder Uno-Personal angesehen (das sind die einzigen Leute, die dort ohne Photoapparat rumlaufen), fuhr mit dem
Ordinary Train in die alte Hauptstadt von "Suvarnabhumi",
Pegu; mit einem öffentlichen Bus ... äh, Verzeihung: Pritschenwagen nach
Syriam, nächtigte im Government Resthouse in
Maymyo sowie im
Strand Hotel in
Rangun, wo ich das billigste Zimmer (damals 11 US-Dollar, riesiges, himmelhohes Teakholzzimmer) dank der inzwischen erfolgten Bekanntschaft mit der Empfangschefin mit schwarz gewechselten Dollars zahlen konnte, wodurch das ganze dann noch auf etwa 1,50 Dollar kam. Gratis-Angestelltentee am Empfang eingeschlossen.
Nach dem zweiten Mal reiste ich dann aber sofort ein drittes Mal ein, jetzt mit
Kamera, traf die genau gleichen Leute an den besten Plätzen nochmals und machte
unvergeßliche Bilder, die mir wohl nie gelungen wären, wenn ich gleich das erste Mal mit Kamera bewaffnet auf diese Menschen losgegangen wäre.
Sicher ist es richtig, daß ich einen anderen Blick als
Wolfgang habe. Wie man hoffentlich auch im
TIP Führer Bangkok merkt, interessieren mich die großen Sehenswürdigkeiten eher am Rande. Ich habe das Prinzip, daß ich gerade an den ganz hohen Denkmälern, etwa in Bangkok am Hauptpalast, wenn überhaupt, dann höchstens mit dem Rücken zu diesen schon millionenfach abgelichteten Sehenswürdigkeiten Bilder mache. Das Erinnerungsbild mit der holden Gattin vor dem Potala Palast war aber selbstverständlich mal ne Ausnahme...
Ich photographiere gerne das eher alltägliche und auch schon mal die
Müllhaufen, wenn sie, wie leider gerade in Tibet, offenbar zur Kultur des Landes gehören. Leider ist es so, daß
China eines der schmutzigsten Länder der Welt ist. Wenn man etwa von
Hongkong nach
Kanton mit der Bahn fährt, sieht man beim Blick aus dem Fenster vor allem einen gigantischen Abfallplatz nach dem anderen und zwischen all dem Gift ein paar Felder, auf denen das Gemüse wächst, das die Menschen dort essen müssen.
Die Tibeter aber sind nochmals eine Klasse schmutziger als die Chinesen. Sogar direkt vor dem Potala Palast verrichten Tibeter auf dem Fußgängerweg über einen fehlenden Pflasterstein in aller Öffentlichkeit ihr "großes Geschäft", obwohl es auf der anderen Straßenseite eine öffentliche Toilette gibt. Und
selbst in den höchsten Tempeln stolpert man überall über Dreck und Abfall, vor allem Plastikflaschen und -tüten, um die sich, anders übrigens als in den chinesischen Stadtteilen von Lhasa, auch kein Personal kümmert. Dabei scheinen manche Tempel buchstäblich im Geld der Gläubigen, Götzenanbeter und Touristen zu schwimmen.
Auch das Geld fliegt in den Tempeln überall haufenweise und
buchstäblich in allen Ecken herum, wenn auch nur die kleinen Scheine. Das macht einen aber dann schon mal nachdenklich, weshalb man als Tourist in gewissen ohnehin sehr wohlhabenden Tempeln für das Photographieren
pro Zimmer das Monatseinkommen so manchen Tibeters bezahlen soll.
Und die Mönche in Tibet sind auch nicht unbedingt alle die weltabgewandten Asketen, die sich gewisse Dalai-Lama Anhänger so gerne ausmalen. Zum Beispiel kamen wir zu einem Fest im Sommerpalast des Dalai Lama, wo auch eine Gruppe älterer, höherer Mönche nachmittags in einem Biergarten saß und sich unter
Budweiser Sonnenschirmen von leichtbekeideten, miniberockten, weiße-stiefelchen-tragenden chinesischen jungen knackigen Schönheiten bedienen ließen. Ein bizarres Bild.
In einem Land, das 9 Monate im Jahr Frost hat, entwickelte sich auch ein anderes Verhältnis zur körperlichen Sauberkeit als etwa im Sumpfland Thailand, wo einen die Mücken und das sonstige Ungeziefer fressen, wenn man nicht auf peinliche Geruchsfreiheit achtet. In Tibet sieht man schon mal öfters die Flöhe hüpfen, obwohl wir zum Glück keinen von ihnen persönlich näher kennengelernt haben. . .
Aber nochmals zu
Nepal:
Zweimal haben wir uns von der Gruppe bzw. von dem geradezu überwältigenden Proigramm abgekoppelt, liefen zum Beispiel in
Kathmandu kilometerweit alleine quer durch die Stadt, fanden dabei sogar ein hervorragendes
Thai-Restaurant und kauften unterwegs schöne Sonderbriefmarken am Hauptpostamt.
Das Laufen durch die winzigen Gassen mit Stadtkarte bewaffnet war problemlos möglich und bescherte unvergeßliche Eindrücke. Dort machten wir auch einige Bilder mit Phakinees Kamera, die ich allerdings hier leider nicht zeigen kann. Die Altstadt von Kathmandu ist ein Erlebnis. Die Türen in manchen alten Häusern waren nicht höher als Phakinees Brusthöhe.
Im Bezirk
Thamel, das ehemalige Hippieviertel, hat sich natürlich längst ein Touristengebiet entwickelt.
Albin stöberte in den vielen antiquarischen Bücherläden nach Schätzen, wohin ich ihm auch folgte.
Moritz, unser "Casanova", wie ihn meine holde Gattin nennt, war auf der Suche nach
Nachtleben (und zwar erfolgreich, wie er berichtete). Der derzeitige Wikipedia-Eintrag "Kathmandu" wurde insofern nach meiner Überzeugung von einem ahnungslosen Netzindianer geschrieben.
Kathmandu ist, wenn man sich Zeit gibt, wirklich interessant und eine eigene Reise wert. Es gibt wunderschöne offene und geschlossene
Restaurants, oft übrigens auf gemütlichen Dachterrassen, man kann sogar
Jazz hören. In der
Altstadt mit ihren winzigen Gäßchen ist durchaus noch einiges von der alten
Mystik erhalten. Nur wenn man in den Zeitungen die Berichte mutiger Journalisten über die Korruption fehlende Sicherheit
für die Bürger im Alltag las, konnte man schwermütig werden.
Auch davon, daß Reisen nur in der Trockenzeit von Oktober bis April zu empfehlen seien, haben wir überhaupt nichts gemerkt. Wir waren im August dort, es herrschten
frische Luft, sattes Grün und klarer Himmel. Und in Tibet erlebten wir etwas ganz seltenes, nämlich Regenwetter. Aber davon später.
Hier noch ein paar Bilder aus der Umgebung von
Kathmandu, natürlich alle von Wolfgang:

Bungmati, könnte von der Landschaft her auch irgendwo in Österreich oder im Schwarzwald sein

Im Zentrum von Bungmati

Patan, Durbar Platz, Weltkulturerbe

Öffentliches Wasch- und Badezentrum in Patan

Gasse in Khokna. So ähnlich sehen fränkische Dörfer auf alten Photos aus, die um 1900 herum entstanden sind

Blick von einer Anhöhe nach einem 15 Minuten Spaziergang von Khokna nach Bungmati