Wie vertrödeln wir unsere Zeit?
Von allgemeinen Zweifeln gepeinigt und verfolgt, fragte ich mich ernsthaft, wieviel Zeit Dick im Durchschnitt für ihre persönliche Haarpflege
aufwendet. Im Mittel dürfte es etwa einer Stunde pro Tag sein. Das ist für tropische Verhältnisse mit viel Gartenarbeit und praktisch jedem
zweiten Tag Haarwäsche relativ bescheiden, wenn ich die Wartezeiten mit weitschweifigem Palaver bei den Haarkünstlerinnen einrechne.
Manchmal nenne ich sie anhand ihrer auf Chaos und Zufall basierenden Frisur respektlos Frau Vogelnest, wobei ich eher die dürftigen Nester
der Sperlinge, als die präzisen Geflechte der Webervögel meine. Beinahe unglaublich ist, beide Vogelfamilien gehören zur selben Ordnung,
Passeriformes. Menschliche Behausungen weisen vom prunkvollen Palast bis zum stinkenden Schweinestall ähnlich vielfältige Bauformen auf.
Als querdenkendes Individuum schlüsselte ich unsere Tagesabläufe auf und kam zu bemerkenswerten Ergebnissen und Erkenntnissen.
Tätigkeit Aufwand in Stunden
Haare 1
Schlafen 7
Bett 9
Essen Kochen 4
Arbeit 4
Garten 2
Körperpflege etc. 2
Wie Sie sehen, ergibt das mehr als 24 Stunden. Deshalb benötigt sie diskussionslos eine Haushalthilfe und ich zum Ausgleich Freundinnen.
Der Fairness gehorchend, muss ich meinen Tagesablauf ebenfalls offenlegen.
Schlafen 7
Bett 9
Kochen Essen 3
PC 6
Garten 1
Notdurft, Badezimmer 1
Mein Tag hat ebenfalls mehr als 24 Stunden. Das bestätigt wiederum, ich benötige unbedingt Freundinnen. Alleine schaffe ich dieses Pensum
nicht.
Wie sah denn mein Stundenplan im Frühjahr 2004 ohne Dick, aber mit Hausbau aus?
Schlafen 6
Massage 2
Spielen mit Masseuse, etc 2
Essen 2
Baustelle 8
Flirten, Unterhaltung 2
PC 1
Notdurft, Badezimmer 0.75
Daraus folgt: Junggesellen leben nicht unbedingt länger, aber gesünder. Mann hat mehr als genügend Zeit für alles und benötigt kaum Freundinnen.
Flirtistinnen und Masseusen reichen für anspruchslosere Muffel vollkommen. Mir fehlte damals zum reich erfüllten Leben pro Tag eine ganze
Viertelstunde. Aber es war eine enorm teure Angelegenheit. Nicht wegen den Masseusen, sondern wegen der Baustelle.
Verschiedene Artikel befassen sich eingehend mit dem Thema.
Auf einem Streifzug durch die einschlägige Literatur entdeckte ich, dass der Mensch in seinem Leben durchschnittlich das 700-fache seines
Körpergewichts verzehrt. Dazu trinkt er, beziehungsweise sie, 45 000 Liter Flüssigkeit.
Wenn jemand dazu über siebzig Jahre Zeit hat, mag das ja gut sein. Was ist, wenn der Sensemann bereits nach siebenundzwanzig Jahren
zuschlägt? Da müsste man entweder schneller kauen, oder sogar wie Mowgli hinunterschlingen. Vom Essverhalten her extrapoliert, ist seine
Lebenserwartung womöglich nicht allzu hoch.
Wissenschaftlich nicht genau belegt, aber berechnet, essen wir 8 Schweine, 300 Hühner, 5 000 Eier, 4 000 Kilogramm Zucker und eine halbe
Tonne Salz.
Wo bleiben bloss Garnelen, Fische und Steaks? Wozu gibt es Schwarzwäldertorten mit viel Sahne oder Sauerkraut mit Geselchtem und Würsten,
wozu Linsen, Kartoffeln, Reis und Nudeln?
