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Autor Thema: Eine kleine Geschichte der Buddha Statuen  (Gelesen 13320 mal)

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wiff

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Re: Eine kleine Geschichte der Buddha Statuen
« Antwort #15 am: 26. August 2008, 16:31:43 »

Also Profuuuu, meinen allerhöchsten Respekt.  Besseres hab ich selten gelesen.
Du solltest (oder sicher hast du das schon) das ganze nicht nur hier veröffentlichen.
Danke, Merci, Thank you......
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namtok

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Re: Eine kleine Geschichte der Buddha Statuen
« Antwort #16 am: 26. August 2008, 22:43:00 »

Mal wieder ein beeindruckender Reisebericht „back in time“ vom "Prof"


Die Welt zu dieser vorchristlichen Zeit wirkt schon erstaunlich modern, die Horizonte haben sich erweitert , auch der Erdumfang wurde das erste Mal schon sehr genau vermesen, Kultur und Handel blühte in den grossen Metropolen mit Einwohnerzahlen von hunderttausenden herrschte Multikulte, man kann schon fast von einer ersten Globalisierung sprechen.

So erscheinen die nachfolgenden Jahrhunderte wie ein Rückschritt der Geschichte.



Auch die Chinesen hatten in den Jahren nach Asoka  ihre erstes Grossreich geschaffen, mit dem Mauerbau begonnen und über die Seidenstrasse etablierte sich der Handelsweg bis Europa.

Na, wie schon gesagt, Asokas Missionierungsversuche in alle  Himmelsrichtungen waren  damals im Osten, darunter dem Goldland Suwanaphum um einiges erfolgreicher als in Richtung Westen , wo die Message erst jetzt, gut 2000 Jahre später Interesse findet.



Ein im damals griechisch beherrschtem Westen viel begehrterer indischer Exportartikel war dagegen der  indische Kriegselefant, der damals sicher mächtig Eindruck geschunden hat und die nächsten mindestens hundert Jahre die Schlachtfelder auch im Westen dominierte.


312 v.Chr überlies Seleukos, der mächtigste der Diadochen, der sich den grössten asiatischen Teil des Alexanderreiches unter den Nagel gerissen hatte, dem Mauryakönig Chandragupta die schwer zu haltenden abgelegenen indischen Eroberungen Alexanders gegen 500 Elefanten, welche ihm in den Kriegen gegen seine Konkurrenten gute Dienste leisten sollte.


Im Lauf der Zeit bekamen die Kriegsgegner  aber doch spitz, dass sich die in vorderster Front eingesetzten furchterregenden Elefanten doch relativ leicht erschrecken liesen und sich dann in Panik auch gegen die nachrückenden eigenen Reihen wandten.

Gerade die Römer, die selbst nie Kriegselefanten einsetzten, perfektionierten diese Technik um sich so formidablen Gegner wie Phyrrhos und Hannibal zu erwehren, und waren  fortan nicht mehr aufzuhalten.




So kam der Kriegselefant im 2. Jahrhundert v.Chr. aus der Mode, die Gegner der Römer mussten sich vertraglich verpflichten, keine Elefanten mehr zu halten, einen der letzten Kampfeinsätze kann man in der Bibel nachlesen, als  sich die Juden im Makkabäeraufstand  von der Herrschaft des zerbröckelnden Seleukidenreiches befreien konnten.


Die Filmszene der Schlacht gegen Poros von 326 v.Chr  des Alexanderfilmes von 2004  wurde übrigens vor 5 Jahren in Thailand im Dschungel des  KhaoYai gedreht,  wohl mit denselben Dickhäutern, die normalerweise ihr Dasein fristen, in dem sie Touris durch die Gegend schaukeln um von Shows wie das Suriner Elephant Round up solche Spektakel und  simulierten Kampfeinsätze gewohnt sind.




Das ganze kann man auf diesen historischen Karten „global“ betrachten, die Files sind etwas gross drum stelle ich nur den Link dazu rein, auch die ersten Thaistämme erscheinen, zum Thema passen die Karten von
323  BC (Tod  Alexanders),  200  und  100 BC


http://www.thomaslessman.com/History/Maps.html
« Letzte Änderung: 26. August 2008, 23:21:01 von namtok »
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██████  Ich sch... auf eure Klimaziele !

