Ich lebe nun seit einem guten Dutzend Jahren im tiefen Isaan, und habe, was die Intelligenz der Menschen hier betrifft, weiß Gott keine Illusionen. Ich muß aber Einspruch erheben, wenn immer wieder – auch hier im Forum – behauptet wird, daß die Isaanis zu dumm für demokratische Wahlen wären, oder ihre Stimme an den Meistbietenden verkaufen würden. Und das deshalb jede mit ihren Stimmen gewählte Regierung von Haus aus korrupt sei. Das ist eines der Hauptargumente der PAD mit der diese begründet, warum die jetzige Regierung aus dem Amt gejagt werden muß, und weshalb in Zukunft nur ein Drittel des Parlaments gewählt und zwei Drittel durch Gremien bestellt werden sollen, in denen „intelligente“ Leute sitzen. Ein “aufrechter Demokrat”, der unter dem bezeichnenden Namen ‚Journaillie“ auch hier postet, hat (allerdings in einem anderen Forum) sogar gefordert, daß alle Isaanis vor Gericht unter Eid bekunden sollen, wen sie bei der letzten Wahl gewählt haben !!!
Wenn man nun behauptet, daß die Regierung wegen Stimmenkaufs, oder der fehlenden Bildung der Menschen im Isaan an die Macht gekommen ist, und damit begründet, daß die Leute dieser Region von zukünftigen Parlamentswahlen weitgehend ausgeschlossen werden sollen, und nur den gebildeten, gut informierten Mittelklassebürger erlaubt zu wählen. dann ist das ist nicht Demokratie, Freunde, sondern genau das Gegenteil, das ist Diskriminierung.
Und wenn gar, wie es jetzt der Fall ist, ein Mob sich versammelt, Regierungsgebäude besetzt, den Betrieb der Bahnen und an Flughäfen zum Einstellen zwingt, um die gewählte Regierung zum Rücktritt zu zwingen, dann hätte man vorher keine Wahlen abzuhalten brauchen.
Der Kern der Vorwürfe wie oben schon angeführt, ist der sogenannte Stimmenkauf. Ich habe hier nicht nur einmal darauf hingewiesen, wie lächerlich dieser Vorwurf ist. Niemand verkauft hier seine Stimme. Jeder nimmt gerne das Geld, auch von mehreren Parteien, aber jeder steht alleine in der Wahlkabine und wählt das, was er für richtig hält. Im übrigen schmeißen alle Kandidaten hier zur Wahlzeit mit Geld um sich, die Demokraten genau so wie die PPP. Und das war schon immer so, überall im Lande. Ich kann mich gut entsinnen, daß vor über 20 Jahren mir damals eine Freundin aus Chachoengsao, also dicht bei Bangkok, freudestrahlend erzählte, daß Neuwahlen ausgeschrieben worden seien. Als ich sie verwundert fragte, seit wann sie sich plötzlich für Politik interessiere, sagte sie „die Politik ist mir egal, aber die Parlamentskandidaten verteilen dann wieder Geld“.
Man muß auch berücksichtigen, daß schon lange bevor in Thailand von Demokratie und Parlamentswahlen die Rede war, hier auf dem Land immer schon gewählt wurde. Der Dorfvorsteher, der Abt des Klosters, der Schiedsmann wurden von der Dorfbevölkerung gewählt. Kandidaten die kein Geld oder Essen und Trinken anboten, riskierten als geizig angesehen zu werden, und waren deshalb nicht wert gewählt zu werden.
Genau das gleiche hat übrigens Thaksin im Spiel der nationalen Politik getan. Er versprach der armen Landbevölkerung Projekte von denen sie profitierten, und er hielt sein Versprechen. Das ist der Grund warum er die Stimmen der Bevölkerung im Isaan bekam, und nicht die verteilten Hundert-Baht-Scheine. Das ganze Geschimpfe über Stimmenkauf bei der Wahl ist einfach nur ein Versuch, de Wahldemokratie abzuschaffen, weil sie anscheinend funktioniert.
Das Problem ist nicht, daß die dummen Isaanis nicht wissen wie sie wählen sollen, oder daß das Ergebnis durch ihren Stimmenkauf verfälscht wird. Während letzten vier Wahlen haben sie sehr beständig gewählt. Das Problem ist, daß sie gelernt haben ihre Stimme einzusetzen. In der Zeit, als das Gewicht der Landbevölkerung in der nationalen Politik gleich Null war, kümmerte sich niemand so sehr um den Stimmenkauf . Aber jetzt, da die Armen klug geworden sind, und über ihr Schicksal mit bestimmen wollen, müssen sie gestoppt werden.
Guenther