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Autor Thema: Bali und das Nyepi Fest  (Gelesen 20463 mal)

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nfh

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Re: Bali und das Nyepi Fest
« Antwort #60 am: 08. April 2013, 21:18:29 »

Hallo zusammen,
Ich war 2007 und 2008 auch auf Bali und habe einige Touren unternommen. Mit dem Fahrrad und Tagestouren mit dem Auto.
Bali ist wirklich eine Reise wert. Das Landesinnere sollte man sich wirklich anschauen und viel Zeit mitbringen, um die besondere Stimmung Balis zu erleben.

dank an Wolfgang für den schönen Bericht
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wufgaeng

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Re: Bali und das Nyepi Fest
« Antwort #61 am: 08. April 2013, 21:42:17 »

danke @nfh
und wenn Du Lust hast, dann setzte doch auch mal ein paar Bilder von Dir.
Ich arbeite jetzt bereits an meiner Fortsetzung und morgen geht es weiter mit meinem Beitrag über den berühmten Pura Ulun Danu Bratan Tempel am Bratan See.
Jeder, der in einem Fotobuch oder einem Reiseprospekt über Bali blättert, der findet meist als erstes Bilder von diesem berühmten Wassertempel und dem Tempel Pura Tanah Lot, über den ich bereits einen Beitrag geschrieben habe.
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wufgaeng

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Der Wassertempel Pura Ulun Danu Bratan
« Antwort #62 am: 09. April 2013, 23:30:34 »

Wenn in einem Bildband, einem Fotobuch, einem Reiseprospekt oder einer Anzeige in einem Fach-Magazin über über Bali und seine Sehenswürdigkeiten berichtet wird, dann wird in erster Linie über diesen märchenhaft angelegten Wassertempel Pura Ulun Danu Bratan geschrieben und dieser abgebildet. Der historische Ort ist für jeden Besucher der Insel Bali eines der wichtigsten Sehenswürdigkeiten und kaum ein Tourist lässt dies aus.
Im Norden Balis liegt der idyllische Bratan-See. Der großzügig angelegte Tempelkomplex von Pura Ulun Danu im Ort Candi Kuning am Bratan-See ist einer der wichtigsten Tempel von Bali.
Ulun Danu bedeutet übersetzt "Kopf des Sees".
Ursprünglich ein hinduistisch-buddhistischer Tempel wurde Pura Ulun Danu Bratan 1633 von einem König namens Mengwi auf mehreren kleinen Inselchen des Bratan-Sees erbaut. Die ganze Anlage besteht aus neun kleineren Tempeln.
Nach den verheerenden Vulkanausbrüchen in den Jahren 1917 und 1926, als der Tempel von den Lava Massen nahezu vollständig zerstört wurde, wird dieser ständig renoviert.
Der Tempel befindet sich auf der westlichen Uferseite des Sees ganz in der Nähe einer moslemischen Enklave und ist einer hinduistischen Göttin namens Danu gewidmet.
Dieser Wassertempel Pura Ulun Danu Bratan gehört wohl zu den am häufigsten fotografierten Sehenswürdigkeiten Balis.
Der Bratan-See selbst ist ein riesiges Wasserreservoir für den südlichen Teil Balis. Man achtet streng darauf, den See von allen Verunreinigungen zu bewahren. Alle sechs Monate kommen die gläubigen Hindus hierher, um den Göttern Opfergaben zu bringen und sie um eine gesicherte Wasserversorgung zu bitten.


Im gepflegten Park des Tempel-Komplexes. Von allen Seiten immer der traumhafte Blick auf die Tempeltürme, wobei einer elf und der andere drei Dächer hat.
Ein Zutritt zu der Tempelanlage auf dem See selbst ist allgemein nicht möglich und nur zu speziellen Anlässen für Hindus gestattet.


Zwei seiner mehrstöckigen Merus stehen auf einer kleinen Insel im See, und wenn der Nebel über dem Wasser liegt, sieht es so aus, als ob der kleine Tempel zwischen Himmel und Erde schweben würde. Bei klarem Wetter wird der Tempel wie von einem Spiegel im See reflektiert.
Die Wetterlage wechselt von Minute zu Minute, denn hier befindet sich eine Wetterscheide. Jetzt erblickten wir den Tempel noch in diesem Licht ...


... nur etwa zehn Minuten später sah es dann so aus.


