Lieber jock,
Genau,die Durchmarschwege...
Die Pfalz haate als Dufchmarschland immer besonders zu leiden, wurde sie doch jeweils mindestens zweimal von den durchziehenden Truppen mit allem beglueckt, was gut aufgelegte Soldaten so anrichten koennen. Die Pfalz erwischte es als eines der Grenzlaender zu Frankreich mit haeufuger Regelmaessigkeit. War man zu der einen Partei freundlich, wurde an hernach von der Gegeenpartei zusaetzlich verpruegelt.
Ja, es gab zu Napoleons Zeiten noch keine Haager Landkriegsordnung, wohl aber Kriegsverbrechen.
Gerade die unbestrittene Existenz der Kriegsverbrechen zog schliesslich dies Haager Landkriegsordnung nach.
Spricht man die Franzosen heute auf damalige Geschehnisse an, dann wird nkcht etwa darauf verwiesen, dass das wohl war aber doch auch la ge zurueckliege.
Nein, die Geschehnisse werden als solche in Bausch und Bogen bestritten, da sie nicht zu dem Bild passen, das die Franzosen von sich selbst haben.
Frag mal Franzosen nach Geschehnissen in Algerien. Das liegt noch gar nicht lange zurueck.
Auch da bestehen ganz merkwuerdige Erinnerungsluecken.
Mit einem Auflebenlassen einer deutsch-franzoesischen Feindschaft hat das nichts zu tun.
Ich wollte lediglich zeigen, wie sehr das geschichtliche Bewusstsein haeufig davon beeinflusst wird, wie man selbst gesehen werden moechte.
Ich haette statt der Franzosen auch die Tuerken als Beispiel anfuehren koennen.
Ist es nicht frapierend, wie vehement die Tuerken ihre stattgehabten Kriegsverbrechen an den Armeniern in Abrede stellen.
Der Herr Erdogan ist da nicht weniger bewusstseinseingeschraenkt wie die besagte alte Dame...
In Kriegen geschehen Grausamkeiten, da sind wir uns sicher einig.
Muss man diese Grajsamkeiten deswegen einfach hinnehmen?
Ich meine NEIN.
UND DIE Zeiten, als Kriege mehr eine grosse Pruegelei waren, sind doch auch schon sehr, sehr lange vorbei.
Mir faellt da am ehesten noch die Schlacht bei den Thermopylen ein als eine Handvoll spartanischer Krieger eine Pass heldenhaft bis zum letzten Mann kämpfend gegen eine haushoch überlegene persische Angriffsarmee verteidigten.
Von solchen heroischen Aktionen abgesehen, mutierten die Kriege doch schon im Altertum zu Schlachtfesten.
Die Schlacht bei Cannae wurde schon damals als "magna caedes", also als grosses Gemetzel beschrieben.
Auch das "vae victis", also das "Wehe den Besiegten" stammt schon aus dieser Geschichtsperiode.
Man kann Gescheheness nicht ungeschehen machen. Auch wenn eine individuelle Schuld fehlt, so besteht doch eine moralische Verantwortung der Gruppe, die solche Geschehnisse herbeigeführt hatten.
Das muss einem nicht gefallen, lässt sich aber auch nicht einfach wegleugnen.
Im Verlauf vieler Jahrzehnte beginnt solche Schuld gnaedigerweise zu verdaemmern, aber das zieht sich eben...
Geschichte beschreibt Geschehenes.
Wenn sie autentisch ist, beschreibt sie Gewesenes "sine ira et studio", also ohne grosse Emotionen und ohne sich zu ereifern.
Ich bin ein grosser Anhaenger dieser autentischen Geschichtsbetrachtung, wobei ich instaendig hoffe, dass Geschichte uns hilft, gemachte Fehler in der Gegenwart und Zukunft zu vermeiden.
Wer Geschehenes leugnet, öffnet damit die Tür zur Wiederholung alter Fehler. "Vergessen" ist hier also höchst gefährlich und sollte folglich dringend vermieden werden.
Nur darauf kommt es mir an.
Wolfram