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Re: Eine kleine Geschichte der Buddha Statuen
« Antwort #17 am: 27. August 2008, 00:07:17 »

@wiff,

Danke! Freut mich immer, wenn solch ein Thema auf Interesse stösst. Wie immer habe ich mich was gefragt. So fängt es immer an. Nach dem Laien-Studium des Buddhismus und einer kurzen Zeit in einem Buddhistischen Kloster habe ich nicht mehr verstanden, was all diese Buddha-Statuen überhaupt sollen. Im Grunde genommen sind sie ja konträr zur ursprünglichen Idee des Heilsverkünders. So entstand dann diese Abhandlung.

@namtok,
solche Ergänzungen wie deine weiss ich überaus zu schätzen. Sie zeigen ja, dass auch du dich mit dem Thema beschäftigst. Mach ruhig weiter, wenn dir noch was einfällt. Es werden noch 3 - 4 Folgen.   

Und danke für den Karten Link. Kannte ich noch nicht.

« Letzte Änderung: 27. August 2008, 01:52:57 von Profuuu »
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Re: Eine kleine Geschichte der Buddha Statuen
« Antwort #18 am: 27. August 2008, 00:11:09 »

Die Mathura Kunstrichtung

Als ob die Zeit reif wäre, entwickelt sich im 2. Jahrhundert n. Chr. noch eine zweite Kunstrichtung neben der von Gandhara, nämlich die Mathura Kunst. Diese stellt Buddha in indischem Gewande dar.

Mathura, eine Stadt, von der Buddha nach seinem einzigen überlieferten Aufenthalt dort einmal sagte:

Mathura hat fünf Nachteile.
Welche?
Der Stadt-Grund ist uneben.
Es gibt dort zu viel Staub.
Die Hunde sind aggressiv und grimmig.
Es gibt dort teuflische Geister.
Und es ist sehr schwierig beim morgendlichen Rundgang Almosen zu erhalten.

       
             

Breite Schultern und schmale Taillen sollen die Kraft Buddhas ausdrücken. Die Kraft eines Tigers.                                                       
 
In Burma tauchen Glas-Buddhas auf, wahrscheinlich indischer Herkunft, deren Erschaffungszeit auf das 1. Jahrhundert n.Chr. geschätzt wird.

     
                                         
Glas Buddhas, gefunden in Burma


Was war geschehen? Man spricht von einer fast industriellen Herstellung von Buddha-Statuen während der Ghandara / Mathura Periode (100 – 300 nach Christus). Warum legten die Buddhisten ihre Scheu vor einer bildlichen Darstellung ihres Heilsverkünders ab? Nun, wir wissen es nicht genau, kennen kein überliefertes schlechtes Gewissen.
 
Wir hören Geschichten über den König Kanishka. Man nennt ihn auch den „Vollender der Taten Asokas“. Er tritt, genauso wie er, zum buddhistischen Glauben über, und er vereint einen Grossteil Asiens im Buddhismus.

     
     
König Kanishka

Aber was ist das für ein Buddhismus, mag sich mancher fragen? Des Rätsels Lösung: es ist ein Kompromiss an die nicht ohne himmlische Überwesen auskommende menschliche Schwäche. Und die Schwäche, einen Heilsbringer bildhaft vor sich haben zu müssen, um ihm in Andacht zu gedenken. Letzterem haben lediglich die Moslems und Juden bis heute konsequent widerstanden.

Während Kanishkas Herrschaft findet das 4. buddhistische Konzil statt. Danach trennen sich die Buddhisten in Theravadas (Weg der Älteren) und Mahayanas (grosses Rad). Letztere nennen die Theravadas ab jetzt, nicht gänzlich ohne eine gewisse Geringschätzung, Hinayanas (kleines Rad).