Ein lokaler Fischer in der Nähe des Tempels spähte auch bei dieser Wetterlage nach seinem Fang.
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Der heilige Park Pura Ulun Danu Bratan
« Antwort #63 am: 10. April 2013, 16:31:48 »

Wenn man sich nach dem tropisch warmen Klima in Meeresnähe einmal abkühlen möchte, dann ist dieser Ausflug zu dieser berühmten Tempelanlage das Richtige. Durch die hohe Lage in den Bergen ist es dort deutlich kühler, die Temperaturen fallen hier schon mal auf 10°C. Das Wetter wechselt ständig.
Wir verbrachten den ganzen Tag auf diesem Tempelgelände, unser Mittagessen in einem moslemischen Restaurant. Die Ortschaften am Bratan-See sind überwiegend moslemisch und man trifft auch einige Moslems als Besucher in der hinduistischen Tempelanlage.
Auf dem Weg zu den berühmten zwei Merus betritt man einen sehr gepflegten Park mit weiteren Tempelanlagen. Das Tempelinnere darf meist nur von Gläubigen betreten werden, die Tempelmauern sind aber so niedrig, so dass man sein Wunschmotiv gut von Außen vor die Linse bekommt.


Ein kleiner buddhistischer Tempel im Pure Ulun Danu Bratan Komplex.
Es befindet sich auf dem Gelände auch eine buddhistische Stupa, in der sich fünf meditierende Buddhas befinden. Buddha ist für die Hindus eine Manifestation des Gottes Visnu, von daher ist es keine Seltenheit, dass hinduistische Tempel auf Bali auch buddhistische Elemente enthalten. Die beiden Glaubensrichtungen existieren hier in perfekter Symbiose.


Ein frisch vermähltes Hochzeitspaar flog aus Jakarta ein, um ihre Erinnerungsfotos in der berühmten Tempelanlage schießen zu lassen.


Balinesische Tempelgänger am Ufer der Tempelanlage.


Eine Fotoaufnahme über die Mauer in den Innenhof eines Hinduschreins.
Dieser ruhige halb Hindu, halb buddhistische Tempel-Komplex wurde im Jahre 1633 erbaut.


Der samtweiche Rasen, die farbigen Trompetenblumen und Gladiolen und die Tropenbäume vermitteln eine mystische Szene von großer Schönheit.
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Rundum dem Wassertempel Pura Ulun Danu Bratan
« Antwort #64 am: 10. April 2013, 20:45:11 »

Wir bleiben noch ein bisschen in diesem Tempelbezirk und beobachten das Geschehen. Eine Mutter schenkt ihrer Prinzessin einen Maiskolben. Eine eher unscheinbare Szene, die aber in diesem Moment ein wunderschönes Gefühl vermittelt. Das kleine Mädchen betrachtete lange meine Fotos, nicht nur die, die ich von ihr und ihrer Mutter machte.

Ein Stückchen weiter sah man Arbeiter, die ein Tempeldach neu errichteten. Das dafür verwendete Gras stammt aus dem Dschungel. Die Dachdecker riefen zum Mitmachen auf.

So locker, leicht, charmant und harmonisch wie die Balinesen sich geben, so ist auch deren Architektur. Die Luftige, offene Bauweise findet man überall auch in den Gebäuden und den Tempeln.
Überdachte Terrassen und offene Wohnräume, lichte Dächer aus Bambus und Gras, kleine schöne Türen, Verzierungen an Pfeilern und Dächern und die in Stein gehauenen Verzierungen um Fenster und Türen harmonisieren mit der Landschaft von Bali und bringen die Natur so nah das sie beinahe zur Erweiterung des Wohnzimmers wird.


Eine kleine balinesische Prinzessin mit ihrer Mutter


Ein nicht definierbares Tiermonster


Dachdecker bei ihrer Arbeit, das Bambusgerüst, auf dem sie stehen und gehen, schwankt beängstigend, ist aber stabil.


Besucher im Tempelpark von Pura Ulun Danu Bratan.
Schon wieder hat sich das Wetter geändert, es spielt Kapriolen.