Dazu trinken wir angeblich 9 600 Liter Wasser, wie steht es mit dessen Chlorgehalt, 9 300 Liter Bier, 5 000 Liter Milch und fast 11 000 Liter
Kaffee. Da sitzt wieder ein wesentlicher Fehler.
Vor über fünfzig Jahren wurde mir ärztlich empfohlen, auf sämtliche Milchprodukte zu verzichten. Kaffe mag ich ohnehin nicht. Der Spirituosen-
und Weinkonsum dagegen wurde total vernachlässigt. Aber die Statistik behauptet skrupellos: Wir benötigen etwa 7 Jahre um diese Mengen
zu vertilgen.
Weiter wird gelogen, der Mensch verbringe 4,1 Jahre mit Körperpflege und er sitze 2 Jahre lang in der Badewanne. Über so viel Körper verfüge
ich noch nicht. Ich hatte einmal das zweifelhafte Vergnügen, 12 Stunde in einer Wanne zu sitzen, weil mir nach einem Unfall der Kick fehlte, um
den Ort selbständig zu verlassen. Nachher ähnelte ich einem geschlechtslosen Schrumpfkopf. Aber zwei Jahre?
Danach arbeitet der Mensch 7 Jahre. Acht Monate davon werfen wir Spam-Mails in den Papierkorb. Das ist reiner Blondinen Blödsinn. Die benutzen
doch noch Tipp-Ex für Text-Korrekturen am Bildschirm. (5) Wie entsorge ich nicht die Blondinen, sondern den Spam im Papierkorb?
Zwischendurch telefonieren wir bloss 1,45 Jahre lang. Das war bestimmt der Zustand vor der Einführung des Mobiltelefons. Und Thais sind in
dieser Statistik kaum berücksichtigt. Dick schafft mit zwei eigenen und meinem Handy die 1.45 Jahre locker in einem Jahr.
Im Bett schlafen wir angeblich 23 Jahre und erleben 105 299,5 Träume. 7 875 mal geniessen normal frustrierte Sex. Einige Auserwählte auf
der Sonnseite des Lebens schaffen diese Anzahl Nummern in wenigen Jahren. Die schweigende Mehrheit benötigt dazu ein ganzes Dasein.
Nach sorgfältigen eigenen Berechnungen sind anhand der eher geringen Begattungsvorgänge an vier Tagen der Woche Askese oder Handarbeit
wie Onanie, Masturbation und Selbstbefriedigung angesagt. (Zutreffendes bitte ankreuzen.)
Die 7 875 Kopulationen sind ein Durchschnittswert. (6) Einige ausschweifend triebhafte Sexmolche mit ebenso heissen wie aufreizenden
Gespielinnen übertreiben diese nach Papst Pillus dem Antisexten verwerflichen Praktiken hemmungs- und möglichst pausenlos.
Endlich verstehen wir, warum es Kirchen mit Priestern in unterschiedlich farbigen Röcken und safrangelbe buddhistische Mönche mit
Keuschheitsgelübden und ausdrücklich sexueller Enthaltsamkeit geben muss. Ohne sie würde diese Statistik nie stimmen!
(1)
http://www.jakobsweg.ch/dokumente/Spiritualit%C3%A4t/Wie%20verbringen%20wir%20unsere%20Zeit.pdf(2)
http://www.lifego.de/blog/2078/schlaf-arbeit-tv-womit-die-deutschen-ihre-zeit-verbringen/(3)
http://www.loveyourlife.at/Balance/Gut_zu_wissen/%E2%80%9EWussten_Sie,%E2%80%A6%E2%80%9C_wie_viel_Zeit_Sie_womit_verbringen_/-8361-49-1099-de--/cms.html(4)
http://www.helloarticle.com/de/wie-viel-zeit-verbringen-wir-mit-sport-r970.htm(5)
http://de.wikipedia.org/wiki/Tipp-Ex(6)
http://de.wikipedia.org/wiki/Kopulation