Im Mahayana-Buddhismus wird Buddha als „Allwissender“ überhöht und, einem Gott nicht unähnlich, auf das höchste Podest gestellt, das die Menschen zu vergeben haben, den Himmelsthron. Den nicht der Selbstdisziplin und individueller Anstrengung Fähigen werden „Erleuchtete“, die Bodhisattvas, zur Seite gestellt, die aus Erbarmen mit den Leidenden ihre Unterstützung auf dem Wege ins Nirvana anbieten. Der uns allen bekannte Dalai Lama und unermüdliche Kämpfer für ein freies Tibet versteht sich aus dieser Tradition. Übrigens dem Buddha gar nicht unähnlich, der 45 Jahre lang seine Lehre, trotz ernsthafter Bedenken aber wegen Mitleid mit den Menschen verkündete. Dabei befand er sich nach seiner Erleuchtung schon im Zustand des Nirvana,  bis er schließlich im Alter von 80 Jahren bei seinem Tode ins Pari-Nirvana entschwand.

Die Mahayanas übernehmen die bildhafte Darstellung ihres Verkünders ohne Scheu und den Theravadas blieb wohl nichts anderes übrig um nicht gänzlich unterzugehen.

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Re: Eine kleine Geschichte der Buddha Statuen
« Antwort #19 am: 27. August 2008, 00:23:06 »

Das Gupta Reich

Die Herrscher des Gupta Reiches kommen wie Asoka aus Magadha, dem Kernland des Buddhismus. Dort, wo Buddha zu Lebzeiten wandelte. Ihre Herrschaft dauerte vom 3. bis zum 6. Jahrhundert n. Chr. Diese 300jährige Periode wird auch das „Goldene Zeitalter“ auf dem Indischen Kontinent genannt.


Die Guptas sind typische Vertreter ihrer Zeit. Einer Zeit, gekennzeichnet durch eine Vielfalt von Religionen, die allerdings friedlich nebeneinander existieren. So kommt es, dass von Staatswegen keine Religion erzwungen oder unterdrückt wird. 

Dem Buddhismus folgt nur eine Minderheit. Der Hinduismus erlebt seine erste Blütezeit. Kunstvolle Shiva und Vishnu Tempel werden errichtet. Brahmanen führen nach wie vor ihre Rituale durch. Astrologen üben sich im Vorraussagen der Zukunft. Dies alles in der Sanskrit Sprache.

Wieder einmal ist es nicht gesichert, dass der Buddhismus eine Zukunft hat und je eine größere Rolle spielen könnte.     

Aber in dieser friedlichen und künstlerisch kreativen Zeit der Gupta Herrscher nimmt Buddhas Antlitz schließlich den unergründlich lächelnden und entrückten Gesichtsausdruck an.



Buddhas der Gupta Periode

Etwa 800 Jahre nach Buddhas Tod ist es den Künstlern endlich gelungen, seiner friedlichen Botschaft das mystisch faszinierende Antlitz zu verleihen, wie wir es heute kennen.

Und so gehen die Buddha Statuen auf Wanderschaft. Auf dem Landwege verbreiten sie sich entlang der Seidenstrasse bis nach China hinein. Bamiyan in Afghanistan wird zu einem Buddhistischen Zentrum ausgebaut.

Mit ihnen wandert der Mahayana Buddhismus, der seinen Ausdruck in der Sanskrit-Sprache der Brahmanen findet. Es ist die Sprache der Gelehrten, obersten Kasten und Könige.   


                   

Die in die westliche Umgangssprache eingegangenen Begriffe wie „nirvana“ und „karma“ sind Sanskrit Worte.

Ebenso wie Radscha oder Maha-Radscha. König oder großer König.

maha = groß

radscha = König

maharadscha = großer König

Wir wissen jetzt, wie der Buddhismus in seiner Mahayana Färbung zusammen mit seinen Statuen nach China kam und auf dem Wege dorthin seine Spuren hinterließ.

maha = groß

yana = Rad

mahayana = großes Rad


Soweit so gut. Aber wie gelangten der Buddhismus und seine Statuen nach Süd-Ost-Asien?
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jumbo

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Re: Eine kleine Geschichte der Buddha Statuen
« Antwort #20 am: 27. August 2008, 03:13:32 »

@profuuu

Ist es richtig, dass der Riesen-Buddha von Leshan gebaut wurde, weil es dort am Zusammenschluss von drei Fluessen (Dreifluessekreuzung) Stromschnellen und Wasserturbulenzen gab und man geglaubt hat, dass durch den Bau der groessten Buddhafigur, diese aufhoeren???

