@.derbayer.
Ich finde es schade,dass du nicht mehr persoenlich hier schreibst.
Ich weiss,ich weiss,es gibt da einen Blog,aber das ist so,als wuerde
ich meiner Frau Liebesgruesse durch meinen Anwalt ausrichten.
Dabei koennten wir so gut diskutieren,z.B. ueber die Fernsehkoeche !
Dieser Tage,im Forum wurde gerade ueber die Abendteuerlichkeiten
eines thailaendischen Politikers informiert,musste ich mich in die Niederungen
deutscher Fernsehkanaele begeben. Kochen da,Kochen dort,Kochen ueberall !
Aber was fuer ein Unterschied zu fruehen Fernsehkochsendungen.
Damals,als der oesterreichische Fernsehkoch Franz Zodl keinen Braten aus dem
Rohr hob,ohne 5 x zu sagen : " Schau da des an ",roch man die Duefte formlich.
Auch optisch stellte er einen Koch dar.Wohlbeleibt und mit einer maechtigen Koch-
muetze ausgestattet.
Danach wurde fernsehmaessig einige Zeit auf Sparflame kocht,d.h. Kochsendungen
waren rar,bis der Boom losbrach.
Jamie Oliver erstaunte durch die Einfachkeit der Zubereitung und Geschwindigkeit.
Tim Maelzer erhoehte das Tempo derartig,dass man der Meinung war,er koennte
ein 12 gaengiges Menue fuer 40 Personen in knapp 30 Minuten von Grund auf zubereiten.
Gerne erinnere ich mich auch an die,mit bayrischer Idiomie begleitete,Sendungen mit
Alfons Schubeck und Elmar Wepper.
Aber dann hatte ich mich von Kochsendungen " ueberessen".Mir war egal,wie Lanz kocht,
welche Weisheiten Sarah Wiener von sich gab u.s.w.und ich verfolgte lange Zeit keine
derartigen Sendungen mehr.
So war ich erstaunt,welche Wendungen in der Zwischenzeit eingetreten sind.
Heutzutage sind beruehmte Fernsehkoeche keine reinen Koeche mehr,sondern Betriebs-
berater.Alleine oder im Team,besuchen sie Restaurants,die wirtschaftlich am Abgrund stehen,
dessen" Chefkoeche" mehr Erfahrung haben,wie sie ein Auto waschen,als ein Ei hart zu kochen
und sich wundern,dass seit langem die "Bude" von Gaesten gemieden wird.
Blitzschnell werden in so einem Fall,Kuechen umgebaut,Waende umgerissen,die Pachten
neu ausverhandelt,umfassende Warenkunde vermittelt,das Ambiente veraendert,Traenen ge-
trocknet,Aufbruchstimmung vermittelt,140 Hauptgerichte umfassende Speisekarten auf ein
vernueftiges Mass verringert und schon schmilzt der Schuldenstand wie Schnee in der Frueh-
jahrssonne.
Ihre segensreiche Taetigkeit bekam nur zweimal einen Daempfer.Einmal,als sie aus einem
Gastrobetrieb rausflogen,weil sich der Patron uneinsichtig zeigte,ein Zweitesmal als sie einen
Betrieb auf Vordermann bringen wollten,aber weder bei der Qualitaet der Speisen oder beim
Service einhaken konnten.
Ein Drittesmal koennte es passieren,wenn sie in der Kueche meiner Frau taetig werden wollten.
Gestern hatten wir Gaeste.Ein alter und ein neuer Freund aus Oesterreich waren zu Gast.Ihre
Erpressung das Essen betreffend,kleideten sie in blumige Diplomatensprache und orderten
Schweinebraten.
Meine Freunde sind bekannt,fuer ihr gutes Benehmen.Aber gestern vergassen sie ihre ausge-
zeichneten Manieren und forderten einen Nachschlag.
Sie bekamen ihn und als sie die Heimreise antraten,gingen sie nicht zu ihren Autos,sondern
schwebten.
Jock