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Batur, Trunyan und die Bali Aga - Ureinwohner Balis
« Antwort #65 am: 11. April 2013, 19:01:19 »

Bali ist eine Insel im Ring of Fire, dem Pazifischen Feuering. Dieser Vulkangürtel umfasst eine Reihe von Inselbögen im Pazifik zu der eben auch Bali gehört.
Der Gunung Agung und der Gunung Batur sind die bekanntesten Vulkane auf Bali, obwohl der Batur eigentlich ein "Dom" innerhalb einer Caldera ist. Diese Caldera hat einen riesigen, bis 13,5 km großen Durchmesser.
Das Wort Gunung bedeutet "Berg".

Aus historischer Zeit sind zahlreiche Ausbrüche des Batur bekannt: So kam 1905 ein Lavastrom aus einem Krater am Westhang des Batur in bebautem Gebiet zum Stillstand. Nach einer Serie von kleineren Eruptionen seit 1921 öffnete sich im August 1926 südlich des Baturs eine Spalte, aus der Lava austrat und große Teile des Dorfes Batur überschüttete. Im September 1963 wurde aus mehreren Schloten westlich des Gipfels Lava gefördert, die nach Süden und Westen floss. Beim letzten Ausbruch des Batur zwischen März 1999 und Juni 2000 kam es zu Ascheeruptionen und kleineren Explosionen im Gipfelbereich.

Die riesige Caldera ist von etwa 16.000 Menschen bewohnt, davon leben auf der anderen Seite des Sees die Ureinwohner der Insel die Bali Aga.

Aus dem Gebiet von Gunung Batur und der dort lebenden Urbevölkerung, den Bali Aga schreibe ich die folgenden Berichte und setze meine Fotos von mehreren Reisen:
Wir besuchten auch das Aga Dorf Trunyan am Batur See. Trunyan ist nahezu komplett von der Außenwelt abgeschnitten und entzieht sich völlig den balinesischen-hinduistischen Einflüssen. Die Einwohner halten an Traditionen und Sozialordnungen fest, die noch aus prähistorischen Zeiten stammen. Es gibt in Trunyan keine Verbrennungen. Die Toten werden nahe am See, ca. 30 Bootsminuten vom Dorf entfernt, abgelegt und der Natur überlassen. In diesem "Friedhof" gibt es einen heiligen Baum, dank dieses Baumes, so glauben die Einwohner, findet kein natürlicher Verwesungsprozess statt. Ich kann bestätigen, dass dort keinerlei Verwesungsgeruch in der Luft liegt.


Eine Vogelscheuche und der Vulkan Gunung Batur


Straße nach Toya Bungkah, einem Dorf am Fuße des Vulkans und Ausgangspunkt für eine Besteigung des Gunung Batur.
Auf der rechten Seite der Vulkan in der Wolkendecke, die Straße führt über Lavafelder.
Beim letzten Ausbruch des Batur zwischen März 1999 und Juni 2000 kam es zu Ascheeruptionen und kleineren Explosionen im Gipfelbereich.


Der Gunung Batur. in einer dramatischen Wolkendecke. Von der anderen Seite des Vulkansees aufgenommen.


In einem Bali Aga Dorf bei Trunyan. Mein Freund Michael und unser Minibus im Vordergrund.

Im nächsten Beitrag berichte ich über den Ort Trunyan und den sagenhaften Friedhof, in dem die Verstorbenen zur Verwesung ausgesetzt werden. Einige meiner nächsten Fotos mögen für manche Betrachter unangenehm erscheinen. Ich möchte vorher darauf hinweisen.


edit: auf Wunsch von wufgaeng eine Textaenderung vorgenommen
« Letzte Änderung: 11. April 2013, 20:29:03 von Bruno99 »
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Bali Aga Dorf Trunyan
« Antwort #66 am: 11. April 2013, 21:24:08 »

Der holprige Weg von der Hauptstraße zum Bali Aga Dorf Trunyan ist extrem schlecht zu befahren. Manchmal geht es steil hinauf oder bergab und ganz besonders während des heftigen Regengusses gleicht die Fahrt einer Schlammschlacht. Das ist der Grund, warum fast alle Besucher mit dem Boot nach Trunyan kommen. Wir hatten die Fahrt gewagt.
Eine andere Option wäre der Weg von oben, der aber nur Freikletterern zu empfehlen ist. ??? ;D


Das Bali Aga Dorf Trunyan während eines Regengusses.


Pura Pancering Jagat Tempel in Trunyan. Ein hinduistischer Tempel im Dorf mit der prä-hinduistischen Aga Kultur.
Obwohl der Eintritt für Ausländer verboten war, hatten wir mit Hilfe der lokalen Bevölkerung eine Chance für einen Zugang. Aber es war innen nicht viel mehr zu sehen als von außen.


