Robert von Loewenstern / 22.04.2019 / 06:29 /
Ich bin für Klimawandel. Leben Sie wohl.
Wie Sie vielleicht wissen, habe ich ein inniges Verhältnis zu meinem Neffen. Ich habe ihn bereits als Kleinkind gewickelt, und derlei gemeinsam durchlebte existenzielle Erfahrung schweißt zusammen, ähnlich wie Krieg. Mittlerweile ist das laut Selbsteinschätzung „geile Stück DNA“ sechzehn Jahre alt und entdeckte vor einigen Wochen das political animal in sich. Er werde demonstrieren, verkündete der erwachende Staatsbürger entschlossen. Ich bestärkte ihn in seinem Vorhaben.
Was meinen Neffen alarmiert hatte, war nicht die schwedische Tochter Gottes, sondern die Aussicht auf ein sinnloses Leben ohne Youtube. Dieser primären Bildungsquelle Heranwachsender hatte er entnommen, „Artikel 13“ werde das Internet abschaffen. „Genau“, erklärte der Onkel in zielgruppengerechter Ansprache. Da die Aufmerksamkeitsspanne eines heutigen Teenagers der eines flüchtenden Zwergkaninchens entspricht, sind längere Ausführungen auf Notfälle zu beschränken. Ein solcher lag hier nicht vor, denn der junge Krieger kämpfte für die richtige Seite. Wozu ihn also mit Mehrwortsätzen verwirren.
Kurz nach der politischen Ersterweckung entdeckte mein einziger und Lieblingsneffe, dass es ein Klima gibt. Quell der Information war ausnahmsweise nicht Youtube, sondern seine Lehranstalt. Deren verantwortungsvolle Pädagogen hatten ihren Schutzbefohlenen erklärt, dass wir alle bald sterben, wenn Kinder nicht fürs Klima Schule schwänzen. Wie der Zufall es will, ist ein langes Wochenende für Lehrer nicht unbedingt von Nachteil, und so ermunterte man die Schüler zum freitäglichen Gretinieren.
Eisenerz und Butterherz
Die Eltern waren geteilter Meinung. Nicht so Onkel und Tante. Ich erklärte dem angehenden Klimarevoluzzer, dass unser wundervoller, freiheitlicher, demokratischer Rechtsstaat spätestens am Oheim seine Grenzen finden werde, falls der Neffe beabsichtige, wegen einer Demo auch nur eine einzige Schulstunde zu verpassen. Da Onkel Eisenerz und Tante Butterherz in puncto Schulpflicht eine stabile Einheitsfront bildeten, wusste das geile Stück DNA, dass es ernst ist.
Die möglichen Folgen musste ich nicht weiter konkretisieren. Als typisches Opfer des nachhaltig zerstörten deutschen Bildungssystems glaubt mein Neffe, sein Onkel sei reicher als Gott – ein Missverständnis, das meinem Wort naturgesetzlich mehr Gewicht verleiht als jeder Videobotschaft einer Kanzlerin in Altersteilzeit. Ich überließ es also der jugendlichen Phantasie, ob Schuleschwänzen den nächsten Urlaub oder den steten Strom abgelegter Onkel-iPhones gefährden könnte.
Quelle:
www.achgut.com vom 22.4.19
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Änderung
Kopie des Artikels stark verkürzt, weil viel weniger übersichtlich als das Original