Es soll dann tatsaechlich so gewesen sein, dass nach dem Bau und dem Verbringen des Bauschutts im Fluss die Turbulenzen, durch die durch den Bauschutt jetzt geglaetteten Unebenheiten im Flussbett, aufgehoert haben.....??? ???

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Re: Eine kleine Geschichte der Buddha Statuen
« Antwort #21 am: 27. August 2008, 13:04:28 »

@Jumbo,

um alle mehr oder weniger berühmten Buddha Statuen ranken sich Legenden. Um die Legende(n) des Leshan Buddhas habe ich mich noch nicht gekümmert.

Diese Legenden sind alle nett zu lesen, manchmal haarsträubend, manchmal einfach amüsant.

Du kannst ja mal die probe in Chiang Mai machen. Du wirst erstaunt sein, welch vielfältige Geschichten und Legenden sich dort um die Buddha Statuen ranken.

In der an Bangkok angrenzenden Provinz Chachoengsao z.B. gibt es die Legende von den drei im Fluss daher geschwommenen Buddhastatuen...die dann auf drei Tempel verteilt wurden. Als Bangkokianer oder Chonburianer ist es Pflicht, diese drei Tempel besucht zu haben. Lotteriegewinn garantiert. Einfach unter "Wat Sothon" googeln..... 

Wer's glaubt, wird selig oder geniesst wenigsten eine amüsante Geschichte.  8)

P.S. spiele schon seit Jahren mit dem Gedanken, ein Buch mit einer Sammlung von ausgesuchten Legenden zu schreiben. Während meiner vielen Rundreisen durch Thailand bin ich immer wieder auf sie gestossen. Sei es in kleinen Büchern oder Brochüren, die vor Ort ausliegen, oder durch Erzählungen der Einheimischen. Das gleiche gilt natürlich für Birma, Laos, Kambodscha, China, etc. auch.
« Letzte Änderung: 27. August 2008, 13:09:46 von Profuuu »
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Re: Eine kleine Geschichte der Buddha Statuen
« Antwort #22 am: 27. August 2008, 23:12:33 »

Der fünfte Akt – Buddha auf hoher See

Der Theravada Buddhismus blieb bei Pali. Der Sprache, die einfache Leute zu Buddhas Zeiten verstanden. Pali Begriffe wie nibbana, (Sanskrit: nirvana) und Kamma  (Sanskrit: karma) sind uns nicht so geläufig.

thera = Ältere

vada = Weg (man beachte die Ähnlichkeit mit dem altrömischen „vadis“ aus „quo vadis“, wohin gehst du?)

theravada = Weg der Älteren

Die Verbreitung von Buddhas Worten zusammen mit seinen Statuen bis nach Süd-Ost-Asien hinein findet in Pali statt, der Sprache des Theravada.

Wie ist es eigentlich dazu gekommen? Ist uns etwa bei aller historischer Überlieferung über die Grossen und Mächtigen auf dem Indischen Kontinent etwas entgangen?

Es scheint so. Sehen wir mal von Asokas Sohn ab, der 500 Jahre vorher Ceylon auf den buddhistischen Weg führte. Die meisten Geschichtsbücher schweigen, da im Süden keine Weltgeschichte gemacht wird. Gäbe es nicht die Jahrtausende alten Ceylon Chroniken wüssten wir heute sehr wenig.   

Fernab von den Wirren der wechselnden Herrscherhäuser in Nord-Indien hat sich dort eine weitestgehend friedliche Handelsgesellschaft entwickelt, der Seefahrt nicht unkundig. Fast unentdeckt von aufsehenerregender Geschichtsschreibung gehen die Menschen dort einfach ihren Geschäften nach.

Buddha-Skulpturen der Mathura und Gupta Ära begleiten die Handelswaren in den Schiffsbäuchen  Ihr friedliches Lächeln übt auch auf die Handelspartner in Süd-Ost-Asien eine unwiderstehliche Faszination aus. Ganze Völkerwanderungen finden über den Seeweg statt. Süd-Indische Seefahrer bilden Niederlassungen überall in  Süd-Ost-Asien. Lassen ihre Familien, Handwerker und Künstler nachkommen, leben den Buddhismus und auch den Hinduismus vor.