Ein Bali Aga Mädchen mit ihrem kleinen Bruder.
Noch kurze Zeit vorher sahen wir das Mädchen während des schrecklichen Regengusses mitten auf dem Batur See. Sie brachte ihren Fischfang nachhause.


Bali Aga Einwohner beim Verhandeln über die Bootsfahrt zum Friedhof.
Hier erlebten wir einen, von den ganz ganz wenigen Fällen der versuchten Abzocke auf Bali:
Der Weg zum Friedhof ist nur mit dem Boot erreichbar, es gibt keinen Weg zu Fuß und an Land. Wir wurden von den Menschen vor Ort aufgefordert, ein Boot zu mieten. Aber diese Dorfbewohner versuchten uns mit utopischen, frechen, hohen Preisen zu nötigen.
Also haben wir erst mal abgelehnt, auf den Friedhof zu gehen. Wir sagten jedoch, dass wir am nächsten Tag mit unseren eigenen Schlauchboot kämen. Plötzlich dann akzeptieren sie einen Preis, viel viel niedriger als beim ersten Angebot (aber immer noch viel zu hoch).

Leider sind heutzutage manche Bootsfahrten eklatante Touristenfallen und erinnern an die Taxi-Mafia auf Phuket. Dieser Nepp machte sich publik auf Bali und woanders spricht man von einer massiven Image-Schädigung, die schlussendlich alle Einwohner auf Bali negativ trifft.

Dies ist ein Beispiel wie in vielen anderen Ländern, wo sich der Tourismus breit macht: Touristen können die Mentalität der Menschen vor Ort in einer sehr kurzen Zeit zu schweren Problemen führen und für die Zukunft der Einheimische wichtige Lebenswege, wie Erziehung, Schule, Bildung und die vernünftige persönliche Einstellung zur täglichen Arbeit verderben.
« Letzte Änderung: 11. April 2013, 21:35:45 von wufgaeng »
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Der Friedhof Trunyan
« Antwort #67 am: 12. April 2013, 16:45:45 »

Der "Open Air Friedhof" von Trunyan namens Kuburan ist nur mit dem Boot erreichbar. Für die Fahrt vom Bali Aga Dorf Trunyan zur Verwesungsstätte ist das Ruderboot etwa 30 Minuten unterwegs. Wir waren die einzigen westlichen Besucher. Nur wenige lokale Dorfbewohner kamen, um ihren Verbliebenen ihre alltägliche "Mahlzeit" zu bringen, die dann schließlich neben dem toten Körper ebenfalls verrottete oder von wilden Tieren gefressen wurde. Die verstorbenen Körper liegen zur Verwesung in Bambusverschlägen damit sie von Tierfraß geschützt sind. Obwohl ich an die Verschläge und den, zum Teil schon zur Hälfte verwesten Körper herantrat, war (fast) kein Geruch wahrzunehmen. Drei große Banyan Feigenbäume verhindern offensichtlich den üblen Verwesungsgeruch, ich kann das bestätigen.

Ähnliche Luftbestattungen erlebte ich bei Parsen, der aus Persien stammenden, heute verfolgten, Religionsgemeinschaft und bei Lama Buddhisten im Norden Nepals (Lo Manthang) und in Tibet. Nur werden dort die aufgebahrten Leichname vor der Verwesung meist von (heiligen) Geiern gefressen.
 
Nach der Verwesung der Leichname von vorher verheirateten Toten werden die Schädel auf einem Podest platziert, die Skelette von nicht verheirateten normal begraben.
Frauen und Mädchen ist der Zutritt der Verwesungsstätte nicht erlaubt, die Leute glauben, dass sonst wieder ein gewaltiger Vulkanausbruch bevorstünde.
Dies entspricht natürlich nicht meiner Meinung, aber auch in Europa haben wir Orte mit ähnlichen Regeln, wie z.B. Athos in Griechenland.



Der abgelegene Ort Kuburan neben der Verwesungsstätte.


Das Willkommensschild zum Friedhof.
Mein erster Gedanke und Wunsch war: "Lasst mir bitte noch ein paar Jährchen Zeit!"


