
Das kann bedrohlich werden: Immer mehr Migranten erreichen Italien über eine neue Mittelmeer-Route aus Ägypten. Kairoer Angaben zufolge sollen sich fünf Millionen afrikanische Migranten in Ägypten aufhalten. Ägypten kämpft mit den Folgen jahrzehntelanger Bevölkerungsexplosion. Brüssel erwägt nun, mit Kairo ein Migrantenabkommen abzuschließen wie im vergangenen März mit der Türkei.
Das war schon lange absehbar: Ägypten entwickelt sich zum Transitland einer nächsten großen Welle afrikanischer Migranten auf dem Weg nach Europa. In den ersten acht Monaten dieses Jahres haben etwa 130.000 Migranten über nordafrikanische Küsten und die zentrale Mittelmeer-Route Italien erreicht. Nimmt man die Route über die Türkei hinzu, so haben bis Ende September schon etwa 300.000 Migranten den Weg nach Europa gefunden.
Fünf Millionen afrikanische Migranten in Ägypten
Jetzt befürchtet die EU eine neue große Fluchtbewegung aus und über Ägypten. Kein Wunder: In Ägypten münden alte Wanderrouten, die von Ostafrika über den Sudan ans Mittelmeer führen. Auch Migranten aus Syrien, Irak oder Afghanistan nehmen inzwischen den Weg über den Sudan nach Ägypten. Kairoer Angaben zufolge sollen sich in Ägypten fünf Millionen wohl zumeist afrikanische Migranten aufhalten – und der unbegrenzte Nachschub von südlich der Sahara lässt sich nur mit Millionen-Zahlen beziffern, die leicht zweistellig werden könnten. Hinzu kommt, dass Ägypten eine lange Grenze zu Libyen hat, noch immer der Hauptstartplatz für die Migranten-Route über das Mittelmeer. Afrikaner, die nicht von Ägypten aus starten wollen oder können, wandern an der Mittelmeerküste einfach weiter nach Westen.
EU-Abkommen mit Kairo? Das wird teuer
In Brüssel hat nun EU-Parlamentspräsident Martin Schulz gegenüber der Süddeutschen Zeitung dafür plädiert, mit Ägypten ein Flüchtlingsabkommen zu schließen, das jenem ähneln könnte, dass Brüssel im März mit der Türkei einging: Ankara hat darin sechs Milliarden Euro erhalten, und die Europäer müssen 70.000 syrische Migranten direkt aus türkischen Flüchtlingslagern übernehmen.
EU-Rettungsaktion spielt den Schleppern in die Hände − und in die Taschen
Schon im vergangenen Mai hatten in Brüssel die EU-Botschafter der Mitgliedsstaaten dem Ministerrat einen Plan zur Entscheidung vorlegen wollen, der die EU-Mittelmeermission Sophia von den libyschen auf die ägyptischen Küstengewässer ausdehnen sollte. Das allerdings hat Athen per Veto verhindert. Die Griechen sind aus Schaden klug geworden. Sie wissen, dass dann Migranten, die EU-Schiffe vor der Küste Ägyptens aus dem Mittelmeer aufnehmen, einfach auf die nahe Insel Kreta gebracht werden. Und dann dort bleiben.
Inzwischen wird auch kaum noch bestritten, dass die groß angelegten EU-Rettungsaktionen den Schleppern und Schleusern in die Hände − und in die Taschen − spielen. Ein Staatsanwalt in der sizilianischen Hafenstadt Catania hat für die inzwischen beendete Rettungsaktion Mare Nostrum der italienischen Marine erklärt, was da passiert ist: „Mare Nostrum hatte eine unerwartete Folge. Die kriminellen Schleuser-Organisationen nutzten die neuen Gelegenheiten und erhöhten absichtlich das Risiko, um die italienische Marine zu zwingen, näher zur afrikanischen Küste zu kommen. So konnten sie ihre Kosten senken und die Preise für die Migranten.“ Von denen dann immer mehr kamen. Mare Nostrum hat die Migrationsroute aus Westafrika und der Sahelzone über Libyen und Sizilien erst richtig in Schwung gebracht. Mit einer Rettungsaktion zwischen Ägypten und Kreta würde es den Europäern vermutlich genauso ergehen.
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