Wir sind aber auch auf die Chroniken der Zielländer dieser Indischen Seefahrer angewiesen. Demnach gab es schon vor Christi Geburt Kontakte zu den Pyu, Vorgänger der Burmesen, sowie mit dem Vorgängerreich der Khmer, genannt Funan, mit Kern im Mündungsdelta des Mekong viel weiter östlich. Natürlich auch mit den Mon in Ost und Süd-Burma sowie im am unteren Chao Phraya Lauf.

Zwischen Burma, Kambodscha und Thailand herrscht ein geradezu religiöser Kampf, wer denn nun als Erster Kontakt zum Indischen Buddhismus hatte und wem die Ehre zukommt, sich Suvarnabhumi, das goldene Land, nennen zu dürfen.

Für die Burmesen hatte Pegu den ersten Kontakt. Für die Thais ist es Nakhon Pathom und für die Khmers natürlich das alte Funan Reich. Und wen wundert es, von Wunschgedanken beseelt, knüpften sich die ersten Beziehungen natürlich schon mit Asokas Großreich im 3. Jahrhundert v. Chr.. Die lokalen Buddhistischen Legenden gehen sogar noch weiter. Demnach ist Buddha höchstpersönlich an all diesen Orten in Burma, Kambodscha und Thailand gewandelt.

Prinzessin Sirindhorn hat mal laut einem Artikel im „Herald Tribune“ zum Thema „Indischer Einfluss auf Thailand“ den Gedanken lächelnd geäußert, dass es wohl wenig Zweck hätte, solch ein Thema öffentlich in Thailand zu diskutieren, da ja die meisten Thais sowieso glauben, Buddha wäre in Thailand geboren.

http://www.iht.com/articles/2003/01/07/edray_ed3_.php

Wie auch immer. Wir dürfen davon ausgehen, dass ab dem 2. oder 3. Jahrhundert n. Chr. auch Buddhastatuen in den Schiffsbäuchen an all diese Orte gelangten.
   
Spätestens vom 6. Jahrhundert n. Chr. an übernimmt das Dvaravati Reich der Mon am Unterlauf des Chao Phraya Flusses die Kunst der Herstellung von Buddha Statuen. Nakhon Pathom wird laut offizieller Geschichtsschreibung als religiöses Zentrum für den Buddhismus jener Zeit genannt.

     

 
                                   
   
 
 
Im 8. bis 9. Jahrhundert  n. Chr. errichtet ein König der Sailendra Dynastie auf Java den Borobudur Tempelkomplex.



 
Etwas später können auch die Khmers trotz all ihrer Hinwendung zum Hinduismus nicht mehr widerstehen, übernehmen die Kunst der Herstellung von Buddha-Statuen neben der von Shiva und Vishnu und legen die Saat für ein später entstehendes Juwel,  Ankor Wat, welches wie schon zuvor in Borobudur Hinduismus und Buddhismus in sich vereinte.


                                       
 
Im 13. bis 15. Jahrhundert erlebt die buddhistische Kunst in Sukhotai, dem ersten offiziellen Thai-Reich im Norden Thailands, einen ungeahnten Höhepunkt.



           
 
Ayutthya folgte auf dem Fuße.



 
Wir befinden uns nun am Ende des 15.Jahrhunderts n. Chr. Die buddhistische Lehre ist fast 2000 Jahre alt. Sie ist 1000 Jahre älter geworden, als Buddha je annahm. Sie hat ihre ursprüngliche Heimat gänzlich verloren. Außer in Sri Lanka, dem ehemalige Ceylon. Nord-West-Indien (heute Pakistan), Bactria, Afghanistan und ein gutes Stück entlang der Seidenstrasse sind schon seit mehreren hundert Jahren islamisch.
 
Die Verdienste Asoka’s, Melinda’s, Kanishka’s und die der friedlichen Händler in Süd-Indien bleiben für immer unvergesslich, solange der Buddhismus lebt. Ein „Käk“, ein „Farang“ und ein Chinese verhinderten den Untergang des Buddhismus. Halfen ihm über unruhige Zeiten hinweg, bis er schließlich eine neue Heimat fand. Der Mahayana in Groß-China, Tibet, Nepal und Japan (Zen), der Theravada in Thailand, Kambodscha, Laos und Burma. 