Verwesungsstätte von Kuburan. Vor den Bambusverschlägen werden den Verstorbenen in geflochtenen Körben regelmäßig Essen und Getränke gebracht. Wilde Tiere, wie Vögel und Nager, bedienen sich.
Es gibt drei Verwesungsstätten mit jeweils bis zu neun Verschlägen:
Kuburan ist eigentlich nicht der einzige Verwesungs-Friedhof, den auch wir besuchten.
Die anderen sind: Sema Bantas, die Grabstätte von denen, die Selbstmord begangen haben
und Sema Nguda, die Grabstätte von Kindern oder anderen jungen Menschen, die noch nicht verheiratet waren.


Ein gerade verstorbener Leichnam hinter dem schützenden Bambusverschlag.


Nach der Verwesung werden die Schädel auf einem Podest postiert.

Auf einem Friedhof in Trunyan ist immer nur Platz für maximal neun Leichen auf einmal. Wenn ein frischer neuer Körper gebracht wird, werden die Knochen seiner Vorgänger weggezogen. Ihre Schädel werden ganz in der Nähe auf diese altarähnliche Steinplattform gelegt, während andere Knochen in der Umgebung verstreut oder begraben werden.

Auf den ersten Blick sieht der Friedhof von Trunyan wie ein makabrer Massaker Boden. Solche Bilder erinnerten uns sofort an schreckliche Dokumentarfilme mit den grausamen Szenen aus der Nazivergangenheit oder den Massakern türkischer Milizen an Armeniern (1915 bis 1918).

Empfindsame und sensible Touristen sollten diesen Ort besser meiden.

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Tobi CR

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Re: Bali und das Nyepi Fest
« Antwort #68 am: 12. April 2013, 17:16:54 »

Nochmal ein herzliches Danke
für die schönen Berichte und die Einblicke
in eine fremde Welt  :)
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Auf dem Batur-See
« Antwort #69 am: 12. April 2013, 17:54:21 »

danke @Tobi CR - und heute berichte ich noch weiter:

Nach dem Besuch dieses Friedhofs der Verwesung klarte am Spätnachmittag das Wetter auf. Immer wiederkehrender Platzregen hörte auf und einzelne einheimische Fischer suchten nach einem Fang vor Tagesende. Die Stimmung wäre romantisch gewesen, hätten wir vorher nicht die verwesten Leichen gesehen.
Trotzdem verbrachten wir noch eine Weile auf dem Batur-See, um die Atmosphäre zu genießen.


Am Pier vor dem Friedhof.
Die dicken Regenwolken lösten sich nach und nach auf und der Vulkan Batur zeigte sich im gelblich farbigen Nachmittagslicht.
Ganz auf der anderen Seite des Sees liegt der Ort Toya Bungkah, Ausgangspunkt für eine Tour auf den Batur Vulkan.


Ein lokaler Fischer in seinem Einbaum. Fischen gleich nach dem Platzregen verspricht besonders guten Fang.


Ein weitere Anlieger in seinem primitiv gebauten Einbaum, vor ihm die Schüssel mit dem Fischernetz.


Auch die jüngsten Einwohner versuchen ihren Fang. Bei diesem Anblick hatte man das Gefühl, der Einbaum würde jeden Moment versinken.


Gefischt wird mit dünnen Netzen, die vom Einbaum ausgeworfen werden.


Der Ort Trunyan vor der Rückkehr nach dem Friedhofbesuch.
Unser Minibus war dort geparkt und wir mussten uns beeilen, um nicht bei Dunkelheit den schlechten Weg zurückzufahren.

Der Tag war ein besonderer, der mir bis heute noch markant im Gedächtnis geblieben ist. Eigentlich war dies kein Ort, den man unbedingt besichtigen sollte, zumal man die unangenehme Erfahrung der versuchten "Abzocke" einiger Möchtegern-Geschäftsleute machen musste. Trotz allem aber zeigt der Besuch von Trunyan eine andere Kultur, als die, die man sonst auf Bali zu sehen und zu spüren bekommt. Jeder erwachsene Mann (Frauen und Mädchen dürfen, wie schon beschrieben, die Verwesungsstätte nicht besuchen) sollte selbst bestimmen, so einen Ort aufzusuchen. Aber er sollte Massenführungen meiden und sich nicht von dubiosen Schleppern verleiten lassen. Für alle weiblichen und empfindsamen Besucher gibt auf Bali in der Tat schönere Attraktionen.
« Letzte Änderung: 12. April 2013, 18:02:54 von wufgaeng »
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Kern

