17. März 2009
Studie: Starker Zulauf zu rechten Gruppen
Die Jugendgewalt in Deutschland ist einer aktuellen Studie zufolge eher rückläufig, wobei aber der starke Zulauf Jugendlicher zu rechten Gruppen die Politik alarmiert. Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) zeigte sich "erschrocken" darüber, dass 4,9 Prozent der befragten männlichen Neuntklässler einer rechtsextremen Gruppe angehörten. Jeder siebte befragte 15-Jährige zeigte sich zudem sehr Ausländerfeindlich.
Für die Studie wurden in 61 Landkreisen knapp 45.000 Schülerinnen und Schüler der neunten Klassen befragt, außerdem 8000 Schüler der vierten Klassen, wozu die Ergebnisse erst später bekanntgegeben werden. Die Erhebung des Kriminologischen Forschunginstituts Niedersachsens (KFN) ergab, dass 4,8 Prozent der Befragten schon einmal Opfer von Raub oder Erpressung wurden. An den Schulen ereigneten sich mit 1,6 Prozent nur selten schwere Gewalttaten. Im Vergleich zu früheren Schülerbefragungen aus dem Jahr 1998 seien die Ergebnisse in den meisten Gebieten rückläufig oder stabil, sagte KFN-Direktor Christian Pfeiffer in Berlin.
Ein drastischer Anstieg der Jugendgewalt, wie teilweise in den Medien berichtet, könne insgesamt nicht bestätigt werden, so die Schlussfolgerung der Forscher. Seit 1998 habe die Akzeptanz von Gewalt zur Durchsetzung von Interessen deutlich abgenommen. Zugleich gaben die Jugendlichen weit häufiger als noch vor zehn Jahren an, dass ihr soziales Umfeld gewalttätiges Verhalten missbilligen würde. Auch die in den Familien erlebte Gewalt ging im Vergleich zu früheren Befragungen zurück, wie Pfeiffer sagte. Dies wirke sich sofort auf die Zahl der von Jugendlichen begangenen Gewalttaten aus. Was die Schulen angehe, gebe es die eindeutig klare Botschaft: "Die Gewalt geht zurück."
Mobbing ernstzunehmendes Thema an Schulen
Zugleich wiesen die Ergebnisse der Studie aber darauf hin, dass Mobbing an Schulen "ein ernstzunehmendes Problem darstellt". Gelegentlich gehe ein solches Verhalten auch von den Lehrkräften aus.
Schäuble, dessen Ministerium die Studie in Auftrag gab, sagte zu den Ergebnissen insgesamt, sie gäben "eine Menge Anstöße zum Handeln, aber auch das Gefühl, dass es sich lohnt zu handeln". Die Wirksamkeit präventiver Maßnahmen zur Bekämpfung von Jugendkriminalität könne nun weiter verstärkt werden. Zu dem starken Zulauf zu rechten Gruppierungen sagte Schäuble, hier müssten die Bemühungen weiter intensiviert werden. In diesem Bereich seien noch keine signifikanten Fortschritte erzielt worden, räumte Schäuble ein.
Ausländerfeindliche Einstellungen
Von den befragten Jugendlichen stimmten 29,7 Prozent uneingeschränkt der Aussage zu, in Deutschland gebe es "zu viele Ausländer". In hohem Maß ausländerfeindliche Einstellungen offenbarten demnach 14,4 Prozent, also jeder siebte Befragte. Als eindeutig rechtsextrem wurden 5,2 Prozent der Jugendlichen eingestuft, stark antisemitisch äußerten sich zudem 4,3 Prozent.
Von den befragten Jungen gaben zudem 4,9 Prozent an, Mitglieder einer rechtsextremen Gruppe oder Kameradschaft zu sein. Bei Mädchen waren dies 2,6 Prozent. Es sei "erschreckend, dass die Rechten beim Einsammeln der Jugendlichen mehr Erfolg haben als die etablierten Parteien", sagte Pfeiffer. Er verwies darauf, dass bei den Jugendorganisationen der Parteien nicht einmal zwei Prozent der Jugendlichen organisiert seien.
Pfeiffer hob hervor, dass es auch im Westen Regionen gebe, wo 9,3 Prozent der befragten Jugendlichen Mitglied in einer rechten Gruppe waren. Gleichzeitig gebe es in Ost und Weist auch Gebiete mit null Prozent. Dies könne damit zusammenhängen, dass es dort zum Beispiel keine Konzerte rechtsextremer Bands gebe. Diese Regionen sollten nun weiter untersucht werden, um herauszufinden, wie eine wirksame Prävention aussehen könne.
Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) kritisierte: "Der Rückzug von Staat und Gesellschaft aus einer aktiven Jugendarbeit ist für rechte Gruppierungen insbesondere in ländlichen Regionen ein gefundenes Fressen." Organisationen wie die rechtsextreme Wiking-Jugend füllten mit Freizeitangeboten die dort hinterlassene Lücken, erklärte die FdP in Berlin.
gefunden in SAT 1 Nachrichten für unsere Rückwanderer die eventuell "Mischlingskinder" haben, passt auf wo Ihr Euch niederlasst