Dort gehören Buddha Statuen zum Alltagsbild, sind Bestandteil des sozialen und religiösen Lebens.

Kann uns Buddha verzeihen?
« Letzte Änderung: 27. August 2008, 23:29:22 von Profuuu »
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Piichang

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Re: Eine kleine Geschichte der Buddha Statuen
« Antwort #23 am: 28. August 2008, 16:42:16 »

Hallo Profuuu ,
Vielen Dank  für Deinen  Vortrag , ich bin sehr angetan davon .
Ich bewundere wie viel Arbeit du in deine Vorträge Investierst !

  M.f.G.
Piichang
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Re: Eine kleine Geschichte der Buddha Statuen
« Antwort #24 am: 28. August 2008, 22:20:19 »

Danke Piichang. Die Story ist schon 5 Jahre alt, habe aber die Gelegenheit genutzt, sie gründlich zu überarbeiten. Man lernt ja nie aus.
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Re: Eine kleine Geschichte der Buddha Statuen
« Antwort #25 am: 28. August 2008, 22:23:43 »

Nachwort.

Diese kleine chronologische Geschichte der Buddha-Statuen nimmt hier ein vorläufiges Ende.

Wir haben die Zeiten gänzlich ohne bildliche Darstellungen Buddhas kennen gelernt. Sie dauerte über 600 Jahre. Wir haben erfahren, wie zögernd die Buddhisten über eine symbolische Darstellung hinaus diese Art der Kunst übernommen haben und wie es gleichzeitig zu einer grundlegenden Zweiteilung der buddhistischen Gemeinschaft in Theravada und Mahayana kam.

Wir kennen den Grund des Zögerns. Buddha war gegen jeglichen Personenkult, besonders wenn er sich als Darstellung seiner Gestalt geäussert hätte.

Wir haben gesehen, wie im 1. bis 2. Jahrhundert n. Chr. auf den Gebieten des heutigen Nord-Indiens, Pakistans und Afghanistans die Herstellung von Buddha-Statuen künstlerischen und schon fast industriellen Charakter annahm.

Wie die Gesichter der Buddha Statuen im 3. bis 6. Jahrhundert n. Chr. schließlich das mystisch geheimnisvolle und friedliche Lächeln annahmen. Wie sie sich im Rahmen des Handels über den Landweg der Seidenstrasse nach China und über den Seeweg nach Süd-Ost-Asien ausbreiteten.

Die lokalen Künstler Süd-Ost-Asien’s in Thailand, Burma, Laos, Kambodscha und Java übernahmen vermutlich ab dem 6. oder 7. Jahrhundert n.Chr. das Handwerk der Herstellung von Buddha-Statuen selber. Sie gaben ihnen ein eigenes Antlitz, eine eigene Gestalt, dessen Vielfalt dem interessierten Beobachter nicht verborgen bleibt und ihn immer wieder aufs Neue fasziniert.

In den Kriegen des 2. Jahrtausends n. Chr. zwischen den Völkern in Süd-Ost-Asien wurden Buddha-Statuen zu begehrten Trophäen. Unzählige Statuen verloren ihre Unschuld, sind mit Blut befleckt. Siegreiche Feldherren scheuten keine Mühen, neben geraubten Sklaven auch überaus schwere Statuen mitgehen zu lassen um sie als Zeichen der Macht in den Königsstätten der Siegermächte aufzustellen. Thailands Tempel, besonders in Bangkok, sind voller dieser Raubgüter.

Das gleiche galt einmal für Kambodscha auf dem Höhepunkt des Khmer Reiches. Nach der Eroberung durch die Thais wurde es aber ziemlich leergefegt. Im Gegensatz zu Burma. Dort befinden sich immer noch Buddha Statuen aus Thailand, die sie bis zur Zerstörung von Ayutthaya dort geraubt hatten.

Buddha wusste schon, warum er der künstlerischen Darstellung seiner Person abgeneigt war. Wie sich gezeigt hat, lenkt sie nicht nur von seiner Lehre ab, sondern kann sogar der Grund für kriegerische Beutezüge sein.