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Re: Bali und das Nyepi Fest
« Antwort #70 am: 13. April 2013, 03:56:03 »

Breitgefächerter Reisebericht mit Tiefgang und herrlichen Fotos  {*
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Re: Bali und das Nyepi Fest
« Antwort #71 am: 13. April 2013, 16:39:04 »

Breitgefächerter Reisebericht mit Tiefgang und herrlichen Fotos  {*

danke Dir Achim, ich habe noch so viele Fotos von der Götterinsel, einige will ich noch posten. Am 26 April fliege ich wieder, zum x-ten Mal nach Bali und will mit meinem balinesischen Freund noch Neues entdecken. Eine Woche später geht es weiter nach Flores.

Als Nächstes möchte ich einige Fotos aus vergangenen Reisen nach Bali posten. Die Landschaft an den Vulkanen ist, wie auch bei anderen Vulkan-Landschaften, atemberaubend.

Gleich gehts weiter mit gescannten Dia-Fotos aus dem Jahre 2001. }}
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Gunung Batur und der Vulkankessel
« Antwort #72 am: 13. April 2013, 17:55:05 »

Die folgenden Fotos, die ich hier von der fantastischen Vulkanlandschaft setze, stammen aus dem Jahr 2001. Die Dias bekamen im Laufe der langen Lagerzeit einen leichten Blaustich. Trotzdem scanne ich gelegentlich alte Fotos und erwecke dabei die Erinnerungen von meinen wunderschönen Reiseerlebnissen. Die Qualität der gescannten Fotos ist somit den vorangegangenen Digital-Aufnahmen nicht gleichwertig.

Im Jahr 2001 kam ich mit einer thailändischen Reisegruppe nach Bali. Wie ich schon vorher berichtet hatte, wurden die täglichen Tagesausflügen meist in überteuerten Touristen-Souvenirshops verschwendet, sodass ich aus Enttäuschung über jenen Reiseablauf meinen Aufenthalt auf Bali um eine Woche eigenmächtig verlängerte, um mit meiner Frau Salama die schönen Seiten der Insel zu bereisen.
Die ganze Vulkaninsel Bali ist ein Paradies an Schönheit. Wir trafen etliche Abenteuer-Touristen, die auf Schusters Sohlen Tage verbrachten, indem sie treckend durch die Gegend zogen und dabei Land und Leute ganz besonders nahe kamen.
Dies ist schon immer auch mein Ideal beim Reisen: An erster Stelle Land, Leute, Kultur und Bräuche kennenzulernen und dann über lange Zeit die gewonnenen Kontakte pflegen.

Wir beschränkten und auf die Gegend des Batur-Vulkankessel, den See und den Batur-Vulkanberg. Im Jahre 1978 hatte ich es bis zum Krater geschafft und musste damals vier Stunden über scharfkantige Lavabrocken bergauf wandern. Die Mühe wurde mit einer überwältigenden Aussicht belohnt, doch auf der Spitze spürte ich eine unerträglich feuchtkalte Wettersituation bis in die Knochen.

2001 haben wir auf die Besteigung verzichtet, doch rundherum schöne Stunden verbracht:


Der Gunung Batur Vulkan in Wolken, von Süden aus gesehen, rechts der Kratersee Danau Batur.
Wie der andere Vulkan, der Gunung Agung im Osten, so zählt nach dem Glauben der Balinesen auch der Batur zu den vier Kardinalpunkten. Obwohl bergsteigerisch kaum eine Herausforderung, ist die Besteigung des Batur dennoch außerordentlich lohnend, da man vom Gipfel einen einzigartigen Rundumblick hat. In dem gebildeten Einbruchskessel liegen der Gunung Batur und der gleichnamige See leider oft etwas im Dunst und man hat deshalb nur ganz selten einen wirklich klaren Panoramablick.


Der Ort Kedisan und der Batur-See.


Ein steiniger Weg auf den Vulkangipfel. Gutes Schuhwerk ist unerlässlich. Die Lavabrocken sind sehr scharfkantig.
Auf der anderen Seite der Mount Abang 2150m, der Gipfel ist meist in einer Wolkendecke, eine Besteigung führt fast immer in den Nebel.


Der Batur-See und der Mount Abang.
Am Fuß des Berges kann man die Bali-Aga-Ortschaft Trunyan erkennen noch ein wenig weiter links den Friedhof Kuburan.


