Compact Disc (CD) und andere Speicher
Leider ist die Lagerfähigkeit von optischen Speichern wie CD und DVD äusserst beschränkt, verglichen mit
hundert Jahre alten Tonträgern in meiner Sammlung. Zugegeben, die Datenspeicherung ist erstens analog
und zweitens mengenmässig sehr beschränkt. Dafür ist die Signalstärke ausserordentlich hoch, dass ohne
jegliche elektronische Verstärkung eine rein mechanische Reproduktion erfolgt.
Die Dynamik ist eher bescheiden und der Rauschanteil hoch. Dennoch blieb das ursprünglich Signal erhalten
und kann mit entsprechenden antiken Wiedergabegeräten für fast drei Minuten einwandfrei abgetastet werden.
(Schallplatten: Label handgraviert, fast kratzfeste Tiefenschrift, System Pathé Frères, hundert Umdrehungen
pro Minute, Abtastung mit runder Saphirkugel von innen nach aussen. Wer hat Kleingeld und Interesse?)
CD speichern Unmengen von Daten, von 600 Megabytes an aufwärts. Sofern alles wie vorgesehen funktioniert,
ist HiFi Qualität in Stereophonie mit einer Dynamik von fast 100 Dezibel (dB) während einer Stunde möglich.
Diese bewundernswürdige Technologie erlaubte es erstmals, Ravels Bolero praktisch unverfälscht wiederzugeben.
Die Plastikscheiben reagieren durch die hohe Aufzeichnungsdichte bedingt empfindlich auf Störeinflüsse, wie
Kratzer, Hitze, Feuchtigkeit und schlechte Lagerbedingungen.
Mir fällt immer wieder auf, wie sorglos die Menschen mit ihren Silberlingen umgehen.
Üblicherweise sind die empfindlichen Oberflächen verkratzt und voller Fingerabdrücke. Jüngere Frauen missbrauchen
die verspiegelten Scheiben fürs Make-up. Dann sind neben den unsichtbaren Pits Spuren von Lippenstift und
Mascara zu finden. Die Schutzhüllen sind kaum vorhanden und dienen eher zum Sammeln von Büroklammern,
Gummiringen oder Briefmarken. Darum verleihe ich grundsätzlich keine Datenträger.
Vor wenigen Wochen enttäuschte uns eine öfters gespielte CD, Kansas City mit Jazzaufnahmen produziert von
R. Altman für den gleichnamigen Film mit Harry Belafonte. Die extrem synkopierten Klänge hatten als unerwünschte
Beigabe einen unüberhörbaren Klirrfaktor.
Nach nur wenigen Jahren machte sich trotz sorgfältiger Handhabung Lesefehler durch die Alterung der Original-
pressung bemerkbar. Möglicherweise war die Bedampfung nicht sauber ausgeführt. Schlechtes Vakuum ist für
solche Herstellungsfehler ausreichend. Dieses Problem fand ich mehrmals auf Discs mit Ursprung Amerika.
Gegen eine Lichtquelle gehalten, zeichnet sich auf solchen Scheiben manchmal ein richtiger Sternenhimmel in
der Verspiegelung ab. Meine sorgfältig gebrannten Kopien sind weit lebensfähiger als US Pressungen!
Im tropischen Klima wachsen in der hohen Feuchtigkeit auf verschmutzten Oberflächen pilzartige Mikroorganismen.
Mit einem feinen fusselfreien Tuch, Fensterreiniger und etwas Glück konnten befallene CD hie und da gerettet
werden. Meine erste positive Erfahrung war vor etwa sechs Jahren Tinu Heinigers `Miss New Orleans`.
Kansas City war mit einfachen Mitteln nicht zu reparieren. Wir haben neuere und alte PC. Ältere Maschinen sind
weniger hoch getaktet. Sie arbeiten langsamer. Die CD Laufwerke drehen die Platten für die Aufnahmen weniger
schnell. Die Geschwindigkeit wird bei der Wiedergabe von Audio CD durch die CD selbst gesteuert. Seit jeher
waren für das Auslesen der CD Fehlerkorrekturprogramme eingeplant. Je nach Hersteller lesen die Geräte die
CD in unterschiedlicher Qualität aus.
Discs, die vom einen Spieler abgewiesen wurden, liefen auf anderen Geräten einwandfrei. Ich kopierte die
schadhafte Scheibe mit tiefer Geschwindigkeit auf einer langsamen Maschine. Die Kopie zeigte den Fehler
nachher auf dem neuen präzisen Spieler mit dem ultralinearen Wandler nicht mehr. Kansas City war gerettet.
Einer der einheimischen Computer-Spezialisten verzweifelte annähernd. Eine seiner CD verhielt sich nicht
normgerecht. Aus seinen Erklärungen wurde nicht klar, ob die CD Lesefehler hatte, ob Viren vorhanden waren
oder ob er durch unverständliche Anweisungen überfordert war. Ich versuchte zu helfen, hatte aber weder
Zeit noch Lust, mit dem etwas eigensinnigen Autodidakten zu diskutieren. Darum bat ich ihn, mir eine Kopie
zu machen. Ich würde ihn nach dem Test telefonisch vom Resultat unterrichten.
Zufrieden verschwand er mit der CD in seinem Verschlag. Arbeitsraum oder Büro wären übertriebene Bezeichnungen.
Dort lagerten vergleichbar Reisanbauterrassen am Berg künstlerisch nachempfunden, allerhand Ersatzteile,
Grafikkarten und Zubehör bunt vermischt mit defektem Material unter dem Slogan: Gekonnte Stapelverarbeitung
(Batch processing – IT Fachausdruck) erspart die Müllabfuhr.
Nach geraumer Zeit erschien er mit einem sorgenfreien Grinsen wieder. Er erwartete offensichtlich meine Hilfe
und drückte mir eine farbige Fotokopie der CD in die Hand.
Das ersparte mir die Zeit für das Nachdenken und das Geld fürs Telefonieren.
http://de.wikipedia.org/wiki/SchallplatteCD
http://de.wikipedia.org/wiki/Compact_DiscFehlerkorrektur
http://de.wikipedia.org/wiki/FehlerkorrekturverfahrenDezibel
http://de.wikipedia.org/wiki/Bel_(Einheit)
Mascara
http://de.wikipedia.org/wiki/Mascara_(Kosmetik)
Robert Altman
http://en.wikipedia.org/wiki/Robert_AltmanAllfällige Fragen beantworte ich gerne, bis auf die eine:
„Leihst du mir Kansas City von Produzent Altman aus?“ „Nein!“