Wenn aber heute jemand von einer Buddha-Statue in seinem Innersten berührt wird, er sich daraufhin sammelt, unschöne Gedanken ablegt, kurzfristig seinen Geist von gierigem Verlangen, Tanha, befreit und versucht das Wesen des karmisch belasteten Kreislaufs, Samsara, zu begreifen, die Bedingungen für sein Leid, Dukkha, ergründet und aus tiefstem Herzen seine Zuwendung kundtut:

buddham saranam gacchami (ich nehme Zuflucht zu Buddha)
dhammam saranam gacchami (ich nehme Zuflucht zu der Lehre)
sangham saranam gacchami (ich nehme Zuflucht zu der Mönchsgemeinde)

Dann mag er ausnahmsweise in besonders andächtigen Momenten mit mahnendem Hinweis auf die Statue vor der er kniet ein leises Murmeln Buddhas vernehmen:

„Wenn es denn unbedingt nötig ist...“

 
                             
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hmh.

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Wo lag das sagenhafte "Suvarnabhumi"?
« Antwort #26 am: 30. August 2008, 04:02:17 »

Zitat
Zwischen Burma, Kambodscha und Thailand herrscht ein geradezu religiöser Kampf, wer denn nun als Erster Kontakt zum Indischen Buddhismus hatte und wem die Ehre zukommt, sich Suvarnabhumi, das goldene Land, nennen zu dürfen.

Für die Birmanen hatte Pegu den ersten Kontakt. Für die Thais ist es Nakhon Pathom . . .

Die Sache mit dem "Goldland", dem sagenhaften indischen Eldorado, wird klar, wenn man das Ausschlußverfahren wählt:

Nakhon Pathom gehörte zum Mon Reich mit Zentrum Pegu im heutigen Birma. Damit ist alles gesagt.

Sukhothai war ein Zentrum der Kultur des alten Ankor, das die in die Region eingefallenen Thais ebenso wie Nakhon Pathom annektierten.

Die Menschen, soweit sie am Leben blieben, wurden versklavt. Und ebenso wie es die germanischen Barbaren im goldenen Rom taten, stülpte man sich die vorhandene, viel höherstehende Kultur über. Diese wurde zwar noch nicht einmal von der winzigen Elite ansatzweise verstanden, aber man versklavte ja auch zugleich noch zum Beispiel das halbe kambodschanische Königshaus und verschleppte diese Leute ebenso wie die höchsten kambodschanischen Priester als Vermittler mit an den eigenen Hof. Schöne Frauen übernahm man natürlich auch gerne in die riesigen Harems der Thai-Herrscher, die wohl glaubten, dadurch einiges von der Magie der Gottkönige dieser alten Kulturvölker zu übernehmen.

Bezeichnenderweise wurde von früheren ausländischen Besuchern des alten Siam sehr selten von hohen eigenen Kulturleistungen der Thais berichtet. Wohl aber, und zwar auffallend oft, von der außerordentlichen Grausamkeit und Rohheit der Beherrscher dieses Volkes. Aufgrund der Vielzahl gleicher und ähnlicher Berichte erscheint es jedenfalls nicht völlig unglaubwürdig, wenn etwa ein Reisender namens Francesco Carletti im ausgehenden europäischen Mittelalter aus Siam berichtete, daß es am dortigen Hofe schon mal vorkam, daß der gottgleiche König von Siam fast seinen gesamten Harem "der sehr groß war", in Kupferkesseln im heißen Öl braten ließ, ihn so entsorgte und Platz für Nachschub schaffen ließ...

Durch die entführte, vor allem kambodschanische Elite der versklavten Länder entstand Rachasap, die "thailändische" Hofsprache, die nichts anderes war und ist, als das am Hof des alten Angkor gesprochene Kambodschanisch. Rachasap wurde, ebenso wie alle religiösen Pali-Texte des alten Siam, bis vor etwa 100 Jahren auch in Thailand von den wenigen Wissensträgern ausschließlich mit kambodschanischen Lettern geschrieben.

Die Thais sind also dasjenige unter den oben genannten Völkern, die garantiert nichts aus eigenem Verdienst heraus mit dem sagenhaften indischen "Goldland" zu tun haben (können).

Daran wird sich auch dann nichts ändern, wenn die sogenannte Elite in diesem so wunderbar selbstbewußten Land noch zwanzig Flughäfen, Ländereien oder Museen mit dem hochtrabenden Namen Suwannaphum benennt und diesen Namen, um uns Ausländer zu beeindrucken, nicht nach ihren eigenen Übertragungsregeln in lateinische Lettern übertragen läßt, sondern statt dessen zum  als noch "höher" erachteten thai-indischen "Suvarnabhumi" erhebt.

Als indische Missionare und Abenteurer einst ihren Landsleuten von einem sagenhaften Goldland berichteten, existierten noch keine Thais in diesem kulturell durch die Mon und Khmer zu "Hinterindien" gewordenen Land.

König Ashoka soll seine Missionare, wie auch die offizielle Thai-Geschichtsschreibung nicht anders behauptet, im 3. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung ausgesandt haben. Archäologische Funde zeigen überdies, daß in den Jahrhunderten danach auf dem Gebiet des heutigen Thailand neben dem Buddhismus auch noch ältere indische Kulte verbreitet waren.

Nur von einem Volk hat man aus der fraglichen Zeit noch nie Spuren im heutigen Thailand entdeckt:
Von denen, die sich selbst Thais, also "Freie" nannten und nennen.

Der Unterschied zu anderen Völkern bestand darin, daß die Thai-Elite die Angehörigen der auf Raubzügen unterworfenen Länder, soweit nützlich, als neue Kriegs- und Arbeitssklaven ins eigene Land verschleppen ließ.

So brauchte man diejenigen unwürdigen Arbeiten, die das Leben eher unangenehm machen oder gefährlich sind, über Jahrhunderte hinweg nie selbst zu tun. Man konnte das Stubsnäschen immer schön hoch tragen, und auf die unfreien Nachbarvölker herabschauen, die obendrein, so man sie nicht auslöschte, jahrhundertelang nach Ayutthaya, später nach Bangkok, Tribut zu entrichten hatten.

Auf die lange freiheitliche Geschichte seines Volkes ist jeder patriotische Thai selbstverständlich zurecht äußerst stolz.
« Letzte Änderung: 10. Januar 2011, 00:38:02 von hmh. »
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Re: Eine kleine Geschichte der Buddha Statuen
« Antwort #27 am: 30. August 2008, 04:04:45 »

Hallo Profuuu,

hier die Bilder von dem chinesischen Buddha in Chiang Mai......!






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« Letzte Änderung: 31. August 2008, 03:39:15 von hmh. »
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Chinesische "Gnadengöttin" Kuan Im
« Antwort #28 am: 30. August 2008, 06:08:12 »

Es handelt sich nicht um eine Buddhafigur. Vielmehr dürfte es sich bei der etwas naiv wirkenden Darstellung wohl um ein Abbild der chinesischen (mahayana-) buddhistischen "Gnadengöttin" Kuan Im handeln.

Dieses Abbild findet man sehr häufig in Asien. Auch in Thailand ist es weit verbreitet.

Das populäre, neun Meter hohe Abbild in Ban Laem gegenüber von Mahachai zum Beispiel wird im TIP Führer Bangkok in Verbindung mit einem sehr lohnenswerten Ausflug per Eisenbahn aus der Stadtmitte heraus auf fast sieben Seiten beschrieben.
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dii

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Re: Eine kleine Geschichte der Buddha Statuen
« Antwort #29 am: 30. August 2008, 15:46:47 »

" Kuan Yin, originally a Chinese deity, was later identified with Avalokitesvara, the bodhisattva of compassion in Mahayana Buddhism. Known in Thailand as Guan Im, she is much venerated by Thais of Chinese ancestory. In her right hand is a flask from which issues an endless stream of compassion and mercy; in her left hand she holds a sprig of rice, a symbol of fertility.

Kuan Yin is sometimes presented in male, sometimes in female form: pictures and statues, in both forms, can be found in Chinese and Thai temples all over Thailand. "



" The temple at Samut Sakhon has a particularly beautiful inner shrine, often visited by couples who have yet to conceive their first child "
« Letzte Änderung: 31. August 2008, 03:32:54 von hmh. »
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...Alkohol macht langsam dumm - egal,wir haben Zeit... kein Sklave mehr  >:
 

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