Ein Wassertempel im Batur-See.
Dieser Tempel wurde von den Göttern verschont. Obwohl es in der jüngeren Zeit mehrere Vulkanausbrüche gab, ist der Tempel immer heil geblieben.

Für jeden, der eine Besteigung des Vulkans oder eine Treckingtour plant, empfehle ich "Mt Bator Trekking" (e-Mail kunang_dps@indo.net.id), eine Agentur, die perfekte Ausflüge organisiert.
Gutes Schuhwerk, lange Hosen und feste Kleidung sind unbedingt erforderlich. Die Wege sind meist moderat aber sehr steinig und scharfkantig und manchmal geht's steil bergauf.
Achtung: Ich habe in Fernost-Asien selten so gefroren wie auf Bali bei der Vulkantour.
« Letzte Änderung: 13. April 2013, 18:55:47 von wufgaeng »
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Re: Bali und das Nyepi Fest
« Antwort #73 am: 13. April 2013, 21:24:41 »

Noch ein paar Bilder von der Reise im Mai 2001. Fotos von meinen vorherigen Reisen auf Bali habe ich leider bisher noch nicht gescannt.

Kintamani ist ein Ort im Batur-Gebiet, wo man in einem Thermalbad mit wohltuenden Massagen einen ganzen Tag im Pfuhl verbringen kann, bis man selbst so aufgeweicht ist, wie eine Semmel vor seiner Knödelverarbeitung. Die balinesischen Massagen sind bekannt als traditionelle indonesische Heilmethode mit einer Mischung aus Streichung, Dehnung, Knetung und Pressur. Es erzeugt eine tiefe Entspannung und wirkt zugleich durchblutungsfördernd, muskellockernd und revitalisierend. Eine fast immer zutreffende Regel sagt: Je älter die Balinesin, desto besser die Massage, denn die alten Damen haben die meiste Erfahrung und sind deshalb am besten drauf. Zarte Berührungen und kräftige Knetungen öffnen den Raum für eine tiefgehende Zufriedenheit mit sich und seinen Körper. Die warme Umgebung, der Duft des exotischen Öles und die sanften Klänge einer fernen Gamelan-Musik lässt einen von fernöstlichen Welten träumen. Ein wunderbarer Weg vom Alltag loszulassen und neue Energie zu tanken.
{; (Lassen wir unanständige Wünsche lieber zuhause, denn dazu bräuchte ein in Bangkok Lebender nicht nach Bali fliegen!)


Im Thermal-Pfuhl in Kintamani


Märchenhafte Landschaft auf dem Weg von Kedisan an die Nordküste nach Bondalem.


Reisterrassen, Reis ist auf Bali mehr als ein Grundnahrungsmittel, denn Essen ist für die Balinesen gleichbedeutend mit Reis essen.


Eine Mutter mit ihrer Tochter am Ausgang von einem der 30.000 Tempel auf Bali.

Die Zahl der Tempel auf Bali ist nicht abzuschätzen. Bali wird auch die "Insel der tausend Tempel" genannt und das ist mit Sicherheit weit untertrieben.

Aus neuesten Daten aus dem Jahre 2012 gibt es auf Bali
4.356 Tempel der Art Pura desa (Tempelanlagen in Städten und Dörfern),
723 Tempel der Art Pura kahyangan jagad (Tempelanlagen in gebirgigen Regionen)
und
923 der Art Pura segara (Tempel am oder im Meer).
Also insgesamt 6.002 Tempel, dazu kommen die vielen privaten Haustempel, sodass auch die Zahl von 30.000 nicht übertrieben scheint.

Jedes Banyar (Kommune aus mehreren balinesischen Familien) beheimatet drei Tempel:
den Pura Puseh (Ursprungstempel),
den Pura Desa (Tempel der großen Ratsversammlung)
und den Pura Dalem (Todestempel).
Manchmal sind der Pura Puseh und der Pure Desa in einem Komplex vereint.
« Letzte Änderung: 13. April 2013, 21:32:26 von wufgaeng »
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Re: Bali und das Nyepi Fest
« Antwort #74 am: 14. April 2013, 15:18:07 »

@wufgaeng

Ein wirklich interessanter und schöner Bericht über Bali ;} ;} ;}
Vielen Dank und